Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Aummer  80

Rosenhelm̃en  Angeigen

Mittwoch,  S.  April  1916

 

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Rünchener  Renlglellen.

München.,  3.  April.  Die  Einweihung  der
neuen  prot.  St.  Johanneskirche  in  Haidhausen,
die  an  Stelle  des  alten  Kirchleins  gleichen  Namens
  auf  dem  Preylingplatze  in  kaum  zweijähriger
  Bauzeit  entstand  und  heute  ihrem  kirchlichen
  Zweck  übergeben  wurde,  gestaltete  sich
inmitten  des  Krieges  zu  einem  erhebenden  Ak#
der  Treue  und  der  Anhänglichkeit  der  proleslantischen
  Gläubigen  der  Stadtteile  rechts  der
Isar  an  die  Pfarrgemeinde.  Die  die  Kirche
umgebenden  Straßenzüge  waren  festlich  geschmückt.
  Die  Kirche  selbst,  die  im  romanischen
Slil  erbaut  ist  und  Plat  fur  etwa  1100  Personen
  bietet,  war  dicht  gefüllt.  Die  Weihehandlung
  wurde  in  Gegenwart  zahlreicher  Ehrennäste,
  Vertreter  der  Ministerien,  der  Kreisregierung,
  der  prot.  Oberlonsistoriums,  der
Stadtgemeinde  München  und  anderer  Stellen
durch  den  Kommissär  des  Oberkonsistoriumo

Oberkonsistorialrat  Veit  vorgenommen.

Boyeriiche  Nachrichten.

Freising,  2.  April.  In  salschen  Veroacht
lant  geitern  das  „Freisinger  Tagblatt“.  Am
Tag  zubor  hatte  c:z  seinen  L  esern  mitgeteilt,
dah  am  1.  April  im  Rathause  eine  größere
Menge  pen  Eiern,  12  Stuck  um  eine  Mork,
un  minderbemittelle  Familien  verlauft  werde.
Jm  Publilum,  dem  ein  so  niedriger  Eierpreis
in  jeziger  Kriegszeit  ganz  unglaublich  schien.
wurde  diese  Milleilung  vielfach  fur  einen  ubel.
ungebrachten  Aprilscherz  gehalten  und  die  Redaktion
  des  Freis.  Tagbl.“  von  einzelnen  besonders
  talfräftigen  Lesern  fur  diesen  Fall  in
liebenswüurdigster  Weise  mit  Fenstereinichlagen
bedroht.  Glücklicherwmeise  war  die  Meldung
Talsache.  Gestern  vormitlag  kamen  unter  gewaltigem
  Andrange  des  Publilums  461000  Stück
Eier  zu  dem  angegebenen  Preise  zum  Verkauf.
So  ##t  das  Publikum  zu  billigen  Eiern  gekommen
un  ie  bedrohte  Redaktion  hat  ihre  ganzen
Fenster  bebalten

Füssen,  3.  April.  Die  Gemeindeumlagen
mußten  von  164  auf  107  Prozen  erhoht  weiden.
  Die  Burgerrechtegebuhren  sind  wie  soigt
jestgesetzt  worden:  Bei  einer  Gesamtjahre
steuer  unter  25  Mk.  auf  4/  Ml.,  bei  hoherem

Steuersatz  600  Mk.,  für  Ausländer  das  Doppelte.
  Für  Reklamezwecke  wurden  12000  Mk.
ausgeworsen.

egensburg.  3.  April.  Das  Ordinariat  der
Diözese  Regensburg  hat  den  Vorständen  der
Diözesanpfarreien  im  bischöflichen  Berordnungs-Dlatl
  nahegelegt,  die  Soldatenbriefe  ihrer  Gemeinden
  nach  Tunlichkeit  zu  sammeln  und  in
don  bbarramttlichen  Registratur  aufzubewahren.
dastie  sowohl  für  die  Seelsorge  als  auch  als
lirchen-  und  profangeschichtliches  Material  sehr
gute  Dienste  zu  leisten  imstande  sind.

