Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

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Kommunales.

Slssung  bes  Rolleatums-  der  Bemeinde-Bevollmächtigten
  in  Roseneim.

am  Mittwoch,  den  29.  Dezember  1915
vormittags  ½9  Uhr.
Anwesend:  22  Mitglieder.
Vorsitzender:  G.-B.  Finsterwalder.

Der  neue  Armenrat.

Vor  Beginn  der  Beratungen  des  Kollegiums
der  Gemeindebevollmächtigten  sand  eine  gemeinschaftliche
  Sitzung  mit  dem  Stadtmagistrat  statt,
in  welcher  die  noch  erforderliche  Wahl  der  neuen
Armenräte  vorgenommen  wurde.  Die  Neugestaltung
  des  Armenrates  ist  infolge  der  neuen
Armengesetzgebung.  welche  am  1.  Januar  1916
in  Kraft  tritt,  erforderlich.  Zunächst  gehören
drei  Mitglieder  des  Magistrates  und  drei  Mitglieder
  des  Kollegiums  der  Gemeindebevollmächtigten
  dem  neuen  Armenrat  an;  ihre  Wahl
erfolgte  bereits  in  den  letzten  Sitzur  gen  der
beiden  Kollegien.  Dazu  sollen  noch  Vertreter
der  in  den  Gemeinden  bestehenden  Einrichtungen
  privater  Wohltätigkeit,  darunter  auch
Frauen,  gewählt  werden.  Die  beiden  städt.  Kollegien
  haben  beschlossen,  deren  Zahl  auf  acht
festzusetzen.  Heute  erfolgte  ihre  Wahl.

Die  gemeinschaftliche  Sitzung  leitete  K.  Hofrat
  Bürgermeister  Wüst,  welcher  zunächst  die
einschlägigen  Bestimmungen  des  neuen  Armengelsetzes
  bekannt  gab.  Darnach  können  auch  Ersahmänner
  noch  gewählt  werden.  Auf  Vorschlag
des  Vorsitzenden  wurde  aber  gemäß  dem  Vorgehen
  in  anderen  Städten  beschlossen,  hiervon
abzusehen,  da  ein  Bedürfnis  dafür  nicht  bestehe.
Weiter  wurde  beschlossen,  die  bisherigen  bürgerlichen
  Vertreter  im  Armenpflegschafterat,  Bergmeister
  Greß,  Bezirks-Maschinen-Ingenieur

Rauch,  Privatier  Oslar  Huber  und  Privatier
Feldmeyer  auch  in  den  neuen  Armenrat  als
Mitglieder  zu  wählen.

G.-B.  Göpfert  sprach  sein  Bedauern  darüber
aus,  daß  schon  bei  der  letzten  Wahl  im  Kollegium
  der  Gemeindebevollmächtigten  nicht  ein
Vertreter  der  Arbeiterschaft  gewählt  worden
were.  Er  brachte  dafür  den  G.-B.  Geistaller  in
Vorschlag.  Zuvor  hatte  G.-V.  Schmidt  den
Gastwirt  Betzendorfer  vorgeschlagen,  der  die  Arbeiterverhältnisse
  ebenfallo  gut  kenne.  Weiter
wurde  von  ihm  Baurat  Vogel  (Evang.  Hilfsverein),
  Frau  Blaser  (Kath.  Arbeiterinnenverein)
  und  Frau  Hafenbrädl  vorgeschlagen.  Die
beiden  Kollegien  vereinigten  sich  einstimmig  auf
die  Namen  Vogel,  Geistaller,  Blaser  und  Hasenbrädl.
  Die  Wahl  wurde  sofort  im  Protokoll
festgelegt.

Zur  Auswahl  von  Schöffen  und

eschworenen.

