Stimmen über die deutschen
Welche Freude und welche Erwartungen aber schon
die ersten Nachrichten über deutsche Streikversuche bei
unseren Feinden erregt haben, zeigen die feindlichen
Pressestimmen, aus denen wir ein paar herausgreifen.
Ulnter der lberschrift „Die deutschen Streiks“
schrieb der „Figaro“ am 24. April:
Was uns hauptsächlich dabei interessiert, ist der
Einflust des Streiks auf die Operationen des Heeres. Er
bat sich schon auf Essen und mehrere Munitionsfabriken
ausgedehnt, und wenn er sich noch mehr ausbreitete und
länger dauerte, so müßte die Versorgung der Truppen
schwer leiden, zumal sie jetzt viel Munition verbrauchen,
und wenn der Verbrauch auf der ganzen 200) Kilometer
langen Kampffront gleichmäßig groß ist, worauf die
Heeresberschle schließen lassen, so müssen sich Riesenzahlen
ergeben. Jede Schwächung der Munitionsherstellung
muß sich also an der Front rasch geltend machen und
könnte leicht einen weiteren Rückzug zur Folge haben.
Der sozialistische Abgeordnete Alexandre Pressemane,
ein bervorragendes Mitglied der französischen * tinderbeit,
deren Organ die Zeitung „Le Populaire“ ist, schrieb
in diesem Blakte:
„Es ist wohl wahr, daß die wirtschaftliche Lage
Deutschlands schwierig ist und daß die minderbemittelten
Klassen vfel leiden... Aber wo findet man die Versicherung,
daß, wenn die Hungersnot die Deutschen veranlassen
sollte, eine Revolutson zu machen, die Verbandsmachte
nicht die Verwirrung benutzen würden, um einen
entscheidenden Sieg über Deutschland, zu erringen und
ihm einen Frieden zu diktieren, der den Bestrebungen
unferer (Zensurlücke) entspricht?
Dos von der französischen Zensur hier gestrichene
Wort kann „Regierung“ oder „Chauvinisten“ oder etwas
ahnliches bedeuken. Pressemane meinte also, daß eine
deutsche Streikbewegung oder gar Revolution den Leitern
der Ententemächte die Möglichkeit bereiten werde,
Deutschland zu besiegen und zu zerstückeln.
Oderstleutnant Rousset, einer der bekannkesten französischen
Militärschriftsteller, forderte in der „Lbberfé“
einen sofortigen Gesamtangriff des Verbandes auf allen
Fronten, von dem er sich mit Rücksicht auf die Streikbewegung
in Deutschlanb große Erfolge verspricht. Der
gegenwärtige Augenblick, sagt er, wäre sehr gut gewählt,
denn Deutschland, dessen innere Anruhen, selbst wenn
man sie nicht überschätzk, in jedem Fall eine starke Gärung
beweisen, befindet sich setzt an unserer Front ohnehin in
der Defensive und könnte diese kaum aufrechterhalten,
wenn seine Heere auf allen Fronken gleichzeitig an-Perissen
würden.
Anteil der Rüstungsarbeiter am Siege.
Die geringen Erfolge, die sich aus dem groß angelegten,
mit tatkräftiger Unterstützung Amerikas vorbereiteten
Durchbruchsversuch für die englische Armee
bei Arras ergaben, haben das englische Hauptquartier
veranlaßt, dem Munitionsminister und den englischen
Mumilionsarbeikern besonderen Dank auszusprechen. Auch
der südafrikanische General Smuts, der der Schlacht bei
Arras beigewohnt hatte, hat in Edinburg erklärt, daß
der Fortschritt bei. Arras in erster Linie ein Erfolg der
englischen Rüstungsarbeiter gewesen sei, die in den
jetzt 100 staatlichen und 4800 staatlich kontrollierten
Betrieben alle ihre Kräfte für die Herstellung von Kriegsmakerial
eingesetzt hätten. Dank dieser Hingabe der
Rüstungsarbeiter brauche der englische Artillerist nicht
mnehr ängstlich die Granaten zu zählen, die er verschieße.
(„Dailp Mail“ vom 17. 4. 1917.)
Diesen Leistungen gegenüber kann der deutsche
Rüstungsarbeiter mit stolzer Genugtuung darauf hinweisen,
daß der geplante Durchbruch unter vernichtenden
Niederlagen der englischen und französischen Heere vor
Arras und an der Aisne gescheitert ist, nicht zuletzt, weil
die Leistungen der deutschen Rüstungsindustrie sich denen
der gesamten Welt gewachsen gezeigt haben. E
auch im deutschen Heeresbericht vom 25. April 1917 gesagt
werden:
So konnte
An den Erfolgen der letzten Schlachten hat feinen
besonderen Anteil jeder Deutsche, Mann oder Frau,
Bauer oder Arbeiter, der sich in den Dienst des Vaterlandes
stellt, seine Kräfte einsetzt für die Versorgung des
Heeres.
utsche Mann an der Fronk weiß, daß ein.
Schuldigkeit tut und rastlos schafft, um
ihm draußen in der Schwere des Kampfes auf Leben und
Tod, um Sein oder Richtsein beizustehen!
Die Aufgaben des Heimatheeres.
(Rach einem Aufruf des Senators Bérenger an die fran—
zösische Zivilbevölkerung. Paris Midi vom 19. 4. 1917.)
Der Fortschritt der französischen Truppen zur Befreiung
des Landes hängt von dem Maße ab, in welchem
das Heer Munition, Kriegsmaterjal und Zufuhr erhält.
Das Heeres-Genie kann nichts machen, wenn nicht alle
notwendigen Waffen, Geschosse, Automobile und Eisenbahnschienen
geliefert werden. Versorgung ist die Aufgabe
hinter der Front, genau wie Kämpfen die Aufgabe
vor der Front ist. Riemand darf daher die dringendste
Aufgabe des Bürgers vergessen, Getreide zu bauen,
Kleider, Kohle, Eisen, Transportmittel, Munition zu
iaffen- Denn das ist nolwendig zum Leben und zum
Stiegen.
Druck: Linden-Druckerei und Verlags-Ges. m. b. H.. Berlin= 3W 6.