Fr#et-’sb

ARedenfelden,  3.  April.  Die  Zellitoff=  und
Papierfabrik  Redenfelden  zahlt  ihren  Arbeitern
seit  1.  März  eine  Kriegszulage.  Verheiratete
Männer  mit  drei  und  mehr  Kindern  bis  17
Jahren  erhalten  50  Pfg.  für  den  Arbeitstag,
verheiratete  Männer  mit  zwei  und  weniger
Kindern  unter  14  Jahren  40  Pfg.  ledige  Arbeiter
  über  18  Jahre  und  Frauen  30)  Pig.,
alle  übrigen  männlichen  und  weiblichen  Personen
  unter  18  Jahren  20  Pfg.  für  den  Arbeitslag.


Bas  Aibling,  3.  April.  Vom  Staatsomininerium
  der  Justiz  wurde  als  Verweser  det
*  erichtsvollzieherstelle  bei  dem  Amtoagerichte
Nibling  der  Gerichts-Assistent  Hanso  Schirferneber,
  zuletzt  verwendet  im  Kriegeministerium,
#bteilung  für  Machlahsacke,  mit  Wirkung  vom

1.  April  l.  J.  bestellt

Feilnbach,  3.  April.  Die  Lokalbahn  A.--G.
München  verzeichnet  einen  Verlust  von  323  073

ark.

 

 

Mari,  chen,d  3.  April.  Mit  dem  Eisernen
Kreuz  wurde  ausgezeichnet  der  Obergefreite
Mehgermeister  Franz  Hackl  von  Tiefenbach  bei
Passau.  ein  Bruder  des  Schloßoikars  Dr.  Hackl.
Fünf  Brüder  desselben  sind  zum  Schutze  des
Vaterlandes  ausgezogen,  einer  ist  bereits  gesallen,
  einer  holte  sich  eine  dwere  Kranlheit,
drei  siehen  noch  an  der  Front

Traunstein,  3.  April.  Der  Walter  Hausl“,
der  Bauerssohn  Johann  Sagmeister  von  Sa.
merberg  jagte  sowohl  auf  bayerischen  wie  auf
öslerreichischen  Gefilden.  Jetzt  darf  er  einen
Monat  Gefängnis  dafür  absitzen.  .  Der  Hilfsarbeiter
  Joh.  Kirschrubauer  von  Nosenheim
stahl  in  einer  Metzgerei  Kalbsfelle  und  ein
Fahrrad.  Der  Metzgergehilse  Jakob  Unterreitmeier,
  der  mit  Kirschenbauer  in  Laufen  saß,
na#.  Mitwisser  und  Anstifter  dieses  und  noch
anderer  Diebstähle.  Kirschenbauer  erhielt  ein
Jahr  und  4  Monate  Zuchthaus,  Unterreilmeier
6  Monate  und  1  Woche  Gesängnis.

Berchtesgaden,  3.  April.  Das  hiesige  Kinotheater,
  gen.  „Berchtesgadener  Lichtspiele“,  ist
in  den  Besitz  des  Hotelbesitzers  Joses  Ganghofer
  in  Berchtesgaden  übergegangen.  Das
Lichtspieltheater  wurde  vor  mehreren  Jahren
von  Herrn  Mar  Reheis  in  Nosenheim,  jetzt  in
Salzburg,  gegründet  und  bis  zum  jeht  erfolglen
  Bess,  bahel  selbst  geleitet.

 

Generalsberst  von  Woyrsch.
Der  Held  von  Iwangorod,  Füörer  einer
Armee  auf  dem  östlichen  Kriegsschaupl  begeht
  am  5.  April  sein  50  jähriges  Militär- 



Dienstjubiläum,  v.  Woyrich  wurde  am  4d.  Februar
  1847  zu  Pilenitz  in  Schlesien  geboren
und  lrat  am  5.  April  1866  im  1.  Garde-Regiment
  zu  Fuß  ein.  Im  Feldzuge  1870  71  wurde
er  bei  Metn  verwundct.

 

Die  Volksschulen.
München,  30.  Mäzz.