In  der  gleichen  gemeinschaftlichen  Sitzung
hatte  auch  die  Wahl  von  zwei  Vertrauensmännern
  zur  Auswahl  der  Schöffen  und  Geschworenen
  für  das  Jahr  1916  zu  erfolgen.  Der  Vorlitzende
  empfahl  die  Wiederwahl  der  bisherigen

ertrauensmänner,  und  zwar  des  Kunstmühl-Wsiters
  Oswald  und  des  Bäckermeisters  Finsterwalder,
  Vorstandes  des  Kollegiums  der  Gemeindebevollmächtigten.
  Die  rereinigten  Kollegien
  waren  mit  diesem  Vorschlag  einverstanden.

Damit  fand  die  gemeinschaftliche  Sitzung  ihren
Abschluß.  Alsbald  begann  das  Kollegium  der
Gemeindebevollmächtigten  seine  Beratungen.

Geburtsfest  des  Königs.

Das  Geburtsfest  des  Königs  trifft  auf  den
7.  Januar.  Der  Vorsitzende  gibt  dem  Kollegium
  eine  Einladung  zur  Teilnahme  an  der
kirchlichen  Feier  an  diesem  Tage  belannt.

Mahßnahmen  zur  DBeschäftigung
heimkehrender  Krieger

Ueber  die  Beschlüsse  des  Stadtmagistrates  in
der  Frage  der  Beschäftigung  der  heimlehrenden
  Krieger  berichtete  der  Vorsitzende  des  Finanzausschusses,
  G.-B.  Ruedorffer.  Nach  seinen
Darlegungen  ist  der  Akt  durch  eine  Ministerialentschließung
  veranlaßt,  nach  welcher  die  Gemeinden
  aufgefordert  werden,  Bericht  über  die

Maßnahmen,  welche  in  dieser  Frage  beschlossen
wurden,  zu  erstatten.

Der  Referent  macht  darauf
  aufmerksam,  daß  aus  der  Entschließung

nicht  hervorgeht,  in  welcher  Weise  sich  der  Staat

an  den  gleichen  Maßnahmen  beteilige.  Einschlägig
  ist  auch  eine  Eingabe  des  Arbeitersekretariates
  Sterngarten.  Beide  Kollegien  verfolgten
die  Frage  weiter  und  beauftragten  das  Stadtbauamt,
  Vorschläge  hierzu  zu  unterbreiten.
Das  Stadtbauamt  empfiehlt  nun  1.  den  Neubau
  eines  Volksschulhauses  (Weibliche  Fortbildungsschule,
  Turnhalle  usw.),  2.  die  weitere
Ausgestaltung  des  Krankenhauses,  3.  den  Neubau
  eines  Bürgerspitals,  4.  Umbau  des  Kaiserbades
  zu  einer  Haushaltungsschule,  5.  Neupflasterungen
  von  Straßen.  Für  Schulhaus  und
Krankenhaus  liegen  bereits  generelle  Projekte
vor.  Weiter  wurde  die  Hochwasserfreilegung
der  Stadt  neuerlich  in  Eringrung  gebracht,
der  Anbau  an  das  Re  alschulgebäude
wurde  gestreift.  Im  Hinblick  auf  den  derzeitigen
Personalmangel  und  die  umfangreichen  Arbeiv

  Lu  welche  die  Projekte  verursachen,  stellt  das

dtbauamt  das  Ersuchen  um  Bereitstellung
einer  Hilfskraft  hiefür.
G.-B.  Ruedorffer  sieht  in  den  stadtbauamt- 



