Metadata : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

173

druckpapier  (s.  d.).  —  Schreibpult,  m.  u.  Pult  zum
Schreiben.  —  Schreibschrift,  f.  Schrift  die  geschrieben
wird,  Gegensatz  drucksehrift.  —  Schreibschulc,  k.  Schule
in  der  Schreiben  gelehrt  wird;  auch  Titel  eines  Buches,
das  Vorlagen  für  Schönschreiben  enthält.  —  Schreibstube,
  k.  Stube  in  der  Schreiber  thätig  sind.  —  Schreibsucht,
  k.  Sucht  zu  schreiben,  zu  schriftstellern:  Aelander,
den  die  schreibsucht  qonult  Hagedorn  Od.  5,7.  —
Schreibkafel,  k.,  -tisch,  m.  Tasel,  Tisch  zum  Schreiben.
—  Schreibzeng,  n.  Gerät  zum  Schreiben,  Tinten=  und
Sandfaß  nebst  Feder.

Schreiber,  m.  der  da  schreibt;  ahd.  seribäri,  mhd.
schribrere,  schriber;  in  älterer  Spr.  vielfach  Bezeichnung
für  den  Schriftgelehrten  und  den  schreibenden,  auch
höheren  Beamten:  cancellarius  eins  grosen  hern  scriber
Dief.;  da  wurden  gerufen  des  königs  schreiber  Esth.
d,  9;  auch  notarius,  tabellarius  schriber,  schreiber,
otlner  schreiber  Dief.;  meist  in  Zusammensetzungen

eblieben,  amts-,  gerichts-,  staats-.  stadtschreiber  u.  a.;
Bezeichnung  eines  niederen,  bloß  abschreibenden  Beamten
oder  Bediensteten:  rejicirte  magister  und  schreiber  aus
den  schwäbischen  provinzen  Schiller  Nänb.  2,  3;  alle
behörden  sind  heut  in  groszer  thätigkeit,  alle  schreiber
dehnen  beut  ihre  finger  Freytag  Soll  2,  115;  akten-,
begen-,  notensebreiber,  u.  a.;  in  freierem  Sinne,  mhd.
schrib#ere  Schreiblehrer,  auch  Verfasser,  Dichter,  wie
noch  jetzt  schreiber  eines  buches,  einer  abhandlung,  der
schreiber  dieser  vovelle;  besonders  —  Briesschreiber;
dazu:  dasz  von  einer  se  fleiszigen  schreiberin  wic  du
gar  keine  nachricht  hier  ist  Moltke  6,  32;  —  schreiber,
Name  des  Fisches  cyprirus  nosus.  —  Schreiberei,  (.
Thätigkeit  des  Schreibens,  besonders  amtliche:  seribatus,
schriberie,  schribeampt  Dief.;  die  herren  von  der
sehreiderei  Immermann  Münchh.  1,  117;  in  freierem
Sinne,  Beschäftigung  mit  Schreiben:  ich  bin  der  ganzen
schreiherei  satt;  ich  dächte,  Sie  lieszen  die  ganze
schreiberei  bis  auf  die  ankunft  meines  cheims  Lessing
Minna  2,2;  Handschrift:  ubersehen  Sie  die  schlechto
schreiberei  Wieland  Klel.  1,  341.  —  Schreibung,  k.
Handlung  und  Art  des  Schreibens.

