Full text : Illustriertes Realienbuch.

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Kriegen  besiegt,  den  Raubstaat  Tunis  erobert  und  22000  Christensklaven
befreit  hatte,  gedachte  er  die  Fürsten  des  Schmalkaldischen  Bundes  zu  unter—
werfen  und  die  lutherische  Ketzerei  auszurotten.  Durch  Uneinigkeit  und  Zag—
haftigkeit  gaben  ihm  die  Bundesgenossen  leichtes  Spiel.  Siegreich  drang  er
bis  an  die  Elbe  vor  und  bekam  nach  der  Schlacht  bei  Mühlberg  (1547)
beide  Häupter  des  protestantischen  Bundes,  Philipp  von  Hessen  und  Johann
Friedrich  von  Sachsen,  gefangen  in  seine  Hände.  Als  der  blutende  Johann
Friedrich  den  Kaiser  „Allergnädigster  Kaiser!“  anredete,  fuhr  ihn  dieser  an:
„So,  bin  ich  das  nun?  Ihr  habt  mich  lange  nicht  so  geheißen!“  Der  unglückliche
  Fürst  sprach:  „Ich  bin  Eurer  Majestät  Gefangener  und  bitte  um
fürstliches  Gefängnis!“  Der  Kaiser  sprach:  „Ihr  sollt  gehalten  werden,  wie
ihr  es  verdient!“  Den  Seinen  schrieb  er:  „Ich  kam,  sah,  und  Gott  siegte!“
Als  man  ihm  an  Luthers  Grabe  riet,  die  Ketzerleiche  zu  verbrennen,  sagte
er:  „Lasset  ihn  ruhen,  er  hat  seinen  Richter  gefunden!“  Uber  die  Zustände
in  Sachsen  äußerte  er:  „Wir  haben  es  in  diesen  Landen  anders  gefunden,
als  uns  gesagt  worden  ist!“  Seinem  Bundesgenossen  Moritz  von  Sachsen
gab  er  die  Kurwürde  und  ein  großes  Stück  des  eroberten  Landes.  Derselbe
Moritz  aber,  als  er  die  Macht  des  Kaisers  so  drohend  wachsen  sah,  schloß  im
geheimen  Bündnisse,  sogar  mit  dem  Könige  von  Frankreich,  um  den  Kaiser
zu  demütigen  und  sein  verlorenes  Ansehen  bei  den  Envangelischen  wieder  zu
gewinnen.  Plötzlich  überraschte  er  den  kranken  und  wehrlosen  Kaiser  in
Innsbruck,  nötigte  ihn  zur  Flucht  bei  Regen  und  Sturm  durchs  Gebirge  und
zwang  ihm  den  Vertrag  von  Passau  ab,  aus  dem  später  der  Augsburger
  Religionsfriede  (1555)  wurde.  Evangelischen  und  Katholischen
wurden  dadurch  gleiche  Rechte  zugestanden.  —  Die  erschütterte  katholische
Kirche  erhielt  durch  die  Beschlüsse  des  Konzils  zu  Trient  eine  neue  Gestaltung
  und  durch  die  Jesuiten  kluge  und  mutige  Verteidiger,  deren  Wahlspruch
  war:  „Alles  zur  größern  Ehre  Gottes!“  Die  Spaltung  in  Lehre  und
Verwaltung  dauert  bis  heute  zwischen  beiden  Kirchen  fort;  die  Pflicht  eines
jeden  Christen  ist  es,  durch  die  Liebe  im  Leben  den  Riß  heilen  zu  helfen.

Nach  so  vielen  Kämpfen  und  Enttäuschungen  legte  der  kranke  Kaiser  seine
Kronen  nieder  und  zog  sich  in  das  spanische  Kloster  St.  Just  zurück,  um  seine
Zeit  frommen  Ubungen,  der  Pflege  des  Gartens  und  der  Anfertigung  von
Uhren  zu  widmen.  Noch  bei  Lebzeiten  ließ  er  sein  feierliches  Leichenbegängnis
halten,  wurde  aber  davon  so  erschüttert,  daß  er  wenige  Tage  darauf  starb.

12.  Die  Reformation  in  der  Mark
Brandenburg.  In  dieser  Zeit  war
Joachim  I.  Kurfürst  in  der  Mark.  Sein
Wahlspruch  hieß:  „Durch  Gericht  und
Gerechtigkeit!“  Mit  großer  Strenge  belämpfte
  er  die  Raubritter,  welche  wieder
keck  ihr  Haupt  erhoben.  An  seine  Thür
schrieben  sie:  „Joachimchen,  Joachimchen,
hüte  dich!  fangen  wir  dich,  so  hangen  wir
dich.“  Sie  legten  ihm  einen  Hinterhalt,
dem  er  nur  durch  die  Warnung  eines
Bauern  entging.  In  einem  Jahre  ließ  er
70  dieser  Räuber  hinrichten.  Als  ihm  ein
Onkel  schrieb,  er  solle  nicht  gegen  den  Adel
seines  eigenen  Landes  wüten,  antwortete
34.  Joachim  I.  er:  „Nicht  adeliges,  sondern  nur  Schelmen-