 

lichen  Projekten  einen  ganzen  Knäuel  wichtiger

Fragen,  die  wohl  in  der  Hauptsache  abzulehnen
wären.  Wir  hätten  alle  e  eranlassung,  vorsichtig
zu  sein.  Denn  wir  dürften  uns  nicht  darüber
täuschen,  daß  die  Durchführung  dieser  Vorschläge
etwa  1400000  Mk.  Kosten  verursachen  würde.
Beim  Realschulanbau  lämen  weitere  300  00  Mk.
hinzu,  von  denen  allerdings  die  Hälfte  vom
Kreise  getragen  würden.  Immerhin  mühte  aber
mit  einem  Gesamtausfwand  von  etwa  11:  Millionen
  Mark  gerechnet  werden.  Einige  der  Projelte
  seien  zwar  schon  unter  den  Tisch  gefallen,
die  Hauptsache  sei  aber  noch  geblieben.  Das
Kollegium  musse  sich  vor  allem  das  Recht  der
Nachprüfung  der  Bedürfnis=  und  Finanzfrage
vorbehalten.  Der  Finanzausschuß  faßte  seinen
Zstimmenden  Beschluß  mit  drei  gegen  zwei
Stimmen.

Was  den  Neubau  eines  Schulhauses  anbelange,
  so  lönne  angenommen  werden,  daß  die
Frequenzeiffern  der  Volkeschule  durch  den  Krieg
sicherlich  nicht  erhöht  würden.  Die  Geburtenzisser
  werde  wieder  zurückgehen.  Er  mochte  daher
bezmeiseln,  daß  die  Bedürfnisfrage  für  den  Neubau
  heute  noch  so  zu  bejahen  wäre,  wie  vor  einigen
  Jahren.  Um  ein  sicheres  Bild  zu  gewinnen,
  gehörten  hierzu  die  Frequensziffern  der  letzten
  W  Jahre.  Der  Magistrat  tuc  sich  in  diesen
  Fragen  leicht.  Die  Regierung  besehle,  und
die  Gemeinden  hätten  zu  gehorchen.  Das  wichtigste
  sei  die  Finanzsfrage.  Für  ein  neues  Schulhaus
  mit  allen  Auforderungen  der  Neuzeit  seien
400  000  Mk.  erforderlich.  Das  verursache  eine
jährliche  Verzinsung  von  2000  Mk.,  eine  Belstung
  welche  sich  auf  die  Dauer  anhänge.

Dazu  kämen  die  Aufwendungen  für  die  neuen

Lehrkräfte  usw.

Was  den  Neubau  des  Bürgerspitals  betrefse,
so  sei  ein  Teil  der  Mittel  Sdazu  zwar  bereits
vorhanden,  doch  seien  die  Quellen,  aus  denen
dem  Fonds,  der  jetzt  170000  Mk.  hoch  sei,
neue  Mitlel  zufließen,  geschlossen.  So  lägen  Beschlüsse
  vor,  daß  die  Zinsen  nicht  admassiert
werden  müßten,  sondern  für  Kriegsfürsorgezmecke
  vermendet  werden  dürften.  Außerdem
sei  der  Fonds  in  31  6%  igen  Wertpapieren  angelegt,
  durch  deren  Verkauf  ein  Verlust  von  etwa
207000  Mk.  entitehen  könmie.

Die  Pflafterung  des  Ludwigplatzes  sei  ein
Bedürfnieo,  aber  den  heimlehrenden  Kriegern
werde  damit  nicht  viel  gedient.  Denn  nur  wenige
unter  ihnen  würden  Pflasterer  sein.  Schließlich
  mühten  sogar  noch  auswärtige  Pflasterer
dazu  herangezogen  werden.  Die  jährliche  Bereitstellung
  von  Mitteln  habe  sich  bei  der  Pflasterung
  des  Max-Joses-Platzes  bewährt,  heute  sei

ber  in  der  Pflasterzollkasse  höchstens  ein  Fonds
bvon  4000  Mk.  vorhanden.  Das  sei  bei  einem
Kostenaufwand  von  etma  40000  Ml.  noch  zu
wenig.  Am  praltischsten  erscheine  es,  noch  einige
  Jahre  zuzuwarten,  und  dann  ein  Anlehen
für  diesen  Zweck  aufzunehmen.

