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Angenblicke schwankte der Sieg. In einen verworrenen Knäuel zusammengeballt,
von Stanb und Pulverdampf verhüllt, vermochten Freund und Feind sich
nicht anders zu unterscheiden als an dem „Hurra“ oder Vive l'empercur-,
mit dem sie gegeneinander anstürmten. Endlich lichtete sich der Knänel, die
Franzosen sahen sich ohne Unterstützung, während andererseits die russischen und
prenßischen Garden von Rötha und die österreichische Kürassierdivision Graf
Nostitz von Gautzsch her sich dem Schlachtfelde näherten. Die Gefahr war abgewendet,
dic französische Reitermasse flutete wieder zurück. Die Bataillone
Kleists und des Prinzen Eugen hatten während dieses Reitergetümmels fest
und standhaft auf ihrem Posten ausgehalten. Ihre zusammengeschmolzenen
Vierecks standen wie starre Felsenklippen im tobenden Wogensturm, so wie vorhin
bei dem gewaltsamen Andrang der Flut, so jetzt bei dem Eintreten der Ebbe,
fest und unbeweglich auf denselben Plätzen. „So wie die Bataillone in gehöriger
Entfernung voneinander“ — heißt es in einem russischen Bericht — „während
eines achtstündigen Feners postiert gewesen waren, so lag die Mehrzahl derselben
jetzt entseelt, doch geordnet, jeder an seiner bestimmten Stelle auf dem
Boden, der Anführer, wie der Soldat und der Spielmann.“
Auch die von Napoleon beabsichtigte Umgehung des rechten Flügels durch
die Corps von Mortier und Macdonald stieß auf den nachhaltigen Widerstand
des österreichischen Corps Klenan und mußte ganz aufgegeben werden, als die
soeben eingetroffene Kürassierbrigade des Obersten von Wrangel“ eine glänzende
Attacke ausführte.
Noch einmal versuchte Napoleon, durch einen Angriff der Corps von Lauriston
und Victor die Schlachtlinie der Verbündeten zu durchbrechen. Jetzt aber war
auch die Reserveartillerie der letzteren hier aufgefahren und empfing die Angreifer
mit einem mörderischen Kartätschfener. Die gelichteten Reihen des Fußvolks aber
waren durch die Reserven und Garden verstärkt worden und widerstanden hartnäckig
dem wiederholten heftigen