Am  Donnerstag  hat  die  Kammer  der  Abgeordneten
  die  Beratung  des  Kapitels  über
die  Vollsschulen  begonnen.  Einschlägig  sind  hier
die  Anträge  Dr.  von  Casselmann  (lib.)  beir.
Vorlage  eines  Gesetzentwurses  über  die  Neuregelung
  der  Dienst  und  Gehaltsverhälmmisse
des  Lehrpersonals;  Dr.  Wohlmuth  („Ztr.)  betr.
die  Trennung  des  Mesnerdienstes  vom  Schuldienst,
  und  Bauer  und  Gen.  (Ztr.)  betr.  die
Erhaltung  der  Halbtagoschulen  und  Abteilungsschulen,
  souie  ein  neu  eingegangener  Antrag
Dr.  von  Casselmann  betr.  Gewährung  von
Teuerungozulagen  an  das  Volksschullehrpersonal.


Albg.  Dr.  Wohlmuth  (.3tr.)  wandte  sich  gegen
den  Gedanken  der  Errichtung  einer  Einheitsschule,
  durch  die  dem  bayerischen  Schulwesen  eine
Gefahr  drohe.  Deren  Einrichtung  würde  eine
Erschütterung  unseres  Schulmesens  bedeuten.
Wir  sind  Gegner  eines  Reichsschulamtes  und
werden  bis  zum  letzten  Atemzug  für  unser  baye-=risches
  Schulreserwat  kämpfen.  Wir  können  in
jeder  Hinsicht  mit  unserer  Schule  zufrieden  sein.

ie  Berufsfortbildungeschule  sollte  nur  da  eingerichtet
  werden,  wo  es  nach  den  örtlichen  Verhältnissen
  zweckmaßig  ist  und  tüchtige  Fachlehrer
vorhanden  sind.  Viel  wichliger  ist  für  die  Allgemeinheit
  die  Voltsfortbildungeschule,  deren
gänzliche  Verlegung  auf  den  Werktag  unmöglich
erscheint.  Auf  dem  Gebiele  der  staalsbürgerlichen
  Erziehung  hat  die  Kirche,  die  Religion
das  beste  geleistct.  Redner  verlangte  dann  mehr
Einheitlichleit  in  den  Schulbüchern  und  die  Festsetzung
  eines  gleichmäßigen  Alters  fur  die  Aufnahme
  in  die  Vollsschule  und  erklärte,  daß
seine  Partei  die  Antrage  Dr.  von  Casselmann
betr.  Teuerungsobeihilfen  an  die  Lehrer  ablehnen
  müsse  und  an  der  Regierungsvorlage
festhalte,  schon  im  Hinblick  auf  die  finanzielle
Lage  Bauerns,  die  einen  53%0  igen  Steuerzuschlag
  notwendig  mache.

Abg.  Schubert  (lib.):  Ein  Drittel  der  bayerischen
  Lehrerschaft  steht  im  Felde  für  die  Verteidigung
  des  Vaterlandes  und  das  in  der
Heimat  gelliebene  Lehrpersonal  hält  dort  den
Unterrichtsbetrieb  aufrecht.  Auch  die  Volksschule
  hat  ihren  Anleil  an  den  Ersolgen  der
Gegenrart.  Nedner  verbreilet  sich  dann  über
die  Frage  der  Lehrerlildung,  der  Fortbildungsschule,
  der  Vollsschule  und  der  Gewährung
außerordentlicher  Zulagen  an  die  Lehrer.  Er
betont  dabei,  daß  nach  dem  Krieg  für  die  männliche
  Jugend  der  siaatsburgerliche  Unterricht
von  auHerordentlicher  Wichtigleit  sein  wird.  Notwendig
  erscheint  die  Ausfhebung  der  Präparandenschulen
  und  die  Ausbildung  der  Lehrer  an
höheren  Lehranftalten.  Die  Erteilung  des  Fortbildungsschulunterrichtes
  an  den  Sonntagen  kann
nicht  befürwortet  werden.  Für  die  Volksfortbildungsschule
  sollten  im  nachsten  Etat  entsprechende
  Mittel  eingesetzt  uerden.  Weilere  Forderungen
  des  Redners  gipfeln  in  der  Einführung
der  Fachaufsicht  und  der  Trennung  des  Organisten=
  vom  Kirchendienit  sowie  in  der  Forderung
der  Beseitigung  der  konfessionellen  Lesebücher.
Simullanschulen  sollten  überall  oa  errichtet  werden,
  wo  es  nolig  erscheint;  die  Errichtung  bezo.
Erhaltung  der  sog.  Halbtlags=  und  Abteilungsschulen
  kehnen  wir  ab.  Mitwirken  wird  die
Lehrerschaft  überall,  wo  es  gilt,  gegen  die

