130 Das Nenische Reich und seine einzelnen Glieder. (August 3.— 13.)
welche das Ministerium von Elsaß-Lothringen eine wahrhaft fürstliche, ja
königliche Freigebigkeit verwendet. Ihr Bauern Lothringens, protestiert gegen
die Eisenbahn bauten, die euren Erzeugnissen neue Absatzgebiete eröffnen,
protestiert gegen die von der Regierung so fürsorglich bedachten landwirtschaftlichen
Bezirksvereine. Protestiert dagegen, daß die Militärbehörde ihre
Ankäufe unmittelbar bei den Landwirten macht, protestiert gegen die Fürsorge
des Ministeriums in Straßburg, daß eine Untersuchung über die durch
den letzten Winter hervorgerufene Notlage der Landwirtschaft anstellen läßt
und für die Beschaffung, sowie unentgeltliche Abgabe von Saatgetreide an
solche Landwirte bedacht ist, die ohne dies die Einsaat für das nächste Jahr
nicht vornehmen könnten. Ihr Winzer, protestiert gegen die wohlwollende
Aufmerksamkeit, welche die Regierung der Bekämpfung der Reblaus, des
falschen Mehltaues und der anderen Rebkrankheiten zuwendet, die euch und
einem der wichtigsten Handelszweige unfres Landes die Lebenserhaltung
sichern. Jawohl, protestiert, wenn ihr es könnt, aber spielt nicht die Empfindlichen,
wenn hier und da einmal, wie sich das ja nicht vermeiden läßt,
etwas minder vollkommenes dazwischen läuft, denn, bedenkt es wohl: wenn
unser ehemaliges Vaterland das linke Rheinufer erobert hätte, wäre es nicht
so friedfertig vorgegangen, wie Deutschland in Elsaß-Lothringen. Die Pfalz
weiß ein Liedlein zu singen von der Milde der französischen Eroberer und
dem Sammethandschuh des großen Turenne.“ Der Verfasser führt dann
bekannte Aeußerungen von Petri, Hoeffel und anderen Abgeordneten an,
die sich rückhaltslos auf die deutsche Seite gestellt haben, und erklärt laut:
„Jch bin der Stimmführer derjenigen, die drinnen in ihrem Herzen denken
wie ich. Heute schon sind sie zahlreich, morgen werden sie eine Legion bilden,
übermorgen ist es die große Mehrzahl. Lothringen und die Religion werden
nur Nutzen davon ziehen.... Eine gewaltige Bewegung drängt einer friedfertigen
Richtung in der Politik zu: unfre Brüder im Elsaß sind uns vorangegangen,
indem sie einige Abgeordnete gewählt haben, die offen auf die
Seite der gottgewollten Regierung getreten sind."“
3. August. Ende des Bochumer Stempelprozesses. Die
leitenden Ingenieure Gemme und Bering werden nicht nur freigesprochen,
sondern ihnen, wie den Leistungen des Bochumer Gußstahlwerkes
ein Zeugnis vorzüglicher Tüchtigkeit ausgestellt.
8. August. Im Reichsamt des Innern beginnen die Verhandlungen
über einen russischen Handelsvertrag.
9. August. Dem Staatsminister und Minister des Innern
Herrfurth wird die Entlassung bewilligt. An seiner Stelle wird
der Präsident des Staatministeriums Graf zu Eulenburg zugleich
Minister des Innern.
12. August. Aus marinetechnischen Gründen wird bestimmt,
daß die Entsendung eines deutschen Kriegsschiffes nach Spanien zur
Kolumbusfeier unterbleibt.
13. August. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende Entscheidung
über die Weltausstellung:
In Sachen der Berliner Weltausstellung ist die Entschließung Seiner
Majestät des Kaisers von dem Reichskanzler durch nachfolgenden Bericht
erbeten worden: