thumbs : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

.....

UAummer?e

zu  dem  Gedanken  der  Schulgelderhöhung  woer.
Für  seden  Schüler  an  den  Gym

anlaßten.

nasien  zahle  der  Staat  jetzt  jährlich  an  v200
Mark.  Der  Gedanke  des  Handferkigkeitsunterrichtes
  sei  eseln  ge.  3  gut,  erde  sich  aber  trotzdem
  nichkf  als  In  der  neuen
Schulordnung  lei  r  *  HVetomg  des  Zeichenunterrichtes
  vorgeschen.  Die  Zahl  der  vorhandenen
  Kandidaten  sei  gegenwärt
der  Bedarf  aber  nur  Fering.  Wir  haben  gepen.
wärtig  eine  ##  Wahr  von  en:
Mwtstelacen  2  307,  Mathematiker  284,  Neusprachliche
  194,  en  134,  Naturwissenschaftliche
  10,  Zeichnen  99,  Handelswissenschaftliche
  12.  Der  durchschnittliche  Bedarf  beträgt
  25,  13,  13,  11,  4,  7,  3  Stellen  für  die
einzelnen  Kotegorien.  Mon  verlangt  mmmer
von  der  Unterrichtsverwaltung,  daß  sie  Abhilfe
  schaffen  soll;  Mittel  und  Wege  gibt  man
ihr  nicht  an.  Einen  Numerus.  clausus  zu  schafsen.)
  habe  seine  Bedenken.

Das  Kapitel-  „Gymnasien“  fand  Genehmigung.
  Dabei  wurde  vom  Hause  einstimng  die
Erhöhung  des  Schulgeldes  abgelehnt.  eiter
sanden  Genehmigung  die  angeforderten  Summen
  für  Neu=  und  H#weiterungsbauten  für  die
Gymnasien  in  Freising,  Passau,  Kaiserslautern,
  Amberg,  Augsburg  und  Dillingen.  Ohne
wesentliche  Debatte  fanden  Bewilligung  die
Mittel  für  die  Realgymnasien,  für  Pr#  Jomna
sien  und  Lateinschulen.  Beim  Kapitel  Oberrealschulen
  wurde  die  Debatte  abgebrochen.

Die  nächste  Sitzung  ist  am  Dienstag-Nachmittag.


Fonkische  Kundschau.
Barern.

Neuwahl  in  Amberg.

Durch  die  Beförderung  des  bisherigen  Senatspräsidenten
  Lerno  zum  Generals:  aalz#anwalt
wird  in  dem  Wahllkreise  Amberg,  delsen  Vertreter
  im  Landtage  DVerno  seit  langen  Jahre.:
war,  eine  Neuwahl  notwendig.  Da  Lerno  als
Generalstaatsanwalt  ein  Mandat  nicht  mehr
annimmt,  so  wird  das  Zentrum  hier  einen  neuen
Herrn  zu  präsentieren  haben.  Außerdem  wird
die  Zentrumsfraltion  im  Lanotage  durch  den
Abgang  Lernos  in  die  Notwendigleit  versetzt,
iich  nach  einem  neuen  Fraltionschef  umgusehen.
Der  Wahltreis  Amberg  ist  nach  dem  Stun#uienverhältnis
  als  zentrumesicher  anzulehen.  1912
standen  dort  3700  Zentrumsstimmen  1830  der
vereiniaten  Minderheitsparteien  für  den  liberalen
  Kandioaten  gegenüber.

Die  Sozialdemokraten  und  die  Hoftafel.


*
—
*

 

 

Zu  der  am  9.  Februar  beim  König  slattfindenden
  Hoftafel  für  die  Mitglieder  des  Bayeriscken
  Landtags  war  bekanntlich  auch  die  sozialdemokratische
  Fraktion  in  der  Form  eine
Einladung  ergangen,  daß  die  Mitglieder,  die  an
der  Tafel  teilnehmen,  sich  in  einer  Liste  eintragen.
  Die  Mitalieder  der  sozialdemokratischen
  Fraktion  werden  sich  in  diese  Liste  nicht
eintragen.

Bayern  und  die  landwirtschaftlichen
Zölle.

In  der  Freitagsitzung  des  Reichstages  ging
Abg.  Emminger  (Ztr.)  in  längeren  Ausführungen
  auf  die  Lage  der  bayerischen  Landwirtschaft
  ein.  Das  Algäu  haben  unter  dem  Rückgang
  der  Milchpreise  sehr  gelitten.  Die  Landwirte
  verlangen  die  Erhöhung  des  Hartläsez,it  eund
  die  Einführung  des  Rahmzolles.  Deas  Interesse
  der  Milchproduzenten  muß  im  Auge  behalten
  werden;  sietige  Preise  sind  besser  als
übermäßige,  und  darauf  wirken  die  Schutzzölle
hin.  Ein  anderes  Schmerzenskind  unserer  heimischen
  Landwirtschast  ist  der  Hopfenbau,  der  anderen
  Ländern  gegenüber  sehr  wenig  geschützt  ist.
Der  Hopfenzoll  muß  erhöht  werden.  Anh  der
Gerstenbau  in  Bayern  befindet  sich  in  einer
drückenden  Lage.  Das  liegt  nicht  zum  geringsten
  Teil  an  der  kolossal  starken  Einfuhr  der
Futtergerste  aus  Rußland.  Die  bayerischen

Landwirte,  diie  keineswegs  aus  einer  großen
Zahl  von  Großgrundbesitzern  bestehen,  haben
den  Wunsch,  daß  ihren  berechtigten  Beschwerden
Rechnung  getragen  werde.

Oeutschlan5.
Die  bewaffnete  Maoacht

Die  „Nordd.  Allg.  Ztg.“  schreibt:  Für  die
angekündigte  und  vom  Reichskanzler  in  seiner
letten  Reichstagsrede  erwähnte  Nachprüfung
der  Dienstvorccheift.  von  1899  über  den  Wafsfengebrauch
  des  Militärs  im  Frieden  üind  zunächst
  im  Kriegeministerium  die  nötigen  Vorarbeiten
  erledigt  worden.  Gegenwärtig  finden
  unter  Zustimmung  der  preußischen  und
Reichsressorts  der  Justiz  und  des  (annern  kont.
missarische  Beratungen  statt.  Auch  hat  sich
der  Kriegominister  mit  den  asslschgyh  Stellen
  für  die  nichtpreußischen  Kontingente  in  Verbindung
  gesetzt,  um  möglichste  Uebereinstimmung
in  der  Fassung  der  Vorschriften  herbeizuführen.

Der  Stattholter  von  Elsaß-Loth-Wie

  die  „Noror.  t  16.  Zis.  “schreibt,  hat
sich  der  kaiserliche  Statthalter  von  Elsahz  Lotlringen,
  Graf  von  Wedel,  bereit  erklärt,
einige  Monate  auf  seinem  Poslen  zu  bielken,
um  die  Nachfolger  des  Staatssekretärs  Zorn
##n  Bulach  und  der  anderen  aus  ihren  Aemtern

 

W#eem#  An######

scheidenden  Mitglieder  der  reichsländischen  Regierung

  in  die  Geschäfte  einzuführen.
Aus  Elsaß-Lothrincen.

Als  Protest  gegen  die  Versetzung  des  durch

ius  Stehun  mahme  gegen  den  Kreisdirektor

eulerprozeh  bllannt  gewordenenchenn

  n  Schotte  von  Saarburgnach

die  Budgetkommission  der  elsaßr“

  10  zweiten  Kammer  die  Posten  sämtlicher

  Gendarmeriehauptleute  abgelehnt.  In  der

Budgetkommisston  der  zweiten  Kammer  erklärteder
  „Straßburger  Post“  zufolge  Unterstaatssefretär

