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diesem damals auch in Italien eine solche neue Hilfs-Truppe höchst
erwünscht machen mußte, kann es nicht überraschen, daß es ihnen
gelang, sich in dessen Gunst zu setzen. Im Jahre 1540 durften sie
sich in aller Form als „Orden“ konstituieren, der nach dem Vorgange
der anderen Bettelorden mit Umgehung der kirchlichen Hierarchie
direkt vom Papste ressortierte und von diesem die weitgehendsten
Privilegien als Seelsorger u. s. w. erhielt.
Ignatius ward „General“. Als solcher forderte und erlangte
er von seinen Untergebenen den absoluten Gehorsam, den er selbst in
der Konstitution als einen Kadaver-Gehorsam gekennzeichnet hat.
Soll doch der Einzelne seinem Oberen so blindlings und ohne jeden
Eigenwillen gehorchen, daß er in der Hand desselben sei „wie ein
Stab in der Hand eines Greises“ oder „ein Leichnam, den man
beliebig hin und her wenden kann“.
Auf diesen Grundsatz unbedingtesten Gehorsams ist die jesuitische
Ordensgemeinschaft in erster Linie gestellt; derselbe bildet tatsächlich
dessen Kerngedanken. Haben es doch schon die Exerzitien des Ignatius
darauf angelegt, mit der Bindung des Intellekts, der Aufgabe der
freien Urteilskraft, zugleich den Eigenwillen so gründlich als möglich
zu ertöten. Wer sich dieser „Hypnose“ aussetzt, ist — geliefert, der
kann gar keinen eigenen Gedanken und damit auch keinen eignen
Willen mehr haben, der ist zu einem bloßen Werkzeuge desjenigen
geworden, der diese Hypnose über ihn verhängt hat, unter dessen
Anleitung er sich der „Übung“ unterzieht. Der Jesuit soll denn auch
nicht, wie ein Bedienter oder selbst ein gewöhnlicher Soldat nur
äußerlich gehorchen, indem er seinem Auftrage oder dem Befehle
seines Vorgesetzten nachkommt, ein solcher Gehorsam, der eine eigene
Gedankenwelt nicht ausschließt, genügt noch nicht, er darf vielmehr
nicht ruhen, als bis er seinen Eigenwillen dem Oberen gegenüber so
vollständig ausgelöscht hat, daß er nur noch mit seinem Gebieter
empfindet und denkt, daß sein Wille in dem des Oberen so vorbehaltlos
aufgegangen ist, daß er keine eigene Willensregung mehr kennt. In
dieser „Vollkommenheit“ des Gehorsams liegt die „Vollkommenheit"
der Organisation der Gesellschaft oder „Compagnie“ Jesu des Ignatius,
er ist es, der ihn zu einem so unvergleichlichen machthaberischen Werkzeuge
macht, wie noch kein General über ein solches verfügt hat.
Auf die Erzielung dieses Gehorsams ist in der Organisation
des Ordens alles angelegt. Der Eintretende muß damit beginnen,
seine Fehler und auch seine Vorzüge, seine Laster und Tugenden so
vollständig zu beichten, daß ihm womöglich nichts zu bekennen übrig
bleibt. Auf Grund dieser Beichte, welche seine Personalakten eröffnet,