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Ausdeutung selbst der gleichgültigsten Dinge führe. ‚Diese wechselseitige
Gereiztheit, ausgegangen von der kommerziellen und maritimen
Nebenbuhlerschaft der beiden Nationen, ist noch dadurch vermehrt
worden, daß in der Angelegenheit des südafrikanischen Krieges der Ausgangspunkt
auf beiden Seiten falsch gewesen ist.‘ In Deutschland stand
man immer noch unter dem Eindrucke des Jameson-Raids und wollte
im südafrikanischen Kriege nur seine skrupellose Fortsetzung erblicken.
In England aber konnte die öffentliche Meinung das vom deutschen Kaiser
1896 an den Präsidenten Krüger ‘gerichtete Telegramm nicht vergessen.
Unablässig bemühe sich der Kaiser, die Verstimmung zwischen beiden
Völkern zu beseitigen, leider mit wenig Erfolg, denn immer wieder werde
sie durch die Parlamentsreden und die Erörterungen der Presse gesteigert.
„Es scheint schwierig, gute Beziehungen aufrecht zu erhalten, wenn der
Streit ein derartiges Maß angenommen hat.“
Erörterungen über den englisch-japanischen Handelsvertrag, der
im Februar :1902 veröffentlicht wurde, lenkten die Aufmerksamkeit in
andere Gleise. Dieser Vertrag schien unmittelbar gegen Rußland und
mittelbar gegen Frankreich gerichtet. So wurde er jedenfalls in Petersburg
empfunden, während die Beurteilung in Paris eine verhältnismäßig
ruhige war. Ob es England gelingen würde, den Zutritt der Vereinigten
Staaten und Italiens zum englisch-japanischen Abkommen zu erreichen,
schien zweifelhaft!).
In dieser Zeit fand die vom deutschen Kaiser gewünschte Reise des
Prinzen Heinrich nach Amerika statt. Der Versuch der englischen Regierung,
eine Annäherung zwischen Deutschland und den Vereinigten
Staaten durch Veröffentlichung bloßstellender Schriftstücke über Deutschlands
Haltung 1893 anläßlich des spanisch-amerikanischen Krieges zu
verhindern, führte zur Bekanntgabe deutscher Dokumente, die Deutschlands
völlige Neutralität in der damaligen Zeit erwiesen und klarlegten,
daß es niemals versucht hatte, einen Druck auf die Regierung der Vereinigten
Staaten auszuüben. Das belgische Zirkular fügt bei diesem Anlasse
hinzu, Amerika suche mehr und mehr seine Grenzen für fremde
Einfuhr zu schließen; indes begegne es sich mit Deutschland, nachdem
die unmittelbaren Handelsbeziehungen zwischen den beiden Staaten
eingeschränkt seien, als Rivale auf dritten Märkten. Hier zum ersten
Male tritt der innere wirtschaftliche Gegensatz Amerikas zu Deutschland,
der uns im Weltkriege so verhängnisvoll geworden ist, in der belgischen
Berichterstattung zutage?).
Das wichtigste politische Ereignis des Jahres 1902 war die am 28. Juni
erfolgende Verlängerung des Dreibundes. Bei diesem Anlasse wird
belgischerseits wiederum hervorgehoben, der genaue Wortlaut der Verträge
sei nicht bekannt. ‚Was man mit Sicherheit weiß, ist, daß der Dreibund
rein defensiv ist und kein anderes Ziel im Auge hat als die Aufrechterhaltung
des Friedens.‘ Man nahm an, daß der Text des Vertrages
!) Brüssel, 25. Februar 1902, Bd. I, S. 95 ff.
2) Brüssel, 6. März 1902, Bd. 1, S. 98 ff.
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