  Mandel,  daß  die  gegenwärtigen  Mitglieder
  der  Regierung  ihre  Tätigkeit  bis  zu
der  aus  Berlin  erwarteten  Entscheidung  nur  als
die  eines  Gesch  Hiemhesteriunek)  auffassen  lönnten.
  Für  den  Verband  für  Jugendpflege  waren
  10  O00  Mark  gefordert.  Diese  strich  die
Kommission  einmütig  mit  der  Begründung,  man
lönne  sich  nach  Zabern  von  der  Tätigkeit  des
Verbandes,  in  dessen  Komitee  die  Spitzen  der
Zivilverwaltung  mit  den  kommandierenden  Generalen
  zuscumenwifrlen  sollen,  nichts  versprechen.
  Von  fortschrittlicher  Seite  wurde  dann
betont,  daß  man  dem  unter  dem  Prot-orat  des
Grafen  Wedel  stehenden  Verbande  wohl  einen
gewissen  Beitrag  zur  Verfügung  stellen  könne,
da  aber  der  Statthalter  seinen  Platz  verlassen
müsse,  wolle  man  zunächst  abwarten,  wer  sesn
Nachfolger  würde.  Zur  Verpreußung  der  elsaßlothringischen
  Jugend  seien  keine  Lanoesmittel
verfügbar.  Auch  prinzipielle  Bedenken  gegen  den
Geist  der  staatlichen  Jugendpflege  wurden  erhoben,
  doch  gaben  die  angedeuteten  politischen
Bedenken  den  Ausschlag.

Das  Zaberner  Regiment.

Im  Reichstag  fragte  am  Freitag  der  Abg.
Sittart  (Itr.),  wie  lange  das  Zaberner  Regiment,
  das  seine  Verlegung  auf  die  Tiuppenübungsplätze
  Bitsch  und  Hagenau  als  Strase
eimpfinde,  noch  dort  verbleiben  müsse,  oder  wann
es  wieder  seiner  früheren  oder  einer  anoeren
Garnison  überwiesen  werden  soll.  Ein  Regierungsvertreter
  entgegnete,  daß  die  Verlegang
des  Regiments  auf  die  Truppenübungsplätze
leine  Bestwafung  darstelle.  Eine  Beantwortung
der  Frage  selbst  könne  nicht  erfolgen.

Uuslaond

Die  Deportation  der  Arbeiterführer


In  Südafrika  ruft  die  gewaltsame  Abschiebung
der  Streilführer  durch  die  Regierung  eine  immer
mehr  wachsende  Erregung  hervor.  Man  fordert,
  daß  zunächst  wenigstens  für  die  Familien
  der  Deportierten  gesorgt  werde.  General
Botha  wird  sich  vor  dem  Südafrikanischen  Parlament
  wegen  der  Deportation  der  Arbeiterführer
  zu  verantworten  haben;  das  Haus  ist
zu  einer  außerordentlichen  Tagung  einbecufen
worden.  Die  Regierung  verfügt  in  normalen
Zeiten  über  eine  Mehrheit  von  10  Mitgliedern.
doch  wird  es  stark  bezweifelt,  ob  Botha  bei
dieser  Frage  eine  derartige  Mehrheit  haben
wird.  Die  Gegner  Bothas  werden  alle  Anstrengungen
  machen,  um  die  ihnen  verhaßte,  englandfreundliche
  Regierung  zu  stürzen.  Bei  diesem
  Stand  der  Dinge  wird  man  sich  auf  flürmische
  Auftritte  im  Parlament  gefaßt  machen
müssen.  Es  kann  leicht  zu  einer  Krisis  und  dann
zu  einer  Schwenkung  in  der  ganzen  Haltung
der  Südafrikanischen  Union  kommen.
Ueberfall  auf  eine  Missionsstation

in  China

Wie  bereits  berichtet,  hat  eine  aus  2000  Köpfen
  bestehende  Räuberbande  vom  „weißen  Wolf“
die  Stadt  Liuanchow  in  China  überfallen,  geplündert
  und  verbrannt.  Auch  die  Missionsstation
  wurde  überfallen.  Ein  Jesuitenpater  der
Mission  wurde  getötet,  zwei  andere  sind  gesangen
  genommen  worden.  Ein  französisches  Kanonenboot
  hat  den  Besehl  bekommen,  sich  bereit
zu  halten.

daf.  aud  Personalnacheichten.

