Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Neunter Jahrgang. 1893. (34)

230

1881  hatte  Bismarck  wie  Thiele,  Bucher,  Busch  seine  Stimme
noch  für  Stöcker  abgegeben  und  das  bei  Tisch  so  moti—
viert  1):  „Ich  wollte  erst  diese  Agitation  für  Stöcker  als
Antisemiten  nicht,  sie  war  mir  unbequem  und  ging  zu
weit.  Jetzt  aber  freue  ich  mich  darüber,  daß  der  hof—
prediger  gewählt  ist.  Er  ist  ein  tätiger,  furchtloser,  standhafter
  Mann  und  hat  ein  Maul,  das  nicht  tot  zu  machen
ist.“  Als  aber  mit  der  Thronbesteigung  des  jungen  Kaisers
die  Waldersee-Stöcker-Hammersteinschen  Kreise  Einfluß
auf  die  höchste  Stelle  zu  gewinnen  drohten,  da  kehrte  der
Hürst  zu  seinem  alten  Widerwillen  gegen  die  Dolitiker
in  langen  Mleidern  zurück.

Es  kann  in  diesem  Jusammenhang  nicht  darauf  verzichtet
  werden,  den  berühmten  „Scheiterhaufenbrief“
des  geistlichen  Holitikers  abzudrucken,  so  gern  man  dies
bedauerliche  Drodukt  einer  komplizierten  Situation  und
Denkart  der  Dergessenheit  überließe  32).  „Was  man  meines
Erachtens  tun  kann  und  muß,  ist  folgendes.  Drinzipiell
wichtige  Jragen,  wie  Judenfrage,  Martineum,  harnack,
Reichstagswahl  im  sechsten  Wahlkreise,  die  gewiß  mit  einem
Hiasko  der  antisozialdemokratischen  Elemente  schließt,
muß  man,  ohne  B.  zu  nennen,  in  der  allerschärfsten
weise  benützen,  um  dem  KNaiser  den  Eindruck  zu  machen,
daß  er  in  dieser  Angelegenheit  nicht  gut  beraten  ist,  und
ihm  den  Schluß  auf  B.  überlassen.  Man  muh  also  rings
um  das  Kartell  Scheiterhaufen  anzünden  und  sie  bell  auflodern
  lassen,  den  herrschenden  Opportunismus  in  die
Slammen  werfen  und  dadurch  die  Lage  beleuchten
Merkt  der  Kaiser,  daß  man  zwischen  ihm  und  B.  Jwietracht