Schreien,  die  Stimme  überlaut  ertönen  lassen;  nur
boch=  und  niederdeutsches  Wort  ohne  weitere  Entsprechung,
ahd.  scrion,  mhd.  schrien,  mud.  schrien,  schrigen:
Nebenform  in  mhd.  alemannischen  Quellen  schriuwcn,
mit  Übertritt  in  eine  andere  Ablautklasse,  wovon  sich
auch  im  älteren  südlichen  Nhd.  noch  manches  ehält:
Prät.  das  volk  schro  D.  Städtechr.  5,  223:  der  baur
schruh  mit  heller  stimm  Wickram  Rollw.  23,  3;  Plur.
schrawen  die  zwen  blinden  Pauli  Schimpf  610b;  Part.:
der  ander  blind  hat  noch  recht  geschrsuwen  ebd.;  hat
überleut  geschrowen  Herold  Ee  185/;  sonst  in  der
alten  Spr.  mit  Eintritt  eines  hiatfüllenden  r  in  den
Pluralformen  des  Prät.,  abd.  scrirun,  mhd.  schrirn
(schriren  sie  mit  dusmer  stimme  Lamprecht  Franzisk.
4347),  Part.  geschrirn,  wovon  sich  auch  ein  Sing.
schrir  bildet:  als  ein  kindelin  da  schrir  (  mir)  Servat.
1959;  mit  Nachklängen  in  der  Schriftspr.  d.  16.  Ih.:
schrir  das  weib  H  Sachs  4,3,  70;  sobald  sie  den  ewigen
mitler  anschrieren  Mathesius  Luth.  525;  mundartlich
  bairisch  noch  länger  Schmeller;  schwache  Nebenform
  Prät.  mhd.  schrite,  Part.  geschriet,  geschrit,  uhd.
schreite:  da.  reyeten,  schreielen  (sie)  Garg.  151;  in
fräterer  Spr.  nicht  mehr.  Bed.  von  dem  Erschallen  der
menschlichen  Stimme,  mit  Verben  ähnlichen  Sinnes  zusammengestellt:
  rofen  und  schreien;  heulet  und  schreict

Schreibpult  —  schreien.

Schreihals  —  Schrein.  474

neucrer  kräftiger  Rede:  es  ist  zum  losschrcien  schön
Heyse  Par.  1,  207;  um,  nach  etwas  schroien:  schrei
das  volk  zu  Pharao  umb  brot  1.  Mos.  41,  55;  um  hilte,
nach  genugthuung  schreicn;  (sie)  sehrien  gen  himel
2.  Chron.  32,  20;  in  lebhafter  Unzusriedenheit:  wer  am
meisten  uber  die  wolfeile  zeit  ..  schreit  Schiller
Räub.  2,  3;  ach  und  weh,  hilfe  schreien;  (sie)  schreien
mordjo  Ränb.  5,1;  vivat,  hoeh  schreicn;  mit  Angabe
der  Worte:  (er)  schrei  und  sprach,  herr,  hilf  mir
Matth.  14,  30;  die  todten,  schreien  sic.  scien  erstanden
Schiller  Näub.  5,2;  in  erweiterter  Fügung:  einem
dio  ohren  voll  (Möser  Phant.  3,  176),  die  wüchter
aus  dem  schlofo  (Goethe  Faust  1),  aus  den  grulften
die  todten  (Geibel  1,  221)  schreien;  ich  habe  mich
mude  geschrien  Ps.  69,  1;  (so  mag  Zeckel)  Lenc  spinn!
Lene  spinn!  heischer  sich  schrein  Weiße  kom.  Op.
2,  150;  wehklagen,  wodurch  sie  die  eingestüurzten
mauern  ihres  judischen  Ziors  .  vicder  emporschreien
möchten  Schleiermacher  bei  Häusser  d.  Gesch.  3,  169;
—  von  Tieren:  wie  der  birsch  schreiet  nach  frischem
wasser  Pf.  12,  2;  das  ..  man  auch  nicht  ein  vieh
schreien  höret  Jer.  9,  10;  —  freier  und  übertragen:
eine  scele  (Ps.  42,  2),  stimme  (1.  Mos.  4,  10)  schreit,
tbrünen  (Sir.  35,  19)  schreien  uber  einen;  wo  diese
werden  schweigen,  so  werden  dic  steine  schreicn  Luc.
19,  40;  verbrechen,  das  rache  schreit  Fichte  phil.
Journ.  ö,  72;  das  unschuldig  vergessene  blutschreit  zum
himmcl;  daher:  schreiendes  unrecht  Gandy  Erz.  42;
eine  schreiende  ungerecbtigkeit  Preußen  i.  B.  1,  119;
schreiende  gewalt  Schiller  Tell  3,  3;  s  ist  himmelschreiend
  1,  3;  Jerome  .  dessen  ausschweifungen
schreiend  gewesen  sind  Häuffer  d.  Gesch.  3,  232;  in
Hiungichere  Anwendung:  der  schnee  sehreit.  bei  starkem