Neben  diesen  Nenaufwendungen  ständen  die
Neubelastungen  für  die  Stadtiasse  infolge  des
Krieges.  Die  Stellvertretungskofien  für  Polizei=
  und  Rathauspersonal  würden  sich  mindestens
  auf  20000  Mk.  belaufen.  Die  Kosten
für  die  Kriegsunterstützungen  ließen  sich  noch
nicht  übersehen,  auch  noch  nicht  die  Art  deren
Rückvergütung.  Der  Bier=  und  Malzaufschlag
werde  in  seinem  Ertrag  um  mindestens  15.000
Mark  zuruckgehen,  und  der  Ausfall  an  Gemeindeumlagen
  und  Steuern  sei  heute  noch
nicht  zu  schätzen;  mit  500(0000  Mk.  sei  er  sicher
nicht  zu  hoch  geschätzt.  Eine  bedauerliche  Tatsache
  sei  es  auch,  daß  zahlungsfähige  Kapitalisten
  die  Stadt  verlassen  würden.  Weiter  müßten
  die  Wirkungen  der  neuen  Armengesetzgebung
berücksichligt  werden,  welche  mit  aller  Wucht
erst  vom  1.  Januar  1916  ab  zu  unseren  Ungunsten
  sich  geltend  machten.

Der  Referent  versichert,  nicht  schwarz  oder
Gespenster  malen  zu  wollen.  Diese  Zahlen  müsse
er  aber  doch  der  Ueberlegung  anheimgeben.  Die
Zeit  sei  ernst.  Auf  die  Zukunft  sei  zu  schauen,
welche  namentlich  auch  den  Hausbesitz  schwer  belasten
  werde,  menn  wir  nicht  vom  Glück  begünstigt
  würden  durch  die  Garnison,  damit  die  Zukunft
  nicht  zu  trostlos  sich  ausnehme.  Er  möchte
zwar  nicht  vorschlagen,  den  Beschluß  des  Magistrates
  rundweg  abzulehnen,  aber  das  Recht  der
eingehenden  Prüfung  der  Bedürfnis=  und  Finanzfrage
  nach  jeder  Beziehung  müsse  man  sich
vorbehalten.

G.-B.  Geymeyer  hat  gegen  die  Instruierung
der  Projekte  nichts  einzuwenden.  Er  vermisse
nur  das  eine:  Wie  lönne  ein  Projelt  ausgearkeitet
  werden,  ohne  daß  zuvor  die  Platzfrage  geregelt
  wäre?  Es  heiße,  sehr  vorsichtig  zu  sein,
denn  der  Zuzug  von  außen  werde  von  der  Höhe
der  Umlagen  beeinflußt.  Wir  hätten  alle  Ursache,
  sparsam  zu  sein  und  auch  die  Interessen
der  Steuerzahler  äu  wahren.  Redner  verweist
auf  eine  preuß.  Ministerial-  Entschließung  an  die
Gemeindeverwaltungen,  welche  Sparsamkeit  für
die  Zukunft  zur  Pflicht  mache.  Bei  uns  scheint
man  zuerst  broieltieren  und  zu  beschließen,
und  dann  eren  über  die  Aufbringung  der  Mittel
zu  beraten.  So  könne  es  nicht  weiter  gehen.

G.-B.  Schmidt  stimmt  mil  den  Ausführungen
des  Referenten  überein.  Was  G.-B.  Ruedorffer
  ausgeführt  habe,  unterschreibe  er.  Es  sei
ledauerlich,  daß  ein  düsteres  Bild  ausgemalt
werden  müßte,  es  sei  schwarz  auf  schwarz.  Merkwürdig
  sei,  daß  man  den  Gemeinden  alles  aufbürde;
  dann  möge  man  das  Geld  auch  herunterschicken.
  Zu  denlen  gebe  die  Finanzfrage  auch

 

wegen  der  jähriichen  Mehrbelastung  durch  die

 