Verlin,  30.  Jan.  Wie  kürzlich  in  Potsdam,
so  11  der  Kaiser  zurzeit  auch  in  Berlin  auf
ätztlichen  Rat  fast  täglich  mit  dem  Zerlleinern
von  Holz  beschäftigt.  Er  widmet  sich  oieser  Arbeit
  gewöhnlich  im  Laufe  der  ersten  Nachmittagsstunden
  und  er  bevorzugt  hierfür  die  Anlagen
  des  stillen  Schloßgartens  von  Bellenue
im  Tiergarten,  wo  die  Passanten  Gelegenheit
haben,  ihn  in  geringer  Entfernung  inmitten
der  Holzfäller  zu  beobachten.

##zza,  30.  Jan.  Paul  Deroulede,  Präsident
  der  französischen  Patriotenliga  und  ehemaliger
  Deputierter,  ist  heute  früh  hiergestorben.
Deroulede  war  ein  leidenschaf  licher  Gegner  des
Hauptmanns  Dreyfus;  im  Verlauf  der  Affäre
versuchte  er  zweimal  einen  Staatsstreich,  und
wurde  deshalb  1900  zu  zehn  Jahren  Verbannung
  verurteilt.  Er  lebte  meistens  in  San  Sebastian.
  Im  Juli  1905  wurde  zr  begnadig!
und  kehrte  nach  Frankreich  zurüc;  eine  politische
  Rolle  hat  er  in  den  letzten  Jahren  nicht
mehr  gespielt.

Seziale  HNuposchan.

München,  30.  Jan.  Nach  den  Zusammenstellungen
  r  K.  Stat.  Landesamts  wurden  im
Jahre  1913  in  Bayern  188  (1912;:  285)
Streiks  und  45  (41)  Aussperrungen

 

 

beendet.  An  den  Sireits  waren  13438  is  iaij,
an  den  Aussperrungen  3126  (10  768)  Arbeiter
unmittelbar  beteiligt.  Die  größte  Ausstandsbewegung
  hatte  das  Baugewerbe  mit  69  Streiks
und  3228  Streikenden,  die  Industrie  der  Steine
und  Erden  mit  29  bezw.  2201  und  die  Indnsteie
der  Holz-  und  Schnitzslosse  mit  27  bezw.  2828.
Die  Aussperrungen  betrafen  hauptlachlich.  e
Baugewerbe  (18  Aussperrungen  mit  1580
Ausgesperrten)  und  die  Industrie  der  Steine
und  Erden  (17  Auesperrungen  mit  1291  Ausgesperrten).
  In  den  Üübrigen  Gewerbegruppen
war  die  Zahl  der  Aussperrungen  gering.

berschedene  Rachrichten.

Berlin,  30.  Jan.  Die  Zahl  der  vom
mnen  Lloyd  über  Bremen  befsörderten
überseeischen  Passagiere  hat  im  letzten  Jahre  eine
Höhe  erreicht,  wie  nie  zuvor.  Die  Gesamtzahl
der  beföroerten  Personen  belief  sich  auf  277  919
gegen  201  631  im  Jahre  1912.  Davon  waren
Kofütenpassagiere  im  Jahre  1913  44  785  gegen
39  500  im  Vorjahre.  Zwischendeckspassogiere
38  500  im  Vorjahre.  Zuischehdeckspassagiere  im
Jahre  1913  233  134  gegen  163  131  im  Vorlahre.
  Die  Zahl  der  Auswanderer  betrug  im
Jahre  1913  239  564  gegen  169  951  im  Vorjahre,
  davon  waren  deutsche  im  Jahre  1913
5s  gegen  7974  im  Vorjahre,  fremde  im  Jahre
1913  229854  gegen  161  977  im  Vorjahre.

