Großbritannien. (Januar 26.) 255
gangenheit vergessen. Seit Generationen haben menschlich denkende, gutgesinnte
Männer in allen Völkern danach gestrebt, durch die Haager Konventionen,
durch die Friedenskonferenzen und auf alle mögliche Weise den
Krieg unmöglich zu machen oder wenigstens die Schrecken des Krieges zu
mildern. Wenn ein Krieg ausbricht, wodurch können diese gegen die Barbarei
errichteten Schranken aufrechterhalten werden? Von den Kriegführenden
können sie nicht aufrechterhalten werden, wenn es einem von ihnen
beliebt, sie außer acht zu lassen. Nur die neutralen Staaten können ihre
Wirksamkeit sichern. Wie ist es gewesen? Unmittelbar bei Ausbruch des
Krieges haben die Deutschen auch jede dieser Schranken beiseite gefegt. Sie
haben Verträge zerrissen, die sie selbst feierlich unterschrieben hatten. Sie
haben in der offenen See Minen ausgelegt. Sie haben zu Wasser und zu
Lande jedes Verbrechen gegen die Haager Konvention, die sie selbst unterzeichnet
hatten, begangen. Sie haben gegen Frauen und Kinder Krieg
geführt. Sie haben Neutrale ebenso rücksichtslos getötet wie ihre Feinde.
In diesem Augenblicke sind sie dabei, die Bevölkerung eroberter Gebiete
in Sklaverei zu schleppen, und, schlimmer selbst als das, sie veranlassen
Untertanen ihrer Feinde dazu, gegen ihr eigenes Land die Waffen zu
ergreifen. Alles das ist geschehen, und kein Neutraler ist imstande gewesen,
dem ein Ende zu machen. Nicht einmal ist von einer neutralen Macht ein
Protest dagegen erhoben worden. Wir müssen also andere Wege einschlagen,
wenn wir in Zukunft den Frieden der Welt sichern wollen. Wir
haben das deutsche Angebot, in Verhandlungen einzutreten, abgelehnt, nicht
aus Eroberungslust oder weil uns nach glänzenden Siegen verlangt; wir
haben es zurückgewiesen, nicht aus haßerfülltem Geiste oder aus Rachsucht,
sondern weil ein Frieden, der jetzt geschlossen würde, ein Frieden wäre,
der auf einem deutschen Siege beruhen würde; es wäre ein Frieden, der die
militärische Maschine ungebrochen ließe, und wir würden auf dem halben
Wege zu dem Erfolge ihrer Einkreisung stehen bleiben. Der Friede würde diese
Maschine in den Händen von Menschen lassen, die sich seit Generotionen auf
den Krieg vorbereitet haben, die dieselben Vorbereitungen wieder treffen und
die ihnen passende Zeit wählen würden, um die Welt von neuem in die
Schrecken zu stürzen, die wir jetzt erleben. Unser Ziel ist dasselbe wie das.
des Präsidenten Wilson. Wonach er sich sehnt, darum kämpfen wir, dafür
setzen unsere Söhne und Brüder ihr Leben ein, und wir gedenken, die Sicherheit
dafür zu erlangen. Die Herzen des Volkes in unserem Lande sehnen sich nach
Frieden. Wir beten für einen Frieden, der uns die wohlbehalten zurückbringt,
die unsere Schlachten schlagen, und einen Frieden, der bedeutet, daß die, die
nicht zurückkehren, ihr Leben nicht umsonst dahingegeben haben.
26. Jan. Ankündigung einer verschärften Nordseesperre.
Die englische Regierung teilt den neutralen Regierungen amtlich mit,
daß die deutsche Bucht in bestimmter Ausdehnung mit dem 7. Febr.
1917 wegen der gegen den Feind zu ergreifenden Maßregeln für die Schifffahrt
gefährlich sein wird und aus diesem Grunde gemieden werden
muß. Das gesperrte Gebiet umfaßt mit Ausnahme der niederländischen
und dänischen Territorialgewässer das ganze Gebiet südwestlich und östlich
einer Linie, die vier Meilen von der jütländischen Küste entfernt in 56“
nördl. Breite und 8° östl. Länge beginnt und durch folgende Stellungen
verläuft: 56° nördl. Br. 6° östl. L., 54% nördl. Br. O° 45“ östl. L., von hier
zu dem Punkt 53° 37“ nördl. Br. 50 östl. L., der 7 Meilen von der holländischen
Küste entfernt liegt. (Nach den „Times“.)
26. Jan. Durch Kgl. Verordnung wird das Schatzamt ermächtigt,
alle ausländischen Wertpapiere zu requirieren.