268 HNie Gekerreichisch-Angerische Moenarchie. (Dezember 9.—24.)
heit geworden. Rußland allein kann den Frieden exhalten, indem es seine
Politik der Bedrohungen und der Anmaßung ändert.“
An der Börse fallen anhaltend bedeutende Kursrückgänge vor.
9. Dezember. (Polnische Rettungsbank.) Nach einer
Mitteilung des „Kurjer Lwowski“ hat Erzbischof Morawski von
Lemberg der Geistlichkeit die Teilnahme an der Agitation für die
polnische Rettungsbank verboten.
13. Dezember. (Stellung Kalnokys.) Das offiziöse „Wiener
Fremdenblatt“ schreibt:
„ Angesichts der Konjekturen und Kommentare, welche einige ungarische
Blätter an das Gerücht von einer Demission des Grafen Kalnoky knüpfen,
erscheint es notwendig, von neuem aufs bestimmteste zu konstatieren, daß das
Gericht ausschließlich auf ein Börsenmanöver zurückzuführen ist und daß
daher auch alle Erörterungen, mit denen inländische und ausländische Blätter
diese in ernstern Kreien nicht einen Augenblick beachtete Nachricht begleiten,
von selbst hinfällig werden.“
21. Dezember. (Dalmatien: Russische Sprache.) Der
Landtagsabgeordnete Bakotic (Kroat) und Genossen hatten am 6.
den Antrag gestellt:
„daß die russische Sprache in den dalmatinischen Realschulen als obligater
Lehrgegenstand eingeführt und daß überdies an jedem Gymnasium
ein Lehrstuhl für russische Sprache und Literatur errichtet werde."“
Bei der Beratung begründet er densfelben damit, daß die herrlichen
Geistes- und Kulturschätze der slawischen Sprachen dem Volke
Dalmatiens erschlossen werden müßten.
Der Führer des Landtags, Dr. Klaitsch, erklärt dazu:
„Er würdige alles, was der Vorredner über Rußland gesagt, vollkommen
und sei selbst im zussischen Schrifttum gut bewandert; er werde
jedoch angesichts des Geschreies der Deutschen gegen den Antrag stimmen, „da
dessen Annahme der Erreichung der nächsten politischen Ziele, denen man
im nationalen Interesse zustreben müsse, Eintrag thun könnte.“
Die slawische Mehrheit des Landtages lehnt in diesem Sinne
die Einführung des Russischen als Lehrgegenstand vorläufig ab.
22. Dezember. (Bulgarische Frage.) Das „Fremdenblatt"
erklärt offiziös, daß keine Verhandlungen zwischen Oesterreich und
Rußland über Bulgarien stattfinden. Oesterreich beharre auf seinem
alten Standpunkte: es habe den Prinzen Ferdinand nicht zum Fürsten
gemacht und könne ihn auch nicht absetzen.
24. Dezember. (Panfslawistische Umtriebe.) Der Eigentümer
und Herausgeber des in Wien in deutscher Sprache erscheinenden
panflawistischen Blattes „Der Parlamentär“", Dr. Karl
Zivny, Schwiegersohn des jungtschechischen Parteiführers Strejschowski,
wird verhaftet.