 

sittliche  Verwahrlosung  der  Jugend  die  Hand
anzulegen.  Bestimmt  hoffen  wir  sorui  daß
die  Staatsregierung  den  Entwurf  eines  Lehrergesetzes
  in  der  nächsten  Session  vorlegen  wird,
denn  die  Lehrerschaft  hat  ein  Recht  Gewißheit
zu  erlangen,  wie  ihre  Dienst=  und  Gehaltsverhältnisse
  geregelt  werden  sollen.  Dringend  bat
der  Redner  schließlich  um  Annahme  des  Antrages
  Dr.  von  Casselmann  betr.  Gewährung
von  Teuerungszulagen  an  das  Lehrpersonal.
Was  für  die  Schule  aufgemendet  wird,  kommt
dem  ganzen  deutschen  Vaterlande  zugute.

Abg.  Profit  (Soz.):  Es  ist  Tatfache,  daß  die
chus  in  Bayern  nicht  gleichen  Schritt  gehallen
  hal  mit  der  wirtschaftlichen  Entwicklung  des
kandes.  Die  jetzige  Reform  des  Fortbildungsschulu
  esens  i#t  nur  eine  Scheinreform.  Nach  dem
Kriege  wird  die  Konturrenz  unter  den  Volkern
größer  und  schärfer  und  es  ist  eine  Notwendig.
leit  zur  Erhaltung  unserer  Existenz,  in  diesem
inlernationalen  Wirtschoftekampf  alles  aufzubieshn.
  um  das  Volk  ru  rüften,  Industrie,  Handel,
  Gewerle  und  Landwirischaft  müssen  in
diesen  Wettlanipf  das  noötige  Rüstzeug  mit—
bringen  und  deshalb  muß  diese  Friedensarbeit
schon  im  Kriege  begonnen  werden.  Notwendig  ist
dann  auch.  daß  die  Schule  des  Volkes  nicht  länger
  das  Stieflind  unserer  Gesezgebung  i#sl.  Die
Fortkildungsschule  sollte  tein  Anhängsel  der
Volksschule  sein:;  sie  sollte  eine  besondere  ilaatliche
  Einrichtung  werden  mit  Ausschaltung  des
Sonntags  als  Unterrichtstag.  Leider  sind  Kräfte
  an  der  Arbeit,  die  das  wenige,  was  die  Fortbildungsschule
  gebracht  hat,  wieder  ausmerzen
#wollen.  Wir  sehen  nicht  ein,  was  die  Kirche  mil
der  Fortbildungsschule  zu  tun  haben  soll.  Wenn
mancher  Erlaß  der  Militärverwaltung  zu  legrüßen
  ist,  so  muf.  man  bei  den  füngsten  Erlassen
der  siello.  Generallommandos  betr.  Jugendschutz
sagen,  daß  das  Kind  mit  dem  Bade  ausgeschüttet
  murde.  Die  Militärverwaltung  hat  hier  ein
zu  großes  Visier  gewählt  und  zu  weit  über
das  Ziel  hinausgeschossen.  Die  Unterrichtsverwallung
  hat  damit  ihr  Disziplinar=  und  Aussichtorecht
  abgegeben  an  die  Militärverwaltung.

