Contents : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

395  Schlinggewächs  —  Schlillen.

schlingt  Schiller  Siegesfest;  mit  dem  Acc.  des  durch
Schlingen  Bewirkten:  um  den  kessel  schlingt  den  reihn
Schiller  Macb.  4,  3;  vo  .  der  kunbe  mit  der  schönen
gluhend  den  fandango  schlingt  Geibel  1,  23;  im  testgewand
  den  tauz  zu  schlingen  97;  mit  entsprechenden
Beisätzen  auch  —  Geschlungenes  lösen:  wenn  er  eben
liebestrunken  nun  die  arme  auscinander  schlingt  nach
dir  Schiller  Semele  354;  —  refl.:  (Stengel  der)  um
stümmc,  zweig  und  laub  sich  schlingt  Brockes  6,  142;
drum  schlinge  sich  jedes  christenkind  in  der  licbe
rosenbande  Iffland  Mann  v.  Wort  2,6;  gang,  der
um  den  sabl  sich  schneckenförmig  schlang  Wieland
Klel.  4,  259;  dorch  ihr  (der  Wiese)  freundliches  grun
schlingt  sich  der  ländliche  plad  Schiller  Spaz.  14;
cin  bach  der  sich  durch  die  wicsen  schlinget  Frisch;
(Sonnenstrahlen  tanzten  über)  bucbstaben,  dasz  sie  sich
wie  blüthen  vor  meinen  augen  in  einander  schlangen
Eichendorsf  Taugen.  79;  —  in  der  Kunst-,  Hansund
  Gewerksspr.:  reime  schlingen,  carwmin  condere
Stieler;  schlingen  im  nehen,  fila  neetere,  nodos
ucer,  schlingen,  krummen,  klorquere,  als  brezeln
Frisch;  —  in  den  Partizipien:  (Gestalten)  verschlungen
schlingend,  mit  sich  selber  ringend  Geethe  Epim.
Erwachen  1,  15;  lichtpsad,  schöner  nur  geschlungen
Schiller  Künstler  81;  eine  geschlungene  röhre  an  der
bosaun  Frisch.  2)  anderes  schlingen,  Umformung
eines  älteren  schlinden  hinunterschlucken,  goth.  in  fraslindan
  (vgl.  verschlingen),  ahd.  slintan,  mhd.  mud.
slinden,  zu  schlund  (s.  d.)  gehörig,  sonst  dunkler  Beziehungen;
  die  alte  Form  zeigt  sich  noch  mehrsach  uhd.,
ausnahmsweise  selbst  in  jetziger  Spr.:  welchen  er  verschlinde
  1.  Petr.  5,  8;  scblinden,  glutire,  schlinder,
norar  Schottel;  als  fliege  batt  er  sie  wohl  gar  geschlunden
  (verschwunden)  APichler  neue  Marlst.  199;
Umsetzung  des  stammschließenden  nd  in  ng  nach  besonders
  mitteldeutschem  Brauche  schon  im  15.  Ih.:
lutiro  slucken,  slyunghen,  vorslingen,  verschlingen
Dies.;  seit  16.  Ih.  allgemein  der  Form  nach  mit
schlingen  1  zusammengesallen:  bis  ich  meinen  speichel
schlinge  Hiob  7,  19;  dic  heisze  kost  schlingend  gieriges
muls  Platen  Bilder  Neapels  60;  ctwas  binein,  binunter
  schlingen;  auf  die  Fähigkeit  bezogen,  an  schlucken
rührend:  dasz  ich  kaum  mehr  schlingen  konnte  und
der  genusz  von  speisc  und  trank  mir  schmerzlich  ward
Goethe  Du  W.  6;  —  frei:  (er)  schlingt  den  kusz,  den
sic  enlgegenbringt  Schiller  Kindsmörderin;  wenn  binunter
  dich  der  Kanthus  schlingt  Ränb.  2,  2.  —  Zusammensetzungen
  zu  1:  Schlinggewächs,  n.  Gewächs  das
sich  schlingt.  —  Schlingkrank,  n  Kraut  das  sich  schlingt:
schlingkraut  und  eppich  Leuthold  Ged.  39;  seei,
als  Scheltwort:  fort,  du  böses  schlingkraut,  giftge
ranke!  Grillparzer  5,  123.  —  Schlingpflanze,  (.
Pflanze  die  sich  schlingt;  bildlich:  dasz  die  geschaffnen,
schlingepflanzen,  den  urstamm  ihres  gotts  umtanzen
Lenan  133.