Berlin,  30.  Jan.  Das  erste  drahtlose
Telegramm  zwischen  Deutschland  und  Amerika
ist  vom  Deutschen  Kaiser  an  den  amerikanischen
Präfstidenten  Wilson  gerichtet  worden.  Der  Kaiser
  drückt  darin  die  Hoffnung  auz,  daß  die
drahtlose  Verbinoung  ein  neues  Vand  zwischen
  Deutschland  und  den  Vereinigten  Staaten
  bilden  werde.  Darauf  sandte  Wilson  folgendes
  Antworttelegramm  an  den  Kaiser:  „Ich
bin  erfreut,  Eurer  Maiestet.  huldvolle  Grüße
zu  empfangen,  die  durch  die  neuc  transatlantische
  Funkenstation  Eilvese  übersasrdt  wurden.
Ich  beglückwünsche  Eure  Majestät  zu  diesem
neuen  Gliede  einer  engeren  Verbindung  zwisch'n
den  Vereinigten  Staaten  und  Deutschland.“  Die
Entsernung  zwischen  der  deutschen  Station  Eilvese
  und  der  amerikanischen  Station  Tuckerto#n
beträgt  6500  Kilometer.

Norfolk  (Virginia),  30.  Jan  Der
Dampfer  „Monroe“  sank  morgens  auf  der
Höhe  von  Hog-Jsland  insolge  ein:?  Zusammenstoßes
  mit  dem  Dampfer  „Nantucket“.  Lehlerer
  rettete  85  Passagiere  und  Mannschaften
vom  „Monroe“.  Umgelommen  sind  48  Personen.


 

ri“  ri
·
“  Großes  Grubenuaglück.
Dortmund,  30.  Jan.

Abermals  sind  die  deutschen  Kohlengrubengebiete
  von  einer  schweren  Katastrophe  beimgesucht
  worden.  Auf  der  Zeche  Achenbach  im
benachbarten  Brambauer  ereignete  sich  heute
nachmittag  kurz  vor  Schichtwechsel  in  der'  drilten
Sohle  ein  großes  Unglück,  dessen  Umfang  noch
nich"  voll  bekannt  ist.  Bis  abends  waren  6
Tote  und  7  Leichtverletzte  geborgen.  Das  Unglü4
  entstand  durch  eine  Schlagwetterexplotion.
Von  den  Nachbarzechen  wurden  Hilfsmannschaften
  angesordert.  In  der  Grube  befinden
sick  noch  60—  80  Mann,  über  deren  Schilsal
  noch  nichts  bekannt  ist.  Man  befüchhtet  das
Schlimmse.

Eine  spätere  Meldung  besagt:  Bis  nachts  1
Uhr  waren  22  Tote  und  17  Verlette  geborgen.
Von  den  Geretteten  sind  10  sehr  schwer  verletzt.
Die  Grubenverwaltung  nimmt  an,  daß  in  der
Grube  keine  Toten  mehr  sind.  Die  gesamte  Belegschaft
  soll  60  Mann  betragen  haben.

vom  bayer.  Laudeseisenbahnral.
München,  30.  Jan.

Am  Donnerstag  hielt  der  Bayer.  Lanceseisenbahnrat
  eine  Sitzung  ab.  In  der  Hauptsache
  beschäftigte  er  sich  mit  dem  Entwurf  cees
Sommerfahrplanes  1914.  Ministerialrat  Ruckdeschel
  eröffnete  die  Verhandlungen  hierüber
mit  längeren  Ausführungen,  aus  denen  folgende
bemerkenswerte  Punkte  entnommen  seien:

Der  Entwurf  für  den  Sommer  1914  sieht
Mehrungen  nicht  vor,  wenn  er  auch  eine  große
Reihe  von  Verbesserungen  im  Fern=  und  Lokalverkehr
  in  Aussicht  stellt.  Die  Verbesserungen
sind  zum  großen  Teil  auf  eine  zwekmäßigere
Lage  von  Zügen  hauptsächlich  im  Fernverkehe
mnchuführen,  zum  Teil  werden  sie  durch  den
Wegsall  des  Nord--Süd-Expreßzuges  (Berlin.
Tirol-Rom-Expreß)  während  des  Sommers  ermöglicht,
  wodurch  634  tägliche  Zugkilometer
für  anderweitige  Zwecke  frei  werden.  Die  Zurüclhaltung
  der  Staatseisenbahnverwaltung  im
Sommer  1914  ist  geboten  durch  die  Rücksicht
auf  die  allgemeine  wirtschaftliche  Lage,  die  sich
nach  nicht  in  dem  Maße  gefestigt  hat,  daß  die
Aufwendung  größerer  Mittel  im  Personenzugsverkehr
  gerechtsertigt  werden  könnte.  Auch  hor
sich  der  Personenzugsverkehr  im  Jahre  1913
nicht  in  dem  Maße  entwickelt,  daß  mit  einer
erheblichen  Steigerung  desselben  unter  oen  gegebenen
  wietschastlichen  Verhältnissen  gerechnet
werden  dü

