Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Erster Teil. (58a)

Beuisches  Reich.  (Februar  27.—März  2,  213

stellen  würde.  Sie  wissen,  daß  es  ihm  nicht  gelungen  ist.  Sie  wissen
ferner,  wie  unser  Friedensangebot,  das  aufrichtig,  ehrlich  und  ernst  gemeint
war,  von  unseren  Feinden  mit  Hohn  und  Spott  zurückgewiesen  worden  ist.
Unserem  Versöhnungswunsch  haben  die  Gegner  den  Vernichtungswillen  entgegengesetzt.
  Es  blieb  uns  natürlich  unter  solchen  Umständen  nichts  anderes
übrig,  als  zu  unserer  besten  und  ernstesten  Waffe  zu  greifen,  und  nachdem
wir  uns  dazu  entschlossen  haben,  gibt  es  natürlich  kein  Zurück  mehr.  Es
ist  bedauerlich,  daß  auch  die  Neutralen  darunter  zu  leiden  haben,  aber  das
hilft  nichts.  Aus  diesen  Erwägungen  heraus  habe  ich  in  der  Antwort  an
Amerika  mich  auf  folgenden  Inhalt  beschränkt.  Ich  habe  gesagt,  Deutschland
  ist  nach  wie  vor  zu  Verhandlungen  mit  Amerika  bereit,  unter  der
Voraussetzung,  daß  dadurch  die  Handelssperre  gegen  unsere  Feinde  nicht
beeinträchtigt  wird.  Sie  werden  zugeben,  daß  durch  diesen  Wortlaut  der
Instruktion  an  unserer  Handelssperre  und  unserem  U-Bootkrieg  auch  nicht
das  geringste  geändert  wurde.  Es  wurde  lediglich  der  Wunsch  und  die
Bereitwilligkeit  angedeutet,  über  die  Freigabe  der  Personenschiffe,  die  wir
schon  seinerzeit  in  der  Note  vom  31.  Jan.  angeboten  hatten,  mit  Amerika
in  nähere  Verhandlungen  einzutreten.  Der  schweizerische  Gesandte  hat  die
Mitteilung  an  die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  gelangen  lassen,
offenbar  genau  dieselbe  Mitteilung,  die  ich  eben  erwähnt  habe,  und  hat
darauf  eine  sehr  höflich  gehaltene  Antwort  bekommen,  in  der  Herr  Lansing
ausführt,  er  sei  von  dem  Präsidenten  Wilson  beauftragt  worden,  zu  sagen,
die  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  sei  sehr  gern  bereit,  mit  der  deutschen
Regierung  zu  verhandeln  unter  der  Voraussetzung,  daß  die  Proklamation
vom  31.  Jan.  widerrufen  wird.  M.  H.,  das,  was  darin  gefordert  wurde,
wäre  die  Aufgabe  unseres  Standpunktes  gewesen.  Eine  Beseitigung  aber
unserer  Handelssperre  gibt  es  nicht.  Und  damit  waren  die  sogenannten  Verhandlungen,
  bevor  sie  eigentlich  überhaupt  zur  Einleitung  gelangten,  als
gescheitert  zu  betrachten.  Sie  werden  zugeben,  daß  sie  nicht  etwa  von  dem
Wunsche  der  Regierung  diktiert  worden  waren,  an  unserem  U-Bootkriege
und  an  der  Proklamation  vom  31.  Jan.  das  Leiseste  zu  ändern.

Dann  hat  der  Herr  Abg.  Schiffer  noch  das  Bedauern  über  den  Unfall
ausgesprochen,  der  vor  einigen  Tagen  holländischen  Dampfern  zugestoßen
  ist.  Ich  schließe  mich  diesem  Bedauern  namens  der  Kaiserlichen
Regierung  an.  Es  ist  unsererseits  nichts  versäumt  worden,  diesem  Unfall
vorzubeugen,  und  jedenfalls  trifft  die  Kaiserliche  Regierung  keinerlei  Schuld
daran.  Die  holländischen  Reeder  haben  den  begreiflichen  Wunsch,  wertvolle
Schiffe  und  Ladung  aus  englischen  Häfen  herauszubekommen.  Man  hatte
ihnen  für  die  Ausführung  dieses  Wunsches  zunächst  den  10.  Febr.  in  Aussicht
  gestellt,  einen  Tag,  an  dem  sie  glatt  und  mit  voller  Sicherheit  durchgekommen
  wären.  Sie  waren  offenbar  an  diesem  Tage  noch  nicht  reisefertig.
Dann  wurde  ihnen  der  22.  Febr.  und  der  17.  März  in  Aussicht  gestellt,  der
22.  Febr.  mit  dem  ausdrücklichen  Hinweis  darauf,  daß  es  nur  eine  relative
Sicherheit  an  diesem  Tage  wäre,  die  geboten  werden  könnte;  positive,  absolute
  Sicherheit  würde  erst  der  17.  März  bieten  können.  Daß  nur  relative
Sicherheit  geboten  wurde,  war  darauf  zurückzuführen,  daß  eben  die  Sorge
bestand  und  keine  Sicherheit  dafür  vorlag,  daß  alle  Unterseeboote,  die  unterwegs
  sind,  von  dem  Befehle,  holländische  Schiffe  passieren  zu  lassen,  auch
erreicht  werden  würden.  Die  holländischen  Reeder  haben  aber  trotz  mehrfachen
  Hinweises  darauf,  daß  der  22.  Febr.  nur  relative  Sicherheit  böte  und
daß  möglicherweise  nicht  sämtlichen  Unterseebooten  die  Befehle  übermittelt
werden  könnten,  sich  vom  Ausfahren  am  22.  Febr.  nicht  abhalten  lassen,
sondern  sich  für  diesen  Tag  entschlossen.  Die  Marine  hat  selbstverständlich
ihrerseits  alles  getan,  um  den  Befehl  sämtlichen  Unterseebooten  zukommen