Dann  griff  Kuliusminister  von  Knilling  noch
einmal  in  die  Debatte  ein.  Er  erkannte  eine
durchgreisende  Regelung  der  Lehrerverh  ällnisse
als  nolwendig  an,  bei  der  Stütwerk  wenig  zweckdienlich
  sei.  Bezüglich  der  Frage  der  Trennung
des  Kirchendienstes  vom  Schuldienst  hat  die
Unterrichtsverwaltung  die  Auffassung,  daß  diese
Verbindung  gelöst  werden  soll,  sobald  dies  irgendrie
  angängig  ist;  fur  sich  allein  kann  das
aber  nicht  gemacht  werden.  Daß  eine  durchgreifende
  Regelung  der  Lehrerbesoldung  kommen
muß,  wenn  die  Verhältnisse  es  gestatten,  darüber
hesleht  wohl  Einigteit.  Es  ist  aber  ausgeschlossen,
aus  dem  Gesamtbereich  der  einschlägigen  Fragen
ein  Stück  herauszugreifen  und  mit  der  Abtrennung
  des  Kirchendienstes  für  sich  allein  zu
beginnen,  also  den  Lehrern  etwas  zu  nehmen,
ohne  ihnen  etwas  zu  geben.  Eine  einheitliche  Regelung
  des  Schulbeginnes  und  Feltseyung  des
schulpflichtigen  Alters  hält  auch  die  Regierung
fur  angezeigt.  Der  Aufnahmetermin  für  das
ganze  Land  soll  der  1.  Seplember  sein;  die
Ausfnahmepflicht  besteht,  wenn  das  Kind  zu
dieser  Zeit  das  6.  Letensjahr  vollendel  har.
Die  sogen.  narionale  Einheitsschule  kann  zurzeit
mohl  als  ein  verschwommenes  Phantom  bezeichnet
  nerden.  Wir  haben  allen  Grund,  an
den  erprobten  Grundlagen  unseres  Schulwesens
jestzuhalten  und  sie  nicht  preiszugeben  zugunsten
so  unklarer  Zukunftspläne,  wie  sie  das  Schlagwort
  „Einheitsschule“  verlörpert.  Bei  Nichtgenehmigung
  des  freireligiösen  Unterrichts  ist
der  Kernpunkt  der,  daß  weder  die  Verfassungsurkunde
  noch  ein  sonstiges  Gesetz  den  freireligiosen
  Eltern  das  Recht  einraumt,  daß  ihre  Kinder
an  Unterrichts=  oder  Erziebungsanstalten  freireligiösen
  Unterricht  erhalten  lönnen.

Der  Etat  für  Schulzwecke  wird  dann  nach  den
Beschlüssen  des  Ausschusses  genehmigt,  die  Anträge
  und  Petitionen  werden  nach  Ausschußantrag
  verbeschieden.  Der  Antrag  Dr.  v.  Casselmann
  (lib.)  auf  Vorlage  eines  Lehrergesetzes
wird  abgelehnt:  angenommen  werden  die  Anträge
  Dr.  Wohlmuth  (Zemr.)  auf  Trennung
des  Mesnerdienstes  vom  Schuldienst  und  Bauer
(Jentr.)  betr.  (Erhaltung  der  Halbtags-  und
Allteilungeschulen,  ebenso  die  Anträge  Winsauer
(lib.)  und  Dr.  v.  Casselmann  (liv.)  zu  Gunslen
ron  Kriegsteilnehmern  der  Lehranstalten.  Der
zu  der  Lehrernotstandsvorlage  gestellte  Antrag
Tr.  v.  Casselmann  (lib.)  5%  Wederherstells
der  ursprünglichen  Regierungsvorschläge  wird
algelehnt.

