Full text : Lesebuch für Landwirtschaftliche Winterschulen und ähnliche Anstalten im Königreich Bayern.

—  218  —

heftigen  Erkältungskrankheiten.  So  ist  auch  die  Zeit  des  häufigen
Schnupfens  und  der  Entzündungen  der  Luftwege  nicht  die  Zeit  gleichmäßiger
Kälte,  sondern  die  des  starken  und  schnellen  Wechsels  in  der  Witterung.
Form  und  Schnitt  der  Kleidung  sind  für  unsere  Gesundheit  von  der
größten  Wichtigkeit.  An  keinem  Teile  des  Körpers  darf  eine  drückende  oder
schnürende  Wirkung  ausgeübt,  die  natürliche  Form  nicht  künstlich  verunstaltet
und  die  Entwickelung  der  einzelnen  Körperwerkzeuge  beeinträchtigt  werden.

Nach-Bock  und  Jakobs

101.  Die  Zähne  und  ihre  Pflege.

Hast  du,  lieber  Leser,  schon  einmal  alte  Leute,  die  nur  noch  wenige
Zähne  hatten,  essen  sehen?  Welche  Mühe  macht  es  ihnen,  Speisen  zu  zerkleinern,
  die  du  mit  deinen  gesunden  Zähnen  so  leicht  beißen  kannst!  Ja
solche  Leute  verdienen  unser  volles  Mitleid,  und  da  ich  dich  vor  einem
ähnlichen  Schicksal  bewahren  möchte,  will  ich  dir  im  folgenden  einiges  über
die  Zähne  und  die  Mittel  zu  ihrer  Erhaltung  mitteilen.

Die  festen  Speisen,  die  wir  genießen,  müssen  wir,  bevor  wir  sie  hinunterschlucken
  können,  abbeißen  und  zerkleinern.  Dies  geschieht  durch  die
Zähne.  Das  Kind  hat  deren  zwanzig,  welche  Milchzähne  heißen.  Zwischen
dem  siebenten  und  vierzehnten  Jahre  fallen  diese  Zähne  aus,  und  es  treten
an  fihre  Stelle  nach  und  nach  die  zweiunddreißig  bleibenden  Zähne.  Nach
ihrer  Stellung  teilt  man  diese  ein  in  die  acht  meißelförmigen  Vorderoder
  ZJSchneidezähne,  in  die  vier  spitzen  Eckzähne  und  die  zwanzig
breiten  und  höckerigen  Backen  zähne.  Jeder  Zahn  besteht  aus  drei  Teilen,
aus  der  freien  sichtbaren  Krone,  aus  dem  vom  Zahnfleisch  bedeckten  Halse
und  aus  der  Wurzel,  welche  im  Kieferknochen  steckt.  Durch  eine  feine
Offnung  in  der  Wurzelspitze  treten  Nerven  und  Blutgefäße  in  den  Zahn;
die  letzteren  nähren  ihn.  Zum  Schutze  der  Krone,  die  allein  mit  den  Speisen
in  Berührung  kommt,  dient  der  Zahnschmelz,  ein  gelblichweißer,  glänzender
lberzug,  der  härter  ist  als  der  härteste  Knochen.  Unter  dem  Schmelz  liegt
das  Zahnbein,  das  in  seinem  unteren  Ende  von  der  Wurzelrinde  umgeben
  ist.  Hals  und  Krone  schließen  eine  kleine,  mit  dem  feinen  Wurzelkanale
  in  Verbindung  stehende  Höhle  ein,  in  welcher  der  weiche,  blut=  und
nervenreiche  Zahnkeim  enthalten  ist.

Trotzdem  die  Zähne  durch  den  Zahnschmelz  sehr  gut  geschützt  sind,
können  sie  dennoch  leicht  beschädigt  werden.  Schadhafte  Zähne  haben
aber  manche  Unannehmlichkeiten  zur  Folge.  Sie  bereiten  nicht  nur  heftige
Schmerzen,  sondern  können  auch  die  Speisen  nicht  mehr  genug  zerkleinern.
Schlecht  zerkaute  Speisen  sind  aber  schwer  zu  verdauen  und  schaden  unserer
Gesundheit.  So  schön  ferner  ein  Mund  mit  weißen,  gesunden  Zähnen  ist,
so  häßlich  sieht  ein  Mund  aus,  in  welchem  schwarze  Zähne  stehen  oder  gar
viele  Zähne  fehlen.  Auch  verbreiten  schlecht  gepflegte  oder  kranke  Zähne
einen  übeln  Mundgeruch.  Wir  müssen  daher  die  Zähne  vor  Verletzungen
  bewahren  und  auf  ihre  Gesundheit  große  Sorgfalt  verwenden,
um  so  mehr,  als  wir  sie  vielleicht  60  Jahre  und  noch  länger  gebrauchen