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deutscher Seite erinnert man sich immer dann, wenn ein Zwischenfall
eintritt, der Schwierigkeiten, die England der kolonialen Entwicklung
Deutschlands bereitet hat; man erinnert sich der Enttäuschung über den
ostafrikanischen Teilungsvertrag, der, wie man damals glaubte, die
dauerhafte Freundschaft Englands durch das Opfer Sansibars erkauft
hatte. Man erinnert sich der Samoa-Affäre, bei der man nur dadurch
zu einer zufriedenstellenden Lösung zu gelangen vermochte, daß England
durch andere Schwierigkeiten in diesem Augenblicke gelähmt war. Schließlich
ist man durch die Aufnahme verletzt, die englische Zeitungen und
Journale einer so offensichtlich unmöglichen Idee, wie sie eine englischfranzösisch-russische
Koalition gegen Deutschland bildet, haben zuteil
werden lassen .“‘
„In den diplomatischen Kreisen Berlins zweifelt man nicht daran,
daß Deutschland, so hart auch der Versuch ist, alle Anstrengungen macht,
un gute Beziehungen mit England aufrecht zu erhalten und die wechselseitige
Verstimmung zu zerstreuen. Deutschland hat zu viele Feinde
auf dem Kontinent und ist zur See zu schwach, als daß es einen Konflikt
wagen könnte. Das Bewußtsein der Gefahren, die es von England bedrohen,
ist der Grund für den Ausbau, den es der Kriegsmarine zu geben
sich bemüht, und für den Umschlag, der sich in der öffentlichen Meinung
Deutschlands in dieser Angelegenheit vollzogen hat. Deutschland hat
ohne Zweifel keinen Angriffsgedanken, aber es will in der Lage sein, mit
England auf gleichem Fuße verhandeln zu können; bis es den Kampf
ohne allzu großen Nachteil aufzunehmen vermag, wird es auf England
alle Rücksichten nehmen müssen, die mit seiner Würde vereinbar sind.“
1902
Die Schwierigkeit der Lage des Dreibundes infolge der verschiedenartigen
Interessen seiner einzelnen Mitglieder bildet den Gegenstand
eines ausführlichen Brüsseler Zirkulars vom 24. Januar 19021). Sein
friedenserhaltender Charakter wird scharf betont, dabei aber doch anerkannt,
daß erhebliche Interessengegensätze in ihm selbst vorhanden
seien. Zum ersten Male begegnet man in den belgischen Zirkularen einer
Bemerkung über die Treibereien der Alldeutschen, die in Österreich verstimmend
wirkten. Die Reden des Reichskanzlers Bülow über den Dreibund
in den Sitzungen vom 8. und 11. Januar fielen den ausländischen Diplomaten
dadurch auf, daß die Vorteile des Dreibundes für Rom und Wien
darin scharf hervorgehoben wurden.
Die durch Chamberlains Bemerkungen über die deutsche Armee
von 1870 geschaffene Verstimmung zwischen England und Deutschland
fand im deutschen Reichstage lebhaften Widerhall. Ein belgischer Bericht
vom 3. Februar 19022) bemerkt hierzu, man befinde sich jetzt in
England wie in Deutschland in einem Geisteszustande, der zu einer üblen
1) Bd. I, S. 90 ff.
2) Bd. I, S. 93 ff.
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