Schliugern,  von  Schiffen,  hin  und  ber  wanken;
aus  dem  Niederd.  ausgenommenes  Wort,  mind.  slingeren,
slengeren;  vgl.  auch  schlenkern.  —  Schlingung,  k.
Handlung  des  Schlingens;  nach  schlingen  1:  diese
uchlunge  .  mit  ihrer  ganzen  kraft  der  schlingung
Seume  Spaz.  2,  131.

Schlippe,  k.  enger  Naum  zwischen  den  Wänden  zweier
Häuser  zur  Ableitung  des  Regenwassers  Frisch:  landschaftliche
  mitteldeutsche  Form  für  schlupfe  (f.  d.),  zu
schlupf  und  schlupfen  gehörig.  —  Schlippermilch,  k.
geronnene  Milch,  Zusammensetzung  mit  niederd.  Adj.
slipper,  slibber,  weich,  glatt,  schlüpfrig  (mhd.  slipfer):
sie  leben  fast  nur  von  der  sauren  oder  sogenannten
schlippermilch  Immermann  Münchb.  1,  6;  dafür  auch
das  einfache  Masc.  schlipper:  der  saure  schlipper  ebd.

Schlitten,  m.  Fahrzeng  zum  Gleiten  auf  Eis=  oder
Schneeflächen;  hoch=  und  niederdeuisches  Wort,  ahd.  slito

Schlittenbahn  —  Schloß.  396

(auch  als  Fem.  slita),  mhd.  slite,  mnd.  slede,  zum
Verbum  altengl.  slidan,  mhd.  sliten  gleiten  und  zu
schlittern  (s.  d.)  gehörig,  in  urverwandtschaftlicher  Beziehung
  zu  litt.  slidus  glatt  (vom  Eise),  leti.  slidet
gleiten  auf  dem  Eise;  neda,  krato,  vehienlum  slitte,
slit,  schlit,  schlitte,  schlitten  Diesf.;  bereitct  iuch  der
Sliten  Of  daz  is  Neithard  38,  9;  dort  fäbrt  cin  schlitten
auf  der  blanken  wuste  Lenau  162;  auf  dem  schlitten
fahren  Frisch,  dasür  mit  bloßem  Acc.  schlitten  fuhren;
in  federlosen  wagen  oder  ottenen  schlitten  Freytag
Erinn.  20;  —  Gerät  von  entsprechender  Form  bei  verschiedenen
  Gewerken.  —  Zusammensetzungen:  Schliltenbahn,
  k.  Bahn  für  Schlitten,  Zustand  des  Eises  oder
Schnees,  daß  Schlitten  gut  sahren  können.  —  Schlittensahrt,
  t.  Fahrt  zu  Schlitten,  besonders  auch  als  Vergnügen:
  das  arrangement  der  partbien  auf  die  heutige
schlittenfahrt  Schiller  Kab.  1,6.  —  Schliklenkusc,  k.
Kuse  eines  Schlittens.  —  Schlittschuh,  m.  Umdeulung
von  schrittschub  (s.  d.).

Schlittern,  auf  dem  Eise  gleiten,  landschaftliche  Bezeichnung
  eines  Knabenspiels  (vgl.  unter  gleiten  1);
Häufigkeitsbildung  zu  mhd.  sliten  gleiten,  verwandt  zu
schlitten  und  den  dort  angesübrten  Bildungen.

