Das Deutsche Reich und seine einzelnen Glieder. Juni 5.—9.) 127
zusetzenden Preise in Gold an- und verkauft und als gesetzliche Noten erklärt
werden. Der Preis des ersten Vertragsjahres soll der Minimalpreis
sein, und im Falle einer Erhöhung des Vertragspreises darf der Preis nicht
wieder unter den erhöhten Preis herabgesetzt werden. Bei etwaiger Auflösung
des Vertrags soll eine Verteilung des im Depot befindlichen Silbers
unter die Vertragsländer nach einem bestimmten Plane stattfinden. Dieser
Antrag ist von den Vertretern der Goldwährung als ein überaus gefährliches
Experiment, gewissermaßen als die Bildung einer Art von Haussekonsortium
für Silber bezeichnet worden und auch die Hauptvertreter des
Bimetallismus, wie insbesondere die Herren Leuschner und v. Kardorff haben
den Antrag für sehr bedenklich erklärt und es abgelehnt, sich an der Diskussion
desselben zu beteiligen. Die Herren Königs und Lexis, die eine
gewisse Mittelstellung in der Währungsfrage einnehmen, haben sich gegen
diesen Antrag Arendt ebenfalls erklärt, mit der Motivierung, daß derselbe
ganz unausführbar sei, so daß außer dem Antragsteller selbst nur die Herren
v. Schalscha und Wülfing denselben, wenn auch mit Vorbehalt, befürworten
konnten. Also auch dieser letzte positive Vorschlag ist don der überwiegenden
Mehrheit als unausführbar und nicht zum Ziele führend bezeichnet worden.
Die Ansichten der außerdem vernommenen Sachverständigen der Geologie
und Bergtechnik in Bezug auf die mutmaßliche Zukunft der Gold- und
Silberproduktion gingen naturgemäß auseinander. Die Mehrzahl der Sachverständigen
hielt jedoch ein Fortdauern, ja selbst eine Steigerung der jetzigen
Goldproduktion für durchaus wahrscheinlich.
(Näheres über die Verhandlungen in folgenden Werken: „Die Lösung
der Währungsfrage.“ Berlin, Walther. „Wie Deutschland zur Goldwährung
kam“, ebenda und Verhandlungen der deutschen Silberkommission“,
ebenda. Vgl. ferner Königs, Preuß. Jahrbb. Bd. 76 und „Deutsches Wochenblatt“
Nr. 26.)
5. Juni. (Württemberg.) Die Regierung zieht die Vorlage
über Verfassungsänderung zurück, da kein Projekt Aussicht auf
Annahme hat.
Juni. (Bund der Landwirte.)
Durch die Presse geht die Nachricht, daß der Bund der Landwirte
eine eigene Tageszeitung gründen werde, als deren Redakteur der Herausgeber
der Wochenschrift „Die Zukunft", Maximilian Harden, in Aussicht
genommen sei. Die „Kreuzzeitung“ erklärt, in diesem Falle sich nicht mehr
an den Bestrebungen des Bundes beteiligen zu können. Harden erklärt in
der ,,Frankf. Ztg.“, ihm sei die Redaktion angeboten, er habe sie aber abgelehnt.
7. Juni. (Kolonialrat.) Beratung über die Grundbuchordnung
für Ostafrika.
Der Kolonialrat wird durch folgende Personen gebildet: Geh. Rat
v. Hansemann, Staatssekretär a. D. Dr. Herzog, Bankier v. d. Heydt, Assessor
a. D. Lucas, Staatsminister v. Hofmann, Dr. Schroeder, Direktor Hernsheim,
Kaufmann Adolf Woermann, Kaufmann Thormählen, Staatssekretär
a. D. Dr. v. Jacobi, Domherr Dr. Hespers, Fürst Hohenlohe, Konsul a. D.
Vohsen, Geheimer Oberpostrat Kraetke, Rechtsanwalt Dr. Scharlach (Hamburg),
Geheimer Kommerzienrat Eugen Langen, Geheimer Kommerzienrat
Dr. Oechelhauser, Oberst v. Pallezieux, Privatgelehrter Paul Staudinger,
Ministerialpräsident a. D. Dr. von Grimm.
9. Juni. Geh. Oberbaurat Schwedler in Berlin T.