472 frankreich. (November 19. 20.)
Ein Versuch der Soz., einen Block der Linksparteien gegen Clemencean
zusammenzustellen, scheitert an der Haltung der Rad. Die konf. und du
gemäßigten linken Blätter zeigen sich Clemenceau günstig gesinnt. Die radikale,
fortschrittliche und Caillaux freundliche Presse behält sich ihr Umen
vor. Nur die Soz. bekunden Widerstand. Sembat schreibt: Clemenceau besitzt
verhängnisvolle Eigenschaften. Bei der ersten Gelegenheit werden dieie
in das hellste Licht treten. Man wird aber nur kurze Bekanntschaft doms
machen. Wir werden unser Bestes tun, daß es damit bald vorüber ist.
19. Nov. Die kons. Abg. der Kammer bilden unter dem Namen
„Unabhängige Gruppe“ eine neue Fraktion.
Sie zählt bisher 23 Mitglieder. Den Vorsitz führen Maurice Barre
und Admiral Bienaimé.
20. Nov. (Kammer.) Jahresbudget. Kriegskredite.
Finanzminister Klotz reicht im Büro der Kammer den Entwurf für
das Budget der Zivilverwaltung für 1918 ein. Damit wird der
Kammer zum ersten Male seit Kriegsbeginn wieder ein Jahresbudget urter
breitet, während bisher nur vierteljährlich prov. Kredite bewilligt wurder.
Allerdings beschränkt sich der Entwurf auf die Zivilverwaltung. während
die Kosten der Landesverteidigung usw. weiterhin in vierteljährlichen Krediten
bewilligt werden sollen. Nach dem Voranschlag werden sich die Ausgaben
aus 7808 Mill. (davon 4899 Mill. für den Zinsendienst der öffent.
Schuld), die Einnahmen auf 6512 Mill. Fr. belaufen. (Das letzte Budgen
vor Kriegsausbruch sah 5191 Mill. Ausgaben und 4781 Mill. Fr. Einnadmer
vor.) Es bleibt somit ein Defizit von 1266 Mill. zu decken, das durch ners
Steuern aufgebracht werden soll. Der Finanzminister schlägt zu diesen
Zweck zunächst eine Erhöhung der Kriegsgewinnsteuer vor, die etwa 50 Mil.
einbringen wird, ferner eine Erhöhung der Erbschaftssteuer sowie eine Erhöhung
der Steuer auf Schenkungen bei Lebzeiten, die zusammen im Jahr
1918 1266 Mill., in den darauffolgenden Jahren 1771 Mill. ergeben sollen.
Eine neue Steuer auf Abänderung von Geschäftsverträgen soll 13 Mill.
erbringen. Weiter sind scharfe Maßnahmen gegen fiskalische Veruntreuungen.
besonders in Erbschaftsangelegenheiten vorgesehen, die 40 Mill. ergeder
sollen. Einen Mehrertrag von nicht weniger als 1 Milliarde im ersten
Jahre und 1300 Mill. in den kommenden Jahren erwartet der Ministei
von der Erhöhung des Quittungsstempels auf 0,2 Proz. Befreit sind Zcklungen
unter 10 Fr., ferner Ein= und Auszahlungen bei den Banken urnd
öffentlichen Anstalten, ferner Zahlungen aus Umsätzen in Rohstossen und
Halbfabrikaten. Dagegen wird der Erwerb von Luxusgegenständen mu
einer höheren Quittungssteuer belastet.
Ferner legt der Finanzminister der Kammer mit Genehmigung de-s
Ministerrates eine Vorlage über die Eröffnung von Kriegskrediten
für das erste Vierteljahr 1918 in einer Höhe von 9263 Mill. Fr
vor. Davon sollen 8639 Mill. Fr. ausschließlich für militärische Zweck:
verwendet werden.
20. Nov. (Kammer.) Clemenceaus Programm.
Ministerpräsident Clemenceau gibt in der Kammer (und im Senot
eine Erklärung ab, worin es heißt: Wir haben eingewilligt, die Regierun
zu übernehmen, um den Krieg mit verdoppelten Anstrengungen zu führen.
damit alle Kräfte besser ausgenutzt werden. Wir treten vor Sie in dem
alleinigen Gedanken an einen uneingeschränkten Krieg. Wir möchten, das
das Vertrauen, um das wir Sie bitten, ein Akt des Vertrauens zu Ihnen
selbst sei und ein Aufruf an die geschichtlichen Tugenden, die uns zu Fran-