Angenommen  wird  die  vom  Finanzausschuß
beschlossene  Fassung  der  Regierungsvorlage;  der
Finanzausschuß  hatte  beantragt:  es  sei
dem  Antrag  des  Alg.  Held  isprehen  der
angesorderte  Betrag  von  1,620,000  Mk.  zur
Geuährung  außerordentlicher  Zulagen  an  das
Lehrpersonal  der  Volksschulen  in  Gemeinden
lie  zu  10000  Einwohnern  nach  den  in  der
Begründung  zur  Nachtragsforderung  vom  28.
Dezember  1915  angegebenen  Grundsätzen  zu
bewilligen,  jedoch  mit  der  Maßgabe,  daß  1.  die
besonderen  Kriegsteuerungsbeihilsen  fur  die
Lehrer  wegsallen  sollen,  2  k.  Volkeschulednern  ge
gegebenenfalls  Schulverwesern,  die  noch  im  Bezuge
  der  1.  oder  2.  Dienstalterszulage  stehen,
schon  beim  Vorhandensein  eines  Kindes  eine
um  30  Mk.  erhöhte  Notstandszulage  gewährt

 

werden  kann,  die  sich  für  jedes  weilere  Kind
um  30  Mk.  erhoht.  Vom  Eintritt  in  oie  3.
Tienstalterszulage  an  berechnet  sich  die  No
siandszulage  nach  den  in  der  Begründung  zur
Nachtragsforderung  angegebenen  Grundsätzen.
Außerdem  hatte  der  Ausschuß  beantragt:  „Die
Kammer  wolle  ihr  Einverständnis  damit  erkla
ren,  daß  die  außerordentlichen  Zulagen  alsbalt
nach  Bewilligung  der  Nachtragsforderung  in
beiden  Kammern  mit  Ruckwirkung  vom  1.  Ja

nuar  1916  an  nach  den  neuen  Grundsätzen  sei

gesetzt  und  eingewiesen  werden“.

—
Rosenheim,  4.  April.

Auf  dem  Felde  der  Ehre  gesallen
Peter  Pichler.  Ablöswärter  in  Inzenham.  P-Prutting,
  Res.  im  24.  Inf.-Rgt.:  Ludwig  Aic,
hammer,  gepr.  Husschmied  aus  Waging,  Sol:
des  Goötzichmiedmeiiters  Aichhammet,  Gefr.  in:
3.  Inf.  Rgt.

Ordensverleihunge  n.  Der  S
Militärverdienstorden  2.  Klasse  mit  Schwerier
wurre  dem  Generalmajor  Morit  Frhr.  vor
und  zu  Egloffstein,  Komanndeur  der  3.  Ka
vallerie-Brigade,  der  Militärverdiennorden  4
Klasse  mit  Schumertern  dem  Oberleutnant  Lur
wig  Wieninger  des  Landwehr-Trains  2.  Au:-gebots
  (Rosenheim)  verliehen.

Gendarmeriediennt.  Versegzt  wurder.
Gend.-  Serg.  Joseph  Bablick  von  Pornbach  na
Berchtesgaden,  Gendarm  Joseph  Winzlmert
von  Berchtesgaden  nach  Pörnbach,  Gend.-Sein
Joseph  Rayinger  von  Osflermünchen  nach  Kori
bermoor.

Liberaler  Berein  Rosenheim.  B9
einer  geschlossenen  Milgliederversammlung  de
liberalen  Bereins  Rosenheim  wurde  auf  Atrag
  des  stellv.  Vorsigenden,  Herrn  Dr.  Sten
beis,  der  Beitritt  des  lib.  Vereins  zum  ober
bayerischen  Kreisverband  beschlossen.  Der  u
zueiten  Teile  des  Abends  folgende  umsan-.
reiche  Bericht  über  Kriegs-  und  Friedenaneed.
erstattet  von  Herrn  Landlagsabgeordneten  Povermalter
  Löweneck,  welcher  ausführlich  diesevon
  einer  freien  Vereintgung  angesehener  Mä.
ner  und  Fuhrer  verschiedener  politucher  Par
teien  gestellte  Programm  behandelle,  fand  lelhaften
  Beisall.  Dem  Berichte  folgte  eine  an
regende,  verschiedene  interessante  Erörterungen
mit  sich  bringende  Aussprache,  worauf  der  Vor
sitzende  dem  Reserenten  den  herzlichen  Dan!
der  Versammlung  zum  Ausdruck  brachte.