Schlitz,  m.  Handlung  und  Ergebnis  des  Schlitzens,
ahd.  mhd.  sliz:  schlitz,  crena.  Weisura,  kerbe.  ritz
Schottel;  durch  Einschueiden  hervorgebracht,  als  Riß
oder  Wunde:  einen  schlitz  im  backen  baben,  sechlitz
im  rock,  hemd;  ich  selber  erbiclt  einen  schlitz  am
ohr  Freytag  Ahnen  5,  322;  diesen  schlitz  im  wams  32;
an  Kleidungsstücken  schmale  Offnung,  zum  Teil  als
Modezierrat:  mantel  mit  offen  schlitz  D.  Städiechr.
2,  14;  schlitz  in  den  hosen,  oder  in  den  weiberröcken,
schlitz  am  hemde,  an  der  brust  oder  an  den  seiten
Frisch;  auch  der  Spalt  in  den  Gänsesedern  heißt
schlitz  ebd.;  als  natürliche  Offnung:  der  uugenschlitz
der  Mongolen,  daher  schlitzäüugige  chinesen;  das  weibliche
  Geschlechtsglied  Fastn.  Sp.  616,  16;  daher  schlitzgadel
  für  Mädchen  Simpl.  3,  115.  —  Schlitze,  k.  wie
schlitz,  Spalte,  schmale  Offnung:  durch  die  schlitzen
der  fensterläden  schimmerte  rötliches  licht  Wildenbruch
  Nov.  196;  Spalt  des  Rockes  für  eine  Tasche:
aus  der  schlitze  gucken  Immermann  Münchh.  2,  55.
—  schlitzen,  scharf  oder  beftig  fpalten,  Steigerungsbildung
  zu  schleiszten  (s.  d.),  mhd.  slitzen;  verwundend
oder  zerstörend  reißen  (vgl.  auch  autschlitzen):  die  nasen
schlilzen  Fastn.  Sp.  660,  33;  ich  vill  ihnen  ..  den
bauch  schlitzen.  dasz  ihnen  die  kutteln  schuhlung
herausplatzen  Schiller  Ränb.  2,3;  ch  dir  sankt  Ernulfs
  blitz  die  zunge  schlitzt!  Wieland  Klel.  7,  97;
ich  habe  mir  an  cinem  nagel  den  rock  geschblitzt;
in  der  Wirtschaft  und  Küche:  einem  pferde  die  ohren,
dic  nase  schlitzen,  einen  tiseh  schlitzen  Adelung:
eine  feder  schlitzen  (der  Gänsefeder  einen  Spalt  geben)
ebd.;  Part.  geschlitzt,  in  modischer  Tracht:  cin  paar
hundschuhe,  wundersam  geschlitzt  Gocthe  DuW.  1;
weil  ibr  cin  geschlitztes  wamms  trogt  Geibel  7,  157;
beruhrte  den  feinen  stoff  des  geschlitzten  irmels
CF  Meyer  Jenatsch  211;  bei  enger  Form  der  Augen:
sie  haben  meist  lang  geschlitzte  Lleine  augen  Gocthe
13,  56;  drohende  blicke  aus  geschlitzten  augen  Keller
Werke  7,  371.

Schlohwelß,  ganz  weiß,  Umformung  von  schloszweisz,
  vgl.  unter  schlosze:  der  schlohweisze  menschenkörper
  Keller  Nachl.  224.  —  schlorren,  gehen  ohne
die  Füße  zu  heben;  Wort  auf  lautmalendem  Grunde,
nächst  verwandt  zu  schlar#n  und  schlurfen  (s.  d.):  da
schlorrte  der  pautoffel  der  meisterin  in  das  zimmer
Gandy  Erz.  132;  wit  behutsam  schlorrendem  sehritt.
vencz.  Nov.  59.

Schloß,  m.  Gerät  zum  Schließen;  sestes  vornehmes
Haus:  ahd.  mbd.  sloz.  mind.  slot.  Frief.  slot  und  slei:
der  Plur.  im  Mhd.  dem  Sing.  gleich,  seit  dem  frühen