Lehrkräfte.  An  die  Manfalsregulierung.  musse
gedacht  werden.  Auch  ein  Beschluß  u#  die
Willinger  Wasserkräfte  liege  schon  vor;  4n  (Magistrat
  scheine  man  Geld  in  Hülle  und  Fülle
zu  haben.  Selbstverständlich  seien  wir  verpflichtet,
  für  die  heimlehrenden  Krieger  Arbeit  zu
schaffen.  Es  frage  sich  nur,  ob  es  so  werde,  wie
man  es  sich  jebt  denke.  Die  Proiekte  lönne
man  ja  ruhig  in  Instruktion  nehmen,  aber  ohne
Hilfskräfte.  Wenn  Rosenheim  wirklich  dauernd
Militär  erhalte,  entslehe  eine  neue  privote  Bau--lätigleit.
  Häuser  mit  einem  gewissen  Komfort
mühßten  gebaut  werden.  Aber  man  solle  nicht
alles  den  Gemeinden  aufladen.  Redner  gibt
einen  Antrag  bekannt,  welcher  im  Sinne  seiner
Darlegungen  gehalten  ist.

Auch  der  Referent  verliest  seinen  Antrag.  Da
er  sich  dem  Sinne  nach  mit  dem  Antrag  Schmidt
deckt,  zog  G.-B.  Schmidt  seinen  Antrag  zurück.
Er  wurde  aber  dann  mit  dem  Antrag  Ruedorfser
  lombiniert,  der  jeht  wie  folgt  lautet:

„Das  Gemeindekollegium  ist  gewillt.  nach
Beendigung  des  Krieges  für  die  Beschäftigung
der  heimkehrenden  Krieger  möglichst  Sorge  zu
tragen.  Deshalb  besteht  gegen  den  Magistratsbeschluß,
  die  Frage  der  Vermehrung  der  Schulräume,
  den  weiteren  zeitgemäßen  Um-=  und  Ausbau
  des  Krankenhauses,  des  Neubaues  eines
Bürgerspitals  und  die  Neupflasterung  des  Ludwigsplatzes
  instruktiv  zu  behandeln,  keine  Erinnerung,
  soweit  die  nötigen  Arbeiten  durch  die.
derzeitigen  Arbeitslräste  des  Stadtbauamtes
erledigt  werden  können,  und  auch  die  gemeind.
lichen  Kommissionen  die  einschlägigen  Arbeiten
bewältigen  können.  Da  es  sich  bei  dem  Beschlusse
des  Stadtmagistrates  in  der  Hauptsache  um
unrentierliche  Ausgaren  handelt  und  selbst  für
den  kleineren  Teil  (Bürgerspital)  ausreichende
und  flussige  Mittel  nicht  zur  Verfügung  stehen,
muß  sich  das  Gemeindekollegium  jedoch  für  die
endgültige  Stellungnahme  eine  eingeh  ende  Prüfung
  der  Bedürfnis=  und  der  Finanzfrage  vorlehalten.
  An  die  Kgl.  Kreisregierung,  bzm.
das  Kgl.  Staatsministerium  des  Innern  dürfte
die  Bitte  zu  richten  sein,  die  außerordentlich
schlimme  Finanzlage  der  Gemeinden,  hervorgerufen
  durch  die  vom  Krieg  rerurf  fachten  hohen
  Ausgaben,  weiter  durch  die  von  der  Biereinschränkung
  Oerrührende  kolossale  Minderung
des  Malzausschlages,  serner  durch  den  zu  erwartenden
  starken  Ausfall  an  Gemeindeumlagen,
  nicht  zu  vergessen  die  Wirkungen  des  neuen
Amenrgesetzes  ufw.,  in  Erwägung  zu  ziehen  und
durch  Bereitstellung  entsprechend  hoher  Zuschüsse
die  Durchführung  der  vorliegenden  Verfügungen
  zu  ermöglichen,  damit  nicht  schließlich  die
Allgemeinheit  durch  unerträglich  hohe  Umlagen
belastet  werden  muß.“

