434 Be#tsches Reich. (April 21.—22.)
werden konnte und sollte, daß jeglicher Verkehr mit den englischen Häfen
absolut unterbunden würde. Daraus ergibt sich also für jeden Einsichtigen
ohne weiteres, daß eine Niederzwingung Englands in wenigen Wochen nie.-mals
erwartet worden ist. Im übrigen haben wir nach den bisherigen
Ergebnissen allen Grund, mit dem Erfolg des neuen U-Bootkrieges
— wie im Reichstag noch vor wenigen Wochen offiziell ertlärt wurde —
vollauf zufrieden zu sein.
21. April. Stapellauf eines großen Kreuzers, der auf Befehl
des Kaisers den Namen „Mackensen“ erhält.
21. April. (Preußen.) Ergebnis der Hindenburgspende.
Nach den Feststellungen der Verwaltungsstelle der Hindenburgspende
wurden in Preußen bis zum 31. März 1917 52985 Ztr. Nahrungsmittel
von den Landwirten für die Rüstungsarbeiter freiwillig aufgebracht (bis
zum 27. Januar 1917 23820 Ztr.). Besonders ausgezeichnet haben sich die
Provinzen Ostpreußen mit im ganzen 6234, Hannover 5795, Rheinprov.
5446, Prov. Sachsen 5013, Westfalen 5154 und Posen mit rund 5000 Zer.
21.—22. April. (München.) Tagung der Liberalen Arbeitsgemeinschaft.
Die Versammlung faßt nach eingehender Aussprache folgende Beschlüsse:
I. Die Lib. Arb. begrüßt in Uebereinstimmung mit dem Bericht
des Abg. Dr. Müller-Meiningen-Hof die Osterbotschaft des Kaisers als
die Verheißung einer neuen Zeit innerpolitischer Reformen im Reiche wie
in den einzelnen Bundesstaaten, vor allem auch in Preußen, auf der Grundlage
vertrauensvoller Mitarbeit aller Glieder des Volkes an den Aufgaben
des Staatslebens. Sie ersucht die lib. Fraktionen des Reichstages, Vorschläge
zu einer Umarbeitung der deutschen Reichsverfassung im
Sinne der Stärkung der Volksrechte zu machen und sie in engster gegenseitiger
Fühlung im Reichstag zur Annahme zu bringen. Der Geist der
Reformen in Gesetzgebung und Verwaltung soll den gewaltigen Leistungen
des deutschen Volkes in diesem Kriege entsprechen. Vor allem ist für die
Wahlen zum Reichstag und zu den bundesstaatlichen Parlamenten das
Verhältniswahlrecht mit äußerster Entschiedenheit anzustreben, bis zu seiner
Verwirklichung aber eine gerechte Neueinteilung der Wahlkreise vorzunehmen.
Ferner ist das längst gesorderte und durch die Entwicklung notwendig gewordene,
dem Parlament verantwortliche kollegiale Reichsministerium zu
schaffen. Als parteipolitische Voraussetzung einer leistungsfähigen parlamentarischen
Regierung sind große, geschlossene Parteikörper erforderlich.
Die Lib. Arb. richtet deshalb von neuem die dringende Aufforderung an
die lib. Parteien, die Verschmelzung des deutschen Liberalismus baldmöglichst
durchzuführen.
II. Die Lib. Arb. ersucht die Lib. Vrg. des bayer. Landtags, in energischer
Initiative dafür zu sorgen, 1. daß das durch gesetzliche Festlegung
einer einseitigen tendenziösen Wahlkreiseinteilung geschaffene Wahlunrecht
in Bayern durch Einführung der Verhältniswahl beseitigt werde;
2. daß die bayer. Reichsratskammer in eine Erste Kammer verwandelt werde,
in der durch Wahlen der Haupterwerbsgruppen, der freien Berufe, der Hochschulen
und der Städte den politischen Anforderungen der neuen Zeit, sowie der
sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes Rechnung getragen wird.
22. April. Generaloberst Ludwig Frh. v. Falkenhausen wird
zum Generalgouverneur von Belgien ernannt.