696 Rutland. (Mai 31.—Juni 2.)
indem er erklärte, daß die Frage der Versorgung die Alliierten nicht. beunruhigen
solle. S. hat weiter dem ihm als deutscher Spion bekannten
Miassojedow Nachrichten aus der Gegenspionagestelle des Generalstabes
übergeben und dem österr.-ung. Untertanen Altschiller, den er als Agenten
der Wiener Regierung kannte, den Wortlaut seiner Berichte an den damaligen
Zaren über den Verteidigungszustand Rußlands mitgeteilt. Den
Zivilisten Goschkewitsch und Jumbadze hat er verschiedene Mitteilungen
über militärische Formationen und Mobilmachung von Kriegstransportmitteln
gegeben. Vor dem Untersuchungsausschuß wies S. alle Anklagen
zurück und erklärte, daß er getreulich das Rüstungsprogramm des Heeres
ausgeführt habe, das der höchste Verteidigungsausschuß 1904 nach dem
jap. Kriege ausgearbeitet habe. Er sügte hinzu, daß die Ausführung dieses
Programms und seine Leitung der allgemeinen Artillerieverwaltung unterstanden
hätten, die auch die Geschoßerzeugung hätte beschleunigen sollen.
S. erklärte weiter, daß man ihm planmäßig die nötigen Mittel verweigert
hätte. Diese Behauptung S.s wurde im übrigen nicht bestätigt.
31. Mai. (Finnland.) Beschlüsse des Landtags. Begnadigung.
Die russ. Prov. Regierung nimmt grundsätzlich folgende Beschlüsse
des finn. Landtages an: 1. Das Recht des Landtages, sich über die
Gesetzmäßigkeit der von den Mitgliedern der Regierung getroffenen Verfügungen
auszusprechen und betr. das Verfahren bei der Prüfung der
betr. Fragen. 2. Aenderung des Wortlauts gewisser Artikel der Landtagsordnung
vom 20. Juli 1916 über das Recht des Landtages, an die Mitlieder
der Regierung Fragen zu richten und von ihnen Erklärungen zu
pordemm, wie auch über das Recht der Teilnahme der Mitglieder der Kegierung
an den Sitzungen und Erörterungen des Landtages. 3. Das Ges.
über die Israeliten in Finnland. 4. Das Ges. über den Obersten Gerichtshof
und 5. den Obersten Verwaltungsgerichtshof. 6. Das Ges. betr. Einschränkung
des Alkoholverbrauchs. 7. Das Ges. über die Alkoholerzeugung.
8. Das Ges. über Getränke aus Malz. 9. Das Ges. über den Verkauf von
Naturwein. 10. Die Erlaubnis zur Stintfischerei während der Schonzeit.
Ferner veröffentlicht die Prov. Regierung eine Bekanntmachung, wonach
auf Vorschlag des finnischen Senats alle finnischen Staatsbürger,
die wegen Vergehen oder Verbrechen, die vor dem 20. März 1915 begangen
worden sind, verurteilt wurden, ganz oder teilweise begnadigt werden.
1. Juni. (Kronstadt.) Abfall von der Prov. Regierung.
Der Kronstädter A.= u. S.-Rat, in dem die Maxim. die Oberhand
haben, beschließt mit 210 gegen 40 Stimmen, sich von der Prov. Regierung
loszusagen und die Beziehungen zwischen Kr. und Petersburg sowie zum
übrigen Rußland nur durch den Petersb. A.= u. S.-Rat vermitteln zu lassen.
(Näheres über die Vorgänge in Kronstadt s. bei v. Freytagh-Loringhoven
a. a. O. S. 32 ff.)
2. Juni. Botschaft Wilsons an Rußland. (S. Ver. St.)
2. Juni. Handelsminister Konowalow tritt zurück.
Er begründet seinen Rücktritt mit der bestehenden industriellen Krifis.
mit dem Mangel an Disziplin im Lande, mit den vom Arbeitsminister
beabsichtigten Maßregeln zur Kontrolle industrieller Unternehmungen und
mit seiner Ueberzeugung, daß die jetzige Regierung ihren Platz einem rein
sozialistischen Ministerium räumen müsse. Das Verhalten des Ministers
erregt großes Aufsehen. Sein Nachfolger wird Abg. Bublikow.
Juni. Wechsel des Pariser Botschafters.