Der  umsiard,  daß  eine  erhebliche  Steigerung
der  Einnahmen  aus  dem  Personenverkehr  nicht
angenommen  werden  kann,  würde  es  an  sichrecht- 



Vonnkag,  7.  Feb###ä##  7617

––

J.  wenn  die  Staatseisenbahnveccaltung

die  Zugsleistungen  für  den  Personeno  verkehr
zinschränken.  würde.  Es  gibt  genug  Stünmen,
die  diese  Forderung  erheben,  sie  verkennen
hierbei  aber  doch  den  enormen  Verkehrszuwachs,
Aufschwung  und  großen  Anteil,  der  für  Bayern
im  internationalen  Verkehr  gewonnen  worden
ist.  Daß  dieser  große  Anteil  von  der  Staatseisenbahnverwaltung
  oft  mit  schweren  Opfern
errungen  und  erhalten  wird,  ist  richtig;  daß
aber  dieser  große  Anteil  im  internat  onalen
Fremdenverkehr  für  das  Land  eine  unschätbare
Zuwendung  und  für  Eir  viele  Erwerbstände
die  Grundlage  der  Eristenz  und  die  Quelle
des  Wohlstandes  geworden  ist,  sollte  #troh  der
unleugbaren  Schattenseiten,  die  der  Fremdenverkehr
  für  jedes  Land  mit  sich  bringt,  von
Einsichtigen  nicht  bestritten  werden.  Die  Vorsicht
  in  der  Aufstellung  des  nächsten  Sommerfahrplans
  ist  im  übrigen  auch  geboten  mit  Rücksicht
  auf  den  Fahrpark,  der  dermalen  der
Staatseisenbahnverwaltung  zur  Verfügung
sieht.

Zum  Schluß  bat  Ministerialrat  Ruckdeschel
die  Versammlung,  die  Erwägungen  der  Staatseisenbahnverwaltung
  zu  würdigen  und  von  Forderungen
  auf  Zugsvermehrungen  zurzeit  absehen
  zu  wollen.  Der  Entwurf  des  Sommerfahrplans
  1914  wurde  sodann  in  mehrsiündiger
Veratung  nach  den  Vorschlägen  der  Verwallung
  angenommen.  Die  Neuerungen  für  Rosenheim
  und  Umgegend  haben  wir  schon  mitgeteilt.


vom  bayer.  kandwirtschaftsral.
München,  30.  Januar.

In  der  letzten  Sitzung  des  bayerischen  Landwirtschaftorates
  sand  die  Neuwahl  des  Direkloriums
  statt.  Wiedergewählt  wurden  Dr.  Freiherr
  von  Celto  als  erster  Präsident.  Oelonomierat
  Mittermeier,  2.  Präsident,  Landtagsab—
geordneter  Oekonomierat  Steininger,  2.  Sekretär.
  Der  1.  Sekretär  isi  Milglied  des  Direltoriums
  in  seiner  Eigenschaft  als  Generalselretär.


Eine  sehr  eingehende  Debatte  zeit  igte  das
Reserat  über  die  Flurbereinigung  inob-sondere
biasichtlich  der  neuen  Voll  uge  vorchti  ten.  Fol—
gender  Antrag  des  Herrn  Reserenten  wurde  einstimmig
  angenommen:  1.  Welcher  Einflul,  der
Dreiseiderwirtschaft  bei  der  Flurbereirigung  zulommt,
  kann  nur  von  Fall  zu  Fall  unter  Berüchichtigung
  der  anherord  entlich  verschiedenen
ortlichen  Verhältnisse  entschieden  werden.  2.  Es
besteht  leine  genügende  Veranlassung,  von  den
Grundlagen  der  Wertsermiltlung,  die  im  Flur
bereinigungsgesetze  und  in  den  hiezu  ertassenen
Vohlzugsvorsch  risten  aufgestellt  gind-  abzuge  *2PP

Bei  den  auf  Grund  der  Art.  27,  33  Abf.  2
dur  Art.  38  des  Flurbereinigungegesetzes  er·
solgenden  Beschlußfassungen  der  K.  Flurbereinigungs-Kommission
  erscheint  die  Mitwickung
ersahrener  Landwirte  geboten.

Die  nächste  Plenarversammlung  des
schen  Landwirtschaftsrates  vom  10.—13.
bruar  befaßt  sich  wiederum  mit  wichligen  landund
  vollswirtschaftlichen  Fragen.  An  der  Spitze
steht  die  landw.  Vorbereitung  auf  den  Ablauf
unserer  Handelsverträge,  über  die  der  1.  Präsident
  Dr.  Graf  Schwerin  Bericht  erstattet.  Weitere
  Gegenstände  betreffen  die  Auslandsarbeiterfrage,
  sowie  die  Zentralisation  des  landw.  und
gewerblichen  Arbeitsnachweises  und  endi#ich  die
Arbeitslosenversicherung,  ferner  die  Bewegung
der  Lebensmittelpreise  in  den  wichtigsten  Ländern
  der  Welt,  Stand  der  Maul=  und  Klauenseuche,
  die  reich-gesetzliche  Regelung  des  Handels
  mit  Futter=  und  Düngemitteln,  die  Miß.-bräuche
  bei  Einfuhr  russischer  Fultergerste  u.
a.  m.  Dr.  Freiherr  von  Cetta  referiert  über
die  Beschlüsse  der  Generalversammlung  des  Internationalen
  landw.  Instituts  in  Rom.

Munchener  Heutgtellen

München.  30.  Jan.  In  der  Herberge  Krämerstraße
  166  beu:  ohnte  seit  18  Jahren  die  von
ihrem  Manne  geschiedene  74  Jahre  alte  Schreinerewitwe
  Magdalena  Koch  im  Parterre  des
zwisch  en  anderen  Herbergen  liegenden  Häuschens
zwei  Räume,  die  von  je  einem  ganz  mederen-  Fensrerchen
  aus  spärlich  erhellt  sind.  Vor  etwa
sehn  Tagen  lieferte  man  die  Frau,  nachdem  sie
vor  einem  Vierteljahre  ins  Krankenhaus  ge:
bracht  und  vor  14  Tagen  wieder  in  ihr  „Heim“
zurückgeschickt  worden  war,  ins  Gasteigspitel  ein.
Was  in  ihren  „Zimmern“  gesunden  wurde,
spottet  jeder  Beschreibung.  Unmittelbar  vor
der  Türe  türmte  sich  ein  Schmutzhausen  auf,  zusammengeseht
  aus  stinkenden  Lumpen,  filzigem
Papier  und  zerbrochenen  Flaschen,  durchsetzt  mit
Tausenden  von  Pantoffeln,  alten  Herings-  uno
Blechbüchsen,  kurz,  ein  Müllhaufen.  Ungezählte
Ratten  und  Mäuse  trieben  hier  ihr  unheimliches
Spiel.  Ueber  diese,  eine  pestilenzartige  Stillluft
  verbreitende  Unratsstätte  hinweg  muhte  die
alle  Frau,  ausf  allen  Vieren  kriechend,  ihre  „Lagerstätte“
  aufsuchen.  Lagerstätte!  Ein  aus  lauter
  Lumpen  zusammengesetztes  Loch,  das  sich
obenauf  auf  einem  Unrathaufen  in  einer  dunlklen
Ecke  befand,  hat  der  Frau  18  Jahr:  lang,
Sommer  und  isen  as  Lager  gedient!  Die
unglückliche  Frau  hatte  sich  ehzer.  im  Krankenhaus
  nicht  wohl  besape  und  mit  Schwierigleiten
war  es  verbunden,  ihre  Einbringung  ine  Gasteig- 



Deut- 



 

 

spital,  die  endlich  auf  Antrag  des  Bezirkeinspek.