G.-B.  Breitenhuber:  Die  Gemeinde  sollte
Vorsorge  treffen,  die  vordringlichen  Arbeiten  in

Instruktion  zu  nehmen.  Den  sachlichen  Ausführungen
  des  Referenten  schließe  er  sich  an.  Die
Bedürfnis=  und  Finanzfrage  mußten  ausreichend
gerrüft  werden.  Nach  dem  Kriege  handle  es  sich
nicht  allein  um  die  Krieger,  sondern  um  unsere
Handwerker  und  Geschäftsleute,  die  Arbeit  brauchen,
  wenn  die  Militärlieferungen  nicht  mehr  anfallen.
  Wie  wollen  diese  ihr  Geschäft  sons  weiter
betreiben?  Davon  würden  nicht  nur  die  Arbeiter,
  sondern  auch  die  Bürger  und  die  Handwerksmeisler
  getroffen.  Daher  sei  es  Pflicht,
vorsichtig  einzugreifen.  Für  heute  handle  es  sich
nur  darum,  Mittel  zur  Instruierung  der  Projelte
  zu  bewilligen.  Dazu  genügten  die  derzeitigen
  Kräfte,  ev.  könnten  die  hiesigen  Baumeister
und  Architelten  herangezogen  werden.

G-B.  Stegmeyr:  Wenn  das  Staatsministerium
  Vorschläge  macht,  Vorkehrungen  zu  treffen,
  um  den  heimkehrenden  Kriegern  Arbeitsgelegenheit
  zu  schaffen,  muß  es  auch  sagen,

wo  man  das  Geld  hierzu  hernehmen,  oder  womit
  man  die  Verzinfung  decken  soll?  Man  lann
doch  auch  nicht  neue  Häuser  abbrechen  und  wieder
  ausbauen,  um  Arbeit  herbeizuführen.  Wiederum
  sind  die  Soldaten  nicht  lauter  Maurer
und  Jimmerleute.  Bei  der  Pflasterung  des
Ludwigsplatzes  konnen  doch  ohne  Zweisel  nur
Basallsteine,  die  sich  am  Max--Josef-Platz  so
gut  bewährt,  und  damit  eingeschulte  Leute  und
nicht  einheimische  Pflasterer  in  Betracht  kommen.
  Dos  Krankenhaus  verschlang  vor  zwei
Jahren  eine  hohe  Summe  und  heute  soll  man
wieder  einen  größeren  Betrag  dafür  aufuchden.
  Ich  sprach  damals  gegen  das  Postulat
und  empfahl,  nur  das  Notwendigste  zu  machen,
sich  noch  15  20  Jahre  fortzufretten  und  dam
an  den  Bau  eines  neuen  Krankenhauses  an  einem
  erhöhten  Platz  zu  denlen.  Man  sprach
weiter  vom  Bau  eines  Knabenschulhauses,  der
an  die  Ede  der  Samer=  und  Prinzregentenstraße
zu  stehen  kommen  soll.  Wenn  über  lurz  oder
lang  diese  Frage  reif  werden  sollte,  muhte  man
einen  Bauplatz  an  der  Westseite  der  Siodt.  in
der  Richtung  Fürstätt  wählen.  Hinsichtlich  Troklenlegung
  der  Stadt  gestatte  ich  mir  auf  das
belannte  Hallingerrrojelt  hinzuweisen,  das  dem
Hutorseilerbach  uber  den  Silbernagel-Lechner-Grund
  bei  der  Maschinenfabrik  Mayr  in  den
Mühlbach  führen  will.  Von  dort  ist  ein  Gesällstett
  in  der  Richtung  Langenpfunzen  vorgesehen,
  womit  eine  Poße  Anzahl  Pferdekräfte
gewonnen  werden.  tit  diesem  Projekt  würden
  drei  Fliegen  mit  einem  Schlage  getötet.
Wenn  das  Kaiserbad  einem  anderen  Zwecke
könnte  zugeführt  werden,  sei  es  Bürgerfpital,
Altersheim  usm.,  wäre  dies  sehr  zu  begrüßen.

