Full text : Leitfaden für den Unterricht über Heerwesen auf den Königlichen Kriegsschulen.

I.  Einleitung.

---------§ 1.


Kriegsmittel.

1.  Bestand  und  Macht  des  Reiches  hängen  an  seiner  kriegerischen  Kraft.  Deren
Quellen  liegen  im  Reiche  selbst.  Hülfe  von  auswärts  ist  unsicher;  sie  beengt  und  macht  abhängig.
1806  und  1807.

Das  einheitliche,  geschlossene  Staatsgebiet  ist  stärker  als  verzettelter  Besitz.

2.  Die  Bevölkerung  wiegt  nicht  nur  durch  Gesammtzahl  und  Zusammensetzung  nach  Geschlecht.

Dichtigkeit,  Bestand  nach  Altersklassen,  körperliche  Waffentüchtigkeit,  jährlicher  Zuwachs
an  Wehrpflichtigen  und  Wehrtüchtigen  kommen  ebenso  in  Betracht  wie

Form  und  Geist  der  Regierung,  Macht  und  Einfluß  der  Behörden,  Gliederung  und
Straffheit  der  Verwaltung;

politische  Verfassung,  Einheit  oder  Zerklüftung  nach  Abstammung,  Sprache,  Sitte  und
Gewöhnung;

natürliche  kriegerische  Gaben,  Einfluß  der  Lebensweise,  Lebensbedingungen,  Erziehung,
Bodenverhältnisse;

geistige  Ausbildung  der  Massen,  gesellschaftliche  Zustände,  wirthschaftliche  Lage,  Wechselbeziehung
  der  Stadt=  zur  Landbevölkerung.

3.  Wichtig  sind  die  Hülfsmittel  des  Gebiets  an  Pferden,  Reit=  und  Zugthieren,  Lebensbedürfnissen
  (Brotfrüchten,  Fleisch,  Futter),  Holzbestand,  Bergbau  (z.  B.  Kohlen  und  Eisen),  Hüttenbetrieb,
  Waffen=  und  Maschinenfabriken,  Verbreitung  und  Höhe  der  Technik  und  Gewerbe  (z.  B.  für
Pulver,  Kleidungs=  und  Ausrüstungsstücke,  Heergeräth,  Schiffbau),  an  Baarmitteln  und  Geldwerthen
(im  Umlauf,  in  Banken  u.  s.  w.)  und  das  Netz  der  Verkehrswege  mit  den  Verkehrsmitteln  zu  Lande
und  zu  Wasser  (Straßen,  Eisenbahnen,  Schiffswege,  Fahrzeuge,  Postwesen,  Telegraphen  u.  s.  w.).

§ 2.
Kriegsmacht.

1.  Nicht  mechanisches  Anhäufen  von  Kriegsmitteln  giebt  kriegerische  Leistungsfähigkeit,
  sondern  erst  deren  zweckgerechte  Verbindung.  Nicht  der  Besitz,  sondern  der  richtige,  zeitgerechte
  Gebrauch  giebt  Aussicht  auf  Erfolg  —  dem,  der  die  Mittel  besser  zusammenfügt  und  zu  verwenden
  weiß,  selbst  gegen  den  Ueberlegenen  an  Zahl.

Heerwesen.  8.  Aufl.                                                                                                                           1