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Der alte Weidenbaum bewegte seine Zweige im Winde, und
es fielen große Wassertropfen von den grünen Blättern, als ob der
Baum weine. Die Sperlinge fragten: „Weshalb weinst du? Hier
ist es ja so gesegnet! Sieh, wie die Sonne scheint; sieh, wie die
Wolken ziehen! Atmest du nicht den Duft von Blumen und
Büschen? Weshalb weinst du, Weidenbaum?“ Und der Weiden—
baum erzählte vom Stolze des Buchweizens und von der Strafe,
die diesem immer folgt.
Ich, der ich die Geschichte erzähle, habe sie von den Sperlingen
gehört. Sie erzählten sie mir eines Abends, als ich um ein
Märchen bat.
48. Die Farben. Von Franz Hoffmann.
Es war sehr heiß gewesen. Nachmittags zogen schwere Wolken
herauf — ein heftiges Gewitter entlud sich; erfrischender Regen
strömte herab. Nachdem die Wolken vorübergezogen waren, strahlte
die Sonne auf die erquichten Bäume und Blumen und spiegelte sich
in zahllofen Tropfen, die auf den Gräsern und Blättern hingen.
Die Kinder traten mit der ältesten Schwester Maria in den
Garten; sie freuten sich der erfrischenden Luft, der herrlich duftenden
Blumen und des Gesanges der Dögel. Dann setzten sie sich im Gartenhäuschen
nieder. Da sagte KFranz auf einmal: „Die rote Farbe ist
mir von allen die liebste.“
„Weshalb?“ fragte Maria. ·
„Das will ich dir sagen: Eh' die Sonne aufgeht, hat der himmel
ein rotes Mäntelchen um, und wenn die Sonne untergeht, ebenso;
rot ist die Rose, rot sind die Wangen der reifen Eipfel, die süßen
KRirschen sind auch rot; deshalb ist Rot meine liebste Farbe.
Ernst sagte: „Meine liebste Farbe ist Weiß. Wie schön ist es, im
Winter die weißen Schneeflochen wirbeln zu sehen, dann den Schlitten
zu nehmen und auf der weißen Släche dahinzugleiten! Weiß sind die
blühenden Bäume. Das Schneeglöchchen, von dem der Dater sagt, es
läute den Frühling ein, ist auch weiß. Darum ist Weiß meine liebste
Farbe.“
„Grün ist die schönste Farbe“, sagte Emil. „Wie herrlich sieht
ein grünes Kornfeld aus! Grün ist der Wald, grün sind die Wiesen;
der Jäger trägt einen grünen Roch, und ein Jäger will ich werden.
Darum ist Grün meine liebste Farbe.“
„HKber ich hann doch nicht begreifen,“ sprach Daul, „daß niemand
von euch die blaue Farbe liebt; das ist doch die schönfte von