Full text : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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Angenblicke  schwankte  der  Sieg.  In  einen  verworrenen  Knäuel  zusammengeballt,
  von  Stanb  und  Pulverdampf  verhüllt,  vermochten  Freund  und  Feind  sich
nicht  anders  zu  unterscheiden  als  an  dem  „Hurra“  oder  Vive  l'empercur-,
mit  dem  sie  gegeneinander  anstürmten.  Endlich  lichtete  sich  der  Knänel,  die
Franzosen  sahen  sich  ohne  Unterstützung,  während  andererseits  die  russischen  und
prenßischen  Garden  von  Rötha  und  die  österreichische  Kürassierdivision  Graf
Nostitz  von  Gautzsch  her  sich  dem  Schlachtfelde  näherten.  Die  Gefahr  war  abgewendet,
  dic  französische  Reitermasse  flutete  wieder  zurück.  Die  Bataillone
Kleists  und  des  Prinzen  Eugen  hatten  während  dieses  Reitergetümmels  fest
und  standhaft  auf  ihrem  Posten  ausgehalten.  Ihre  zusammengeschmolzenen
Vierecks  standen  wie  starre  Felsenklippen  im  tobenden  Wogensturm,  so  wie  vorhin
  bei  dem  gewaltsamen  Andrang  der  Flut,  so  jetzt  bei  dem  Eintreten  der  Ebbe,
fest  und  unbeweglich  auf  denselben  Plätzen.  „So  wie  die  Bataillone  in  gehöriger
Entfernung  voneinander“  —  heißt  es  in  einem  russischen  Bericht  —  „während
eines  achtstündigen  Feners  postiert  gewesen  waren,  so  lag  die  Mehrzahl  derselben
  jetzt  entseelt,  doch  geordnet,  jeder  an  seiner  bestimmten  Stelle  auf  dem
Boden,  der  Anführer,  wie  der  Soldat  und  der  Spielmann.“

Auch  die  von  Napoleon  beabsichtigte  Umgehung  des  rechten  Flügels  durch
die  Corps  von  Mortier  und  Macdonald  stieß  auf  den  nachhaltigen  Widerstand
des  österreichischen  Corps  Klenan  und  mußte  ganz  aufgegeben  werden,  als  die
soeben  eingetroffene  Kürassierbrigade  des  Obersten  von  Wrangel“  eine  glänzende
  Attacke  ausführte.

Noch  einmal  versuchte  Napoleon,  durch  einen  Angriff  der  Corps  von  Lauriston
und  Victor  die  Schlachtlinie  der  Verbündeten  zu  durchbrechen.  Jetzt  aber  war
auch  die  Reserveartillerie  der  letzteren  hier  aufgefahren  und  empfing  die  Angreifer
mit  einem  mörderischen  Kartätschfener.  Die  gelichteten  Reihen  des  Fußvolks  aber
waren  durch  die  Reserven  und  Garden  verstärkt  worden  und  widerstanden  hartnäckig
  dem  wiederholten  heftigen  Andrange  der  Franzosen  auf  Güldengossa.

Die  Verbündeten  hatten  bei  Wachau  keinen  Sieg  errungen;  aber  sie  hatten
das  Feld  behauptet.  Die  unglückliche  Anlage  der  Schlacht  war  durch  die  treffliche
  Führung  der  Truppenführer  im  einzelnen  und  durch  die  unvergleichliche,
tapfere  Haltung  der  Mannschaften  wieder  ausgeglichen  worden.

Anch  auf  den  anderen  Teilen  des  Schlachtfeldes  südlich  Leipzig  hatten  die
Verbündeten  keinen  Erfolg  erkämpft.  In  dem  Winkel  zwischen  Elster  und  Pleiße
dauerte  der  Kampf  den  ganzen  Tag  über  fort,  ohne  daß  es  gelang,  bei  Conncwitz
  oder  Dölitz  den  Ubergang  zu  erzwingen.  Gegen  Abend  fiel  General  Graf

*  In  derselben  Brigade  fand  der  Neffe  des  Obersten,  der  spätere  Generalfeldmarschall
Graf  von  Wrangel,  damals  Major  und  Chef  der  2.  Eskadron  des  ostpreußischen  Kürassierregiments,
  Gelegenheit  zur  Auszeichnung.

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