Full text : Illustriertes Realienbuch.

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kamen  ihr  in  die  Augen,  wenn  sie  einen  Schlesier  sah.  Friedrich  hatte  durch
beißende  Spöttereien  über  die  „Weiberwirtschaft“  an  den  Höfen  von  Petersburg
  und  Paris  jene  Höfe  bitter  gekränkt.  Dem  österreichischen  Minister
Kaunitz  gelang  es  endlich,  mit  Rußland,  Frankreich,  Sachsen  und  Schweden
ein  Bündnis  zu  schließen,  das  den  Preußenkönig  wieder  zum  Markgrafen  von
Brandenburg  erniedrigen  wollte.  Friedrich  erhielt  von  allem  Kunde  und  be—
schloß,  seinen  Feinden  zuvorzukommen.  Einer  Welt  in  Waffen  hatte  er  nur
seinen  Geist,  sein  Heer,  die  Liebe  seines  Volkes  und  englische  Hilfsgelder
entgegenzusetzen.

b)  Pirna  und  Lobositz  1756.  Plötzlich  brach  ex  in  Sachsen  ein  und
umzingelte  das  sächsische  Heer  bei  Pirna.  Als  die  Osterreicher  zum  Ent—
satze  heranzogen,  besiegte  er  sie  bei  Lobositz  a.  d.  Elbe.  Die  Sachsen
wurden  hierauf  durch  den  Hunger  zur  Übergabe  gezwungen.  Die  gemeinen
Soldaten  steckte  Friedrich  unter  sein  Heer,  aber  sie  entliefen  später  einzeln
und  in  Haufen.

e)  Der  Sieg  bei  Prag  1757.  Im  Frühjahr,  fiel  Friedrich  in  Böhmen
ein  und  drang  bis  Prag  vor.  Dort  standen  die  Osterreicher  verschanzt  auf
Anhöhen.  „Frische  Fische,  gute  Fische!“  rief  Friedrich  und  befahl  den  Angriff.
  Der  alte  Schwerin  rückte  sich  den  Hut  ins  Gesicht  und  sagte:  „Muß
es  denn  heute  geschlagen  sein,  so  will  ich  den  Feind  angreifen,  wo  ich  ihn
sehe.“  Aber  Tausende  wurden  von  den  Feuerschlünden  niedergemäht  oder
versanken  im  Moore,  das  sie  für  Saatfelder  gehalten  hatten.  Schon  wankten
die  Linien,  da  ergriff  Schwerin  eine  Fahne,  stellte  sich  an  die  Spitze  und
rief:  „Heran,  ihr  Kinder!“  Doch  fünf  Kugeln  streckten  den  Helden  nieder.
Sein  Tod  entflammte  aber  die  Soldaten  zur  äußersten  Tapferkeit,  und  die
Schlacht  wurde  gewonnen.  Allein  der  Sieg  war  durch  16000  gefallene
Preußen  und  Schwerin,  „der  allein  10  000  galt“,  zu  teuer  erkauft.

d)  Die  Niederlage  bei  Kollin,  18.  Juni  1757.  Hierauf  wandte
sich  Friedrich  gegen  den  klugen  Marschall  Daun  und  griff  ihn  am  18.  Juni
bei  Kollin  an  der  Elbe  an.  Alles  ging  anfänglich  gut.  Doch  die  Fehler
einzelner  Führer  störten  und  verwirrten  den  Fortgang.  Aus  der  Verwirrung
wurde  endlich  wilde  Flucht.  Friedrich  war  bis  an  eine  feindliche  Batterie  vorgedrungen,
  ohne  zu  bemerken,  daß  sein  Häuflein  gefallen  oder  geflohen  war.
Ein  Major  rief  ihm  zu:  „Majestät,  wollen  Sie  die  Batterie  allein  erobern?“
Auf  dem  Rückzuge  reichte  ihm  ein  Soldat  einen  Trunk  aus  einem  Pferdeeimer
  mit  den  Worten:  „Majestät,  trinken  Sie  doch  und  lassen  Sie  Schlacht
Schlacht  sein.  Es  ist  nur  gut,  daß  Sie  noch  leben.  Unser  Herrgott  kann
uns  schon  wieder  den  Sieg  geben.“  In  einem  Dorfe  saß  der  König  auf
einer  Brunnenröhre  und  zeichnete  mit  seinem  Krückstocke  Figuren  in  den  Sand,
als  die  Reste  seines  Heeres  vorüberzogen.  „Kinder,“  rief  er,  „ihr  habt
heute  einen  schweren  Tag  gehabt,  aber  ich  will  alles  wieder  gut  machen.“

e)  Der  Glückstag  bei  Roßbach,  5.  Nov.  1757.  Zunächst  wandte
er  sich  gegen  die  Franzosen,  die  Thüringen  durchschwärmten  und  bis  Roßbach
  bei  Weißenfels  vorgedrungen  waren.  Sie  waren  dreimal  stärker  als  die
Preußen  und  hatten  nur  die  eine  Sorge,  Friedrich  möchte  ihnen  entwischen.
Ihr  Feldherr  hatte  den  Parisern  versprochen,  ihnen  bald  den  Preußenkönig
als  Gefangenen  zu  schicken.  Die  Preußen  kochten  ihr  Essen,  als  die  Franzosen
  heranzogen.  Im  Nu  stand  aber  die  Armee  schlagfertig  da.  Der  Reitergeneral
  Seydlitz  fuhr  wie  ein  Wirbelwind  aus  einem  Hohlwege  unter  die
Franzosen.  Die  Kanonen  spieen  ihren  eisernen  Hagel  von  einem  Hügel,  und
die  Infanterie  schoß,  stach  und  hieb  drauf  und  drein.  In  wilder  Flucht