roste,  wenn  Menschen  oder  Wagen  darüber  gehen;
grimmig  schreicn  im  hohlen  bauche  des  felsen  die
stürme  Schiller  1,  121;  eine  klarinctte  schreit,  hat
zu  grellen  Ton;  farben  schreien,  wenn  sie  zu  grell  sind;
in  die  schreiendsten  farhen  gekleidet  CF  Meyer  Nov.
2,  300;  auch  schreiender  gegensatz  Pesc.  23;  —  der
Inf.  als  Subst.:  vernim  mein  schreicn  Ps.  5,  2;  wer
scine  ohren  verstopft  fur  dem  schreien  des  armen
Spr.  Sal.  21,  13;  das  schreien  eines  tieres,  der  farben
u.  s.  w.  Dazu:  Schreihals,  m.  Bezeichnung  eines  lant
Schreienden,  besonders  eines  anhaltend  schreienden  Kindes.
—  schreilustig,  gern  schreiend:  sehreilustige  kinder  Freytag
  Erinn.  308.

Echreeier,  in.  der  da  schreit;  mhd.  schrier,  Ausrufer,
Herold,  auch  nhd.  noch  —  Rufer:  heere  dort  ..  und
schreier  ziehn  voran  Herder  z.  Litt.  3,  118;  vgl.  auch
marktschreier;  Zänler:  huderiger  schreyer,  aldercafor
clamosus  et  turbidus,  tauber  schreyer,  rabula  Maaler;
jetzt  ganz  besonders  von  dem,  der  überlaut  Unzufriedenheit
  dußert:  die  gutgesinnten  erheben  sich,  und  die
lautesten  schreier  sind  verschwunden  Moltke  4,  130;
dem  schreier  den  mund  zu  stopfen  Heyse  9,388.

Schrein,  m.  hölzerner  Behälter,  Schrank;  frühes
ris  aus  lat.  serinium,  ahd.  als  Neutr.  serini.

mhd.  als  Reutr.  und  Masc.  schrin,  uhd.  nur  Masc.,
Plur.  schreine;  im  weltlichen  Gebrauche,  kleider-,  geld-,
ducher-  urkundenschrein;  scbrein  von  cingelegter
orbeit  Stieler;  stellts  (das  Käsichen)  hier  nur  immer
in  den  schrein  Goethe  Faust  I;  in  ihren  schreinen
sammelte  sich  das  geld  Freytag  Bild.  1,  292;  im
geistlichen  Gebrauche,  Reliquienbehälter:  det  (er  that
sant  Florencien  schrin  ulbrechen  D.  Städtechr.  3,  453;

Jer.  48,  20;  ruste  und  schrie  und  lermte  Les  ling  Wandelaltar  altarschrein;  vor  einem  bunten  schreine

Dram.  36;  hervorhebend  laut  (Ap.  Gesch.  7,  50).  wie  on
der  folter  (Simpl.  3,  32),  am  spiesz  (Paten  verh.
Gabel  1)  sebreien;  gegenüber  Schwerhörigen,  in  großer

der  muttergettes  angelongt  C  F  Meyer  Jenatsch  38;  in
heidrischem  Sinne:  wenn  Eos-  mit  gluhendem  sebein
ie  teppiche  röthet  om  beiligen  schrein  Goctbe  Pan-Gemütsbewegung,

  in  Schmerz  (Ofsenb.  14,  19),  Wut  dora  1;  —  Sarg:  spänn#we  schrine  und  laden  wordin

(Luc.  23,  18),  begehrend  (Susanne  24.  Matth.  1.  27)9
die  kleinen  kinder  schreien;  auch  in  Jubel,  daher

da  bereit,  du  1nrstliche  gebeine  dar  in  geleit  Ködiz

u62,  27;  da  ruft  der  blutfleck  sie  (die  Tote)  empor  vom