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häiten Unzulänglichkeit, Schwäche und Fehler sowie die Temperamer:=unterschiede
einiger Minister zum Sturz beigetragen. Der Sturz wäre vielleicht
schon früher erfolgt, wenn nicht die Schwierigkeit der Neubütdurg
eines andern Kabinetts viel Bedenken gemacht hätte.
27. Okt. Der italienische Botschafter in Paris, Marcheie
Salvago-Raggi, tritt aus Gesundheitsrücksichten zurück.
Der italienische Botschafter in Madrid, Graf Bonin-Longare, wird zum
Botschafter in Paris ernannt.
30. Okt. Bildung des Kabinetts Orlando.
Der König beauftragt den bisherigen Minister des Innern Orlaondo
mit der Neubildung des Kabinetts, das noch am gleichen Tage in folgender
Zusammensetzung zustande kommt: Vorsitz und Inneres: Orlando, Auswärtiges:
Sonnino, Kolonien: Colosimo, Justiz: Sacchi, Finanzen:
Meda, Schatz: Nitti, Krieg: Generallt. Alfieri, Marine: Admiral del
Buono, Waffen und Munition: General Dallolio, Kriegspensienswesen
und Rriegsbeihilfe: Bissolati, Unterricht: Berenini, öffemtleche
Arbeiten: Dari, Landwirtschaft: Miliani, Industrie und Handel:
Ciuffelli, Post und Telegraphen: Fera, Verkehrswesen: Bianchi.
Der neue Ministerpräsident Vittorio Emanuele Orlando ist 1860 iu
Palermo geb., Prof. der Rechtswissenschaften an der dortigen Universitat,
seit 1898 Abg. Er gehört der Linken an, war 1903—1905 Unterrichts.
minister im Kabinett Giolitti, 1907—1909 Justizminister, seit Juni 1916
Minister des Innern. Die bedeutendste Persönlichkeit unter den neuen
Männern ist Francesco Saverio Nitti, geb. 1868 in Melfi (Prov. Potenza,
Prof. der Finanzwissenschaft an der Univ. Neapel, seit 1904 Abg., 1911—11
Handels- und Landwirtschaftsminister im Kabinett Giolitti, dessen politischer
Richtung er nahesteht. Im Frühjahr 1917 gehörte er mit Ciuffelli der
ersten ital. Mission nach den Ver. Staaten an. Aussehen erregte seine
Kammerrede vom 22. Okt. (s. S. 519 f.), im übrigen ist er politisch während
des Krieges nicht hervorgetreten, er gilt deshalb als Kriegsgegner. Da-Kabinett
Orlando unterscheidet soaD h von seinem Vorgänger außer durch das
Ausscheiden Bosellis wesentlich dadurch, daß die Ministerposten ohne Poreefeuille
abgeschafft sind. Von den Ministern, welche solche Posten innehatten.
ist nur Bissolati beibehalten, dessen Ressort bisher nicht bestanden hat.
Neben Bissolati vertritt die reformistische Kammerfraktion Berenini,
welcher als Unterrichtsminister Ruffini ersetzt. Generalleutnant Alfsiert
war bisher Generalkommissär des Ernährungswesens. Landwirtschaftsminister
Raineri erhielt als Nachfolger den Abg. Miliani, der (wenigstens früber
zur Partei Giolitti gehörte. Dari, der den Reformisten Bonomi ablost.
gehört der Rechten an und war gleich Orlando Interventionist. Sozialißten
sind nicht in das Kabinett eingetreten. Das neue Kabinett gleicht bis auf
wenige Schattierungen dem gestürzten Kabinett Boselli. Die Krise, die in
der letzten Abstimmung der Kammer einen so deutlichen Ausdruck fand.
ist daher nicht eigentlich gelöst, sondern angesichts der gefährdeten milttärischen
Lage des Landes nur vertagt worden.
Außerdem werden 18 Unterstaatssekretäre ernannt. Cermenati
wird Unterstaatssekretär in dem neugeschaffenen Ministerium für Kriegspensionswesen.
An die Spitze des neugeschaffenen Unterstaatssekretariats für
das Propagandawesen, das dem Ministerium des Aeußern angegliedert wird,
wird Gallenga berufen. Ferner wird die Schaffung einer Kommission für
den Flugdienst im Ministerium für Waffen und Munition mit Eugenio
Chiesa als Leiter beschlossen. Als Nachfolger des Generals Alfieri wird