Beutscheo NReich. (März 15.) 305
boten den Frieden in dem Gefühl des Siegers an. Hätten wir wirklich
gesiegt, dann wäre das Friedensangebot ja überflüssig gewesen. Die deutsche
Regierung hätte, um ihren Friedenswillen zu beweisen, ihre Friedensbedingungen
mitteilen müssen. Der RKrieg, der U. Bootkrieg, ist ein Angriff
auf die Gebote der allgemeinen Menschlichkeit. (Stürm., minutenlange
Entrüstungsrufe bei den bürg. Part. Lärm bei den Soz.) Gegen die Stimmen
der Soz. beschließt das Haus, dem Abg. Hoffmann nach dem dritten
Ordnungsrufe das Wort zu entziehen. (Lebh. Beisall.)
Minister für Landwirtschaft Dr. Frhr. v. Schorlemer: Ich wollte
nicht das Wort nehmen, aber was wir hier gehört haben, übersteigt doch
alles Erwarten. Ich muß offen gestehen, man hat das Gefühl gehabt, nicht
einen preußischen Volksvertreter, sondern einen Vertreter der
Entente zu hören. Ich kann die Aeußerungen des Vorredners nur aufs
tiesste bedauern und namens der Regierung Einspruch dagegen erheben.
Der Abg. Hoffmann hat Enthüllungen darüber in Aussicht gestellt,
wer die Schuld am Kriege trage. Die deutsche Reichsleitung kann diesen
Enthüllungen mit aller Ruhe entgegensehen. Und was den Herrn Reichskanzler
angeht, so ist der Mann, der an der verantwortungsvollsten Stelle
des Deutschen Reiches steht, der gewiß am schwersten an der Last des Krieges
trägt und dem auch seine Gegner die Anerkennung nicht versagen können,
daß er ehrlich und ernstlich bestrebt ist, der ihm gestellten Aufgabe zu genügen,
weit erhaben über die abgeschmackten Wite von der „länglichen
Unzulänglichkeit“ und dem „militärischen Absolutismus"“. Mit dem Worte
„militärischer Absolutismus“ wird doch in der Rede des Herrn Hoffmann
in einer Weise umgegangen, die ich nicht unwidersprochen lassen
kann. Militärischer Absolutismus in des Wortes guter und eigentlicher
Bedeutung ist doch das gewesen, was Preußen und Deutschland groß gemacht
und zum Widerstand in diesem Kriege befähigt hat. Militärischer
Absolutismus ist dasjenige, was unsere Gegner vergeblich bis heute zu
erreichen gesucht haben. Man sollte eher anerkennen, was dieser militärische
Absolutismus geleistet hat, als ihn so über Bord zu werfen, wie Herr
Hoffmann getan hat. Die sonstigen Ausführungen des Herrn Hoffmann
richten sich meistens von selbst. Er hat von der Revolution in Petersburg
gesprochen, nicht in dem Sinne, als ob sie ein freudiges Anzeichen für die
Beendigung dieses Krieges sein könnte, sondern ein Menetekel auch für
Deutschland und für Preußen. Solche Worte können nicht anders, als die
Zweifel an der vaterländischen Gesinnung des Vorredners in weiten Kreisen
des Volkes bestärken. Das deutsche Volk wird sich in dem einen Ziel, das
wir alle im Auge haben, zu siegen in diesem furchtbaren Kriege, durch
die Worte des Herrn Hoffmann nicht beirren lassen. Ich bin in den Augen
des Herrn Hoffmann immer noch derselbe. Ich bin trotz aller Versicherungen,
die ich in den letzten Tagen gegeben habe, noch immer derjenige, der an
der falschen Ernährungspolitik im deutschen Volke die größte Schuld hat.
Herr Hoffmann ist unbelehrbar und ich kann darauf verzichten, ihm die
Beweise zu wiederholen, welche ich, wohl nach der übereinstimmenden Ansicht
der Mehrheit dieses Hauses, in der letzten Zeit für das Gegenteil
seiner Behauptungen beigebracht habe, aber ich kann mich heute auf einen
ganz unverdächtigen Zeugen berufen. Das ist der Vorsitzende des Kriegsernährungsamts,
Herr von Batocki, der gestern im Haushaltsausschuß des
Reichstages ausdrücklich bestätigt hat, daß ich niemals und an keiner Stelle
eine Maßregel des Kriegsernährungsamts oder der Reichsstellen aufgehalten
oder behindert habe. Mehr kann zu meinen Gunsten auch von dieser Stelle
nicht gesagt werden. Ich kann ebensowenig wie jeder andere Deutsche
verhüten, daß in einem Staate von 68 Millionen Einwohnern gegen Ver-Europäischer
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