— 119 —
werden, als ob jener nur vorgeschobene Kulisse, dieses aber
des Redners wahrer Geist war; umgekehrt dürfte dieser
Schlenker nur ein durch den bittern Groll hervorgereizter
Tribut an den alten Adam sein, der prinzipiell schon über—
wunden war.
Und noch zwei Sätze aus der großen Marktrede in
Jena! „Ich habe erst in reiferen Jahren einsehen gelernt,
welchen Ring in der Rette der göttlichen Vorsehung für die
Entwicklung unseres deutschen Daterlandes die Schlacht
von Jena gebildet hat. Mein herz kann sich nicht darüber
freuen, mein Derstand sagt mir aber: wenn Jena nicht
gewesen wäre, wäre vielleicht Sedan auch nicht gewesen.“
„Es gehört zu der göttlichen Jührung der deutschen Nation,
auf die ich für die Zukunft Dertrauen habe, daß politische
Zufälle, die niemand voraussehen konnte, den engen Jusammenhang
zwischen Oesterreich und Rußland, der uns
zur Zeit von Olmütz gegenüberstand, sprengten uff.“
Mit dem Elauben an die Lührung der deutschen Na—
tion gehörte unmittelbar zusammen der GElaube an eine
spezielle Jürsorge Gottes für das angestammte Königtum.
Wie wir schon aus der Rede über den christlichen Staat
wissen, war Bismarcks Loualität unmittelbar mit seiner
Srömmigkeit geeint. „Sprich nicht geringschätzig von dem
RNönige“, mahnt er seine junge Srau 56); „wir fehlen beide
darin und sollten nicht anders von ihm reden wie von unsern
Eltern, auch wenn er irrt und fehlt, denn wir haben
seinem Sleisch und Blut Treue und huldigung geschworen.“
Wie sein Derhalten im Justande der Gereiztheit durch den
jungen herrn sich damit verträgt, bleibt da freilich eine