 

Der  Anbau  am  Realschulgebäude  wäre  nicht
ganz  auszuschlagen,  weil  dierzu  der  Kreis  die

fte  zu  tragen  hätte.  Lasse  man  die  Sache
im  allgemeinen  herankommen,  sie  wird  sich  vielleicht
  besser  gestalten.

G.-B.  Görfert:  Wenn  die  zurüäkkehrenden
Krieger  keine  Arbeit  bekämen,  läge  alles  brach.
Wenn  die  Garnison  Arbeit  biete,  dann  könnte
man  die  jetzigen  Projekte  zuruckstellen,  aber  jett
müßten  diese  Arbeiten  vorbereitet  werden.  Denn
man  dürse  den  Kriegern  den  Dank  nicht  bloß
durch  Worte  aussprechen,  sondern  müsse  ihn
durch  die  Tat  beweisen.  Es  handle  sich  um  Sachen,
  die  heute  oder  morgen  doch  gebaut  werden
müßten.  Daß  die  Geburtenziffer  zurückgehe,  sei
zutreffend,  aber  die  Stadt  vermehre  sich  doch
auch  von  außen  durch  Zuzug.  Die  Notwendigkeit
für  ein  neues  Bürgerspital  bestehe  seit  Jahren.
Der  Staat  wälze  alle  Lasten  auf  die  Gemeinden
  ab.  In  der  Geldfrage  mußte  ein  Ausweg
gefunden  werden.

G.-B.  Dachs:  Was  der  Referent  bezüglich  der
Bedürfnis=  und  Finanzfrage  gesagt  habe,  könne
er  gutheißen.  Fur  das  neue  Schulhaus  lei  das
Bedürfnis  da.  Der  jeyige  Schulbesuch  sei  nicht
zurückgegangen.  Er  sei  so  groß  wie  vor  zwe:
Jahren.  Eine  Minderung  sei  nicht  eingetreten.
Die  Bedürfnisfrage  sei  in  erster  Linie  zu  berück
sichtigen.  Auch  für  den  Anbau  an  die  Real
schule  sei  die  Bedurfnisfrage  gegeben,  da  jent
schon  über  806  Real  und  Fortbildungsschüler
in  Betracht  kämen.  Die  Wirkung  der  neuen  Armenlasten
  würden  sich  erit  in  den  Jahren  1917
und  1918  geltend  machen.  Was  der  Referemt
schilder#l#  seien  leine  Gespenier,  all  das  bestehe
in  Wirklichkeit.

G.-B.  Schrenenseger  schließt  sich  dem  Referenten
  an.  Doch  glaube  er,  daß  die  Arbeitslosigkeit
nach  dem  Krieg  nicht  allzu  groß  werden  könnte.
Die  Zurückflutung  der  Massen  vollziehe  sich
nicht  auf  einmal,  das  neue  Leben  reguliere  sich
allmählich.  Die  Enrscheidung  sollte  von  Fall
zu  Fall  getroffen  werden.

G.=  B.  Geiftaller:  Der  Referent  hat  geruser,
die  Zeit  ill  ernt.  Dieses  krifft  auch  leider  zu.
aber  auch  ernit  wäre  es  fur  die  heimkehrendern
Krieger,  wenn  wir  einen  vollftändig  ablehnenden
  Standpunkt  beibehalten  würden,  und  ihnen
keine  Verdjenstmöglichkeit  gesichert  hätten.  Der
Referent  sagte  auch.  daß  sich  die  Regierung
ganz  leicht  tue  und  einfach  die  ganzen  Belastungen
  den  Gemeinden  aufburde.  Nun,  meine  Herren,
  müsse  doch  auch  gesagt  sein:  Wer  ist  die
Regierung?  So  berechtigt  die  Warnung  des
Referenten  in  finanzieller  Hinsicht  ist.  so  berechtigt
  ist  aber  auch  anderseits  die  Sicherung  von
Arteitsgelegenbeit  für  die  heimkehrenden  Krieger
  und  den  Handwerlerstand.  Ich  glaube,  wir
werden  den  Weg  finden,  der  Gerechtigkeit  Rechnung
  zu  tragen  einmal  fur  die  leimkehrenden
Krieger  und  das  anderemal  auch  für  den  Handwerkerstand
  am  Orte  selbst,  die  ohne  Uebertreilung
  durch  den  Krieg  sehr  stark  in  Mitleidenschaft
  geraten  lind.  Reduer  billet,  beiden  Teilen
Rechnung  zu  tragen  und  einen  baldigen  zufriedenstellenden
  Abschluß  in  dieser  Sache  zu  ermöglichen.


Nach  dieser  langen  Aussrrache  wurde  dann
Antrag  auf  Schluß  der  Debatte  gestellt.  Bei
der  Alstimmung  wurde  der  Antrag  Nuedorffer.
Schmidt  einstimmig  angenommen.

E

Koisinachrichten
Rosenheim,  30.  Dez.

Auszeichnungen  im  Felde.  Der  Feldwebel-Leutnant
  Michgel  Haberberger,  früher
Bezirksfeldurebel  beim  Bezirkskommando  Nosussenh
  wurde  mit  dem  Militärverdienstkreurn
uKlasse  mit  Schwertern  ausgezeichnet.  Georg
riel  Pächter  der  Pernlohner-Oekonomie  an
der  Erersbergerntraße,  Unteroffizier  d.  R.  im
Fuß-Art.-Bat.  Nr.  10,  erhielt  das  Militär
verdienstkreuz  3.  Klasse  mit  der  Krone  und  ont
Schwertern.  Der  frühere  Kassier  der  Leid-Regi.
ments-Vereinigung  Rosenheim,  Feldwebel  Förg
der  3.  Radfahrer-Kompanie  ist  mit  dem  Militär-
  Verdienstkreuz  2  Klasse  ausgezeichnet  wor.
den;  das  Eiserne  Kreuz  ist  ihm  früher  schon
rerliehen  worden.  Baumeiiter  Großmann  von
Vogtareuth,  langjähriges  Mitglied  der  Leiber-Vereinigung
  Rosenheim,  Unteroffizier  bei  der  3.
Feldflieger-Abteilung,  erhielt  ebenfalls  das  Mu.
litärverdiensttreuz.

Der  Bapyer.  Militärverdienstorden  4.  Klasse
mit  Schwertern  wurde  verliehen  dem  Leutnant
d.  N.  der  Feld-Art.  Alerander  Ostermann,  dem

Leutnant  d.  R.  der  Feldartillerie  Theodor  Osier
mann.

Verkaufsverbot  für  Pulver  und
Feuerwerkskörper.  Das  siello.  Generalkommando
  erließ  heute  folgendes  Verbot  mit
sofortiger  Wirksamkeit:  Verkauf  von
Schwarzrulver,  rauchschwachem  Schießpulrer.
nicht  unter  das  Sprengstoffgesen  vom  9.  Juni
1884  fallenden  Sprengpulvern  an  Personen
ohne  militärische  oder  polizeiliche  schriftliche  Erlaudnis
  ist  verboten.  Als  polizeiliche  Erlaubnis
gill  die  für  das  jeweilige  Jahr  gultige  Jagdkarte,
  der  Schuhgewehrwn  und  der  zur  Führung
  einer  Feuerwaffe  berechtigende  polizeiliche
Erlaubnisschein  (sog.  Waffenschein).  Verboten

 

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