Kath.  Frauenbun  d.  Die  Versammlung
der  Hausf  rauenabteilung  war  trot  des  schönen:
Wetters  om  Sonniag  nider  Erwamen  gut  be
sucht.  Vor  Beginn  des  Vortrags  wurde  nock
eine  Zuschrift  vom  Landesverband  in  Müncher.
verlesen,  melche  die  Stellungnahme  gegen  die
ausschreitende  Fruhjahromode  behandelte.  Daß
TBaterlandslicbende  Frauen  diese  Mode:  „Die
übermäßig  weilen  und  noch  dazu  kurzen  Rode
nicht  mitmacken,  veriteht  sich  von  selbst.  E
wurde  aber  trohdem  von  zuständiger  Stelle  die
Anregung  gegeben.  in  der  Kriegsfursorge  (Se
dankr.  9  1I)  Unterschriften  zu  sammeln,  welche“
sich  die  Mitglieder  des  lath.  Frauenbundes  a#n
schließen  werden.  Die  am  Sonniag  Anwesen
den  haben  sich  bereils  eingezeichnet;  die  Nichtarwesenden
  wollen  dies  nachbolen  und  zwar  i#
der  Hausfrauenberatungsitunde  Donnerstas
von  2  3  Uhr.  Junstr.  46.  Eine  gule  deutsche
Frau  läßt  sich  nicht  nachsager,  in  hbarter  Kriege
zeit  das  Geld  verschmendet  zu  haben,  wo  ecs  ĩo
viel  No:  und  Elend  zu  lindern  giblt.  Eine  echte
deutsche  Mutter  dulde:  auch  an  ihren  Tochterleinen
  übertriebe#ne  Lazus  in  Rleidern!  D#1
Stolz  der  deutschen  Frau  soll  sein:  Einfachheit.
Fleiß  und  Srarsar  Tn.  Um  auf  den  Vortra
v.  Fr.  Professor  iner  kurückzukommen  „Un
sere  Fleischlücke  RKricgsz28i#“  so  wurde  cr
mit  großen  Be  ausgenommen,  denn  die
Reserentin  bat  s  verinden.  das  für  sich  pr.
saische  Theine  in  feine  Form  zu  kleiden  und  den
noch  viel  Vrannsos  und  Neues  zu  bieien.  Die
reichhaltigen  Resepte  fur  Fischspeisen  zeigten.
daß  auch  hiemit  das  teure  Fleisch  noch  ersent
werden  lanz.  Wir  Sausfrauen  finden  immer:
noch  Mit:el  und  Wege  bei  noch  längerer  Dar  *
des  Krieges  durchzuhalten,  wir  lassen  un
wenig  deliegen,  wic  unsere  Krieger  im  Felde:

Der  Orisl.  Mautterverein  bielt  in  deleklen
  Tagen  die  Jabresversammlung  im
Kioringerbräu  ab.  95.  Geistl.  Rat  Geßle
difnete  die  gutbesuchte  Veriammlung  und  ipra
in  lehrreichen  Womnen  über  die  Pflichten  der

christlichen  Mutter,  besonders  über  chriftliche  Kin
rererziehung.  Wie  der  Jahresbericht  ausweiit.
mwurden  im  Jahre  1915  insgesamt  91  Mit
glieder  ausgenommen,  während  29  fortgezogen
und  32  gestorden  sind.  sodaß  sich  am  Jahres
schluß  ein  Mitgliederstand  von  1357  ergibk.
3“/)  mehr  wmie  im  Vorjahr.  Der  Verein  enlfaltete
  namentlich  zu  Weihnachten  wohltätige  Arbeit.
  An  35  arme  Schulmadchen  murden  28
Paar  Filzschube  und  7  Paar  Ledermiefel  ver
leilt,  arme  Witmen  und  Waisen  gesallener
Krieger  erhielten  35  Paar  Filzstiesel  und
Schuhe,  2  Paar  Lederstiefel,  21  Paar  Handschuhe
  u#s.  Die  Hälfte  der  Kosten  wurde  durch,
Sammlung  aufgebracht,  die  andere  Hälfte  vom
Verein  gedeckt.  Ferner  wurden  an  viele  arme
Krieger  Liebesgaben  versandt  und  rerteilt.  Zur

 

     
  
 

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