— 58 — 1
Kriegen besiegt, den Raubstaat Tunis erobert und 22000 Christensklaven
befreit hatte, gedachte er die Fürsten des Schmalkaldischen Bundes zu unter—
werfen und die lutherische Ketzerei auszurotten. Durch Uneinigkeit und Zag—
haftigkeit gaben ihm die Bundesgenossen leichtes Spiel. Siegreich drang er
bis an die Elbe vor und bekam nach der Schlacht bei Mühlberg (1547)
beide Häupter des protestantischen Bundes, Philipp von Hessen und Johann
Friedrich von Sachsen, gefangen in seine Hände. Als der blutende Johann
Friedrich den Kaiser „Allergnädigster Kaiser!“ anredete, fuhr ihn dieser an:
„So, bin ich das nun? Ihr habt mich lange nicht so geheißen!“ Der unglückliche
Fürst sprach: „Ich bin Eurer Majestät Gefangener und bitte um
fürstliches Gefängnis!“ Der Kaiser sprach: „Ihr sollt gehalten werden, wie
ihr es verdient!“ Den Seinen schrieb er: „Ich kam, sah, und Gott siegte!“
Als man ihm an Luthers Grabe riet, die Ketzerleiche zu verbrennen, sagte
er: „Lasset ihn ruhen, er hat seinen Richter gefunden!“ Uber die Zustände
in Sachsen äußerte er: „Wir haben es in diesen Landen anders gefunden,
als uns gesagt worden ist!“ Seinem Bundesgenossen Moritz von Sachsen
gab er die Kurwürde und ein großes Stück des eroberten Landes. Derselbe
Moritz aber, als er die Macht des Kaisers so drohend wachsen sah, schloß im
geheimen Bündnisse, sogar mit dem Könige von Frankreich, um den Kaiser
zu demütigen und sein verlorenes Ansehen bei den Envangelischen wieder zu
gewinnen. Plötzlich überraschte er den kranken und wehrlosen Kaiser in
Innsbruck, nötigte ihn zur Flucht bei Regen und Sturm durchs Gebirge und
zwang ihm den Vertrag von Passau ab, aus dem später der Augsburger
Religionsfriede (1555) wurde. Evangelischen und Katholischen
wurden dadurch gleiche Rechte zugestanden. — Die erschütterte katholische
Kirche erhielt durch die Beschlüsse des Konzils zu Trient eine neue Gestaltung
und durch die Jesuiten kluge und mutige Verteidiger, deren Wahlspruch
war: „Alles zur größern Ehre Gottes!“ Die Spaltung in Lehre und
Verwaltung dauert bis heute zwischen beiden Kirchen fort; die Pflicht eines
jeden Christen ist es, durch die Liebe im Leben den Riß heilen zu helfen.
Nach so vielen Kämpfen und Enttäuschungen legte der kranke Kaiser seine
Kronen nieder und zog sich in das spanische Kloster St. Just zurück, um seine
Zeit frommen Ubungen, der Pflege des Gartens und der Anfertigung von
Uhren zu widmen. Noch bei Lebzeiten ließ er sein feierliches Leichenbegängnis
halten, wurde aber davon so erschüttert, daß er wenige Tage darauf starb.
12. Die Reformation in der Mark
Brandenburg. In dieser Zeit war
Joachim I. Kurfürst in der Mark. Sein
Wahlspruch hieß: „Durch Gericht und
Gerechtigkeit!“ Mit großer Strenge belämpfte
er die Raubritter, welche wieder
keck ihr Haupt erhoben. An seine Thür
schrieben sie: „Joachimchen, Joachimchen,
hüte dich! fangen wir dich, so hangen wir
dich.“ Sie legten ihm einen Hinterhalt,
dem er nur durch die Warnung eines
Bauern entging. In einem Jahre ließ er
70 dieser Räuber hinrichten. Als ihm ein
Onkel schrieb, er solle nicht gegen den Adel
seines eigenen Landes wüten, antwortete
34. Joachim I. er: „Nicht adeliges, sondern nur Schelmen-