30 Faos deuische Reich und seine einzelnen Glieder. (Jan. 28—30.)
mich in den Kulturkampf hineingezogen hat, das ist Herr Krätzig, der Vorsitende
der katholischen Abteilung, derjenigen Abteilung, die innerhalb der
preußischen Bureaukratie die Rechte des Königs und der Kirche zu wahren
gebildet war, die aber ausschließlich eine Thätigkeit in der Richtung entwickelte,
daß sie die Rechte der römischen Kirche sowohl, wie namentlich aber
die polnischen Bestrebungen gegenüber dem König mit seiner Autorität und
unter seinem Siegel wahrnahm. Und deshalb mußte sie aufgelöst werden.
(Oho! im Zentrum und bei den Polen.)
Eine zweite Erklärung für den Fortschritt der Polen liegt in der
Leichtigkeit, die sie für die Agitation durch die Einführung der Reichsverfaskung
und der Reichsgesetze über Presse und Vereine gewonnen haben. Die
polnischen Herren find nicht schüchtern gewesen in der Ausbeutung aller der
Gesetze, die im Deutschen Reiche und in Preußen gegeben waren. Sie erkennen
sie ihrerseits nicht an: sie erkennen ihre Zugehörigkeit zu Preußen
nur auf Kündigung und zwar auf 24stündige Kündigung an; wenn sie heute
Gelegenheit hätten, gegen uns vorzugehen, und stark genug wären, so würden
sie nicht einmal gegen 24stündige Kündigung, sondern ohne Kündigung losschlagen.
(Große Unruhe bei den Polen.) — Ja, meine Herren, ist einer
von Ihnen, der sein Ehrenwort darauf geben kann, daß das nicht wahr ist,
(große Helereih daß alle die Herren zu Hause bleiben werden, wenn die
Gelegenheit sich bietet, mit ihren Banderien auszurücken, — dann will ich
meine Behauptung zurücknehmen; aber das Ehrenwort verlange ich. (Heiterkeit.)
Und daß Sie mir einreden wollen, das wäre ein Irrtum — meine
Herren, so dumm sind wir wirklich nicht, ich wenigstens nicht. (Heiterkeit.)
Also das Zweite ist eben die reichliche Agitationsmöglichkeit, welche
die Reichsgesetze geben, und die für die deutschen Abgeordneten im Reich ein
Bedürfnis war, um mit den nötigen Kampfmitteln gegen die eigene Regierung
ausgerüstet zu sein. Gerade in dieser Abneigung, in diesem für alle
deutschen Generationen vielleicht traditionellen Bedürfnis des Kampfes und
der Kritik gegen die eigene Regierung finden die Polen wiederum eine sehr
kräftige Anlehnung. Sie eignen sich alles an, was von irgend einer Seite
der preußischen Regierung vorgeworfen wird, weil deren Schwächung ja das
erste ist, was sie hier innerhalb der preußischen Grenzen überhaupt zur Realisierung
und Wiederherstellung der polnischen Republik zu leisten haben.
Dann hat ihnen die Reichsverfassung eine starke Anlehnung an verschiedene
Parteien gegeben, die ihrerseits ebenfalls bereit sind, die Regierung
unter allen Umständen zu bekämpfen; in dieser Negative findet sich ja eine
beträchtliche Anzahl, unter Umständen sogar die Majorität im Reichstage zusammen,
eine Moajorität, die ganz unfähig ist, eine positive Regierung zu
bilden, eine Majorität, deren leitende Prinzipien in den letzten Fällen, die
vorlagen, von der polnischen und von der sozialdemokratischen Fraktion bestimmt
wurden und allenfalls noch von den übrigen — ich kann wohl sagen
fenischen, nihilistischen Fraktionen, — womit ich keine kränkende Bezeichnung
brauchen will; ich meine nur eine Fraktion, die unter allen Umständen die
jetzige Regierung nicht nur, sondern die jetzigen Reichseinrichtungen negiert
und die nicht will, eine Fraktion, auf welche ich ein Sprüchwort anwenden
möchte, das mir aus meiner Zeit als Deichhauptmann in der Erinnerung
ist: wat nich will dieken, dat mut wieken, was nicht will deichen, das muß
weichen; wer nicht mitarbeiten will an dem Staat zu seinem Schutz, der gehört
nicht zum Staat, der hat keine Rechte an den Staat: er soll weichen
aus dem Staat. So barbarisch sind wir nicht mehr, daß wir die Leute austreiben,
aber es wäre eigentlich die gerechte Antwort gegen alle diejenigen,
die den Staat und seine Einrichtungen negieren, daß ihnen auch ihrerseits
der staatliche Schutz in allen Beziehungen entzogen werde, desjenigen Staatés,