Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Siebenundzwanzigster Jahrgang. 1911. (52)

568  Asien.  (Februar  21.  —  März  11.)

21.  Februar.  (China.)  Das  Waiwupu  antwortet  auf  die
russische  Drohnote  (s.  16.  Februar)  in  nachgiebigem  Sinne.

21.  Februar.  (Britisch-Ostindien.)  Ein  Polizeibeamter,
der  als  Zeuge  im  Anarchistenprozeß  aufgetreten  war,  wird  nachts
auf  offener  Straße  erschossen.  Der  Mörder  entkam.

23.  Februar.  (Britisch-Ostindien.)  Der  deutsche  Kronprinz
tritt  seine  Rückreise  von  Kalkutta  über  Bombay  an.

23.  Februar.  (Persien.)  Parteigruppierung  im  Parlament.

Dem  Wunsche  des  neuen  Regenten  entsprechend,  gruppieren  sich  die
Abgeordneten  nach  Parteien,  denen  sie  ziemlich  willkürlich  Namen  beilegen.
  Danach  stehen  48  Liberalen  22  Demokraten  und  9  Wilde  gegenüber.
  Man  einigt  sich  aber,  die  Sitzordnung  nicht  nach  der  Parteigliederung
einzurichten.

26.  Februar.  (Persien.)  Das  Parlament  genehmigt  die
Berufung  dreier  schwedischer  Offiziere  zur  Reorganisation  der
Gendarmerie.

1.  März.  (Persien.)  In  Täbris  streikt  die  Polizei,  weil
sie  drei  Monate  keinen  Sold  erhalten  hat.

1.  März.  (China.)  Die  Finanzpolitik  der  Nationalversammlung.


Von  dem  Defizit,  das  nach  der  Vorlage  der  Regierung  auf
4300000  Taels  veranschlagt  ist,  beseitigt  die  Majorität  drei  Millionen,  indem
die  Militärausgaben  beschränkt  werden.  Dagegen  erheben  aber  die
Vizekönige  und  ein  Teil  des  Volkes  Protest,  weil  die  Armee  das  einzige
Mittel  sei,  zu  einem  wirklichen  Fortschritt  zu  gelangen.

4.  März.  (China.)  Die  chinesische  Handelskammer  und
die  Kaufmannsgilden  in  Schanghai  drohen  den  Boykott  gegen
englische  Waren  an,  falls  England  nicht  seine  Truppen  von
dem  chinesischen  Gebiet  in  Dünnan  und  der  Grenze  von  Birma
zurückziehe.

5.  März.  (China.)  Die  Hungersnot  in  Anhui  und  Kiangsu
veranlaßt  massenhafte  Auswanderungen  südwärts.

9.  März.  (Japan  und  China.)  Der  japanische  Gesandte
in  Peking  Ijuin  hält  in  der  asiatischen  Gesellschaft  eine  Rede:
Japan  müsse  zur  Wahrung  des  Friedens  für  die  Integrität  Chinas
jedes  Opfer  bringen.

11.  März.  (Persien.)  Das  neue  vom  Parlament  genehmigte
Kabinett  des  Sepehdar.

Er  selbst  übernimmt  das  Portefenille  des  Krieges;  Mostachar  ed
Dauleh  das  Ministerium  des  Innern;  Momstas  ed  Dauleh  die  Finanzen:
Ala  es  Saltaneh  das  Unterrichtsministerium;  Mohtescham  es  Saltaneh  das
Ministerium  des  Aeußern:  Muschire  ed  Dauleh  das  Justizministerium;
Muavine  ed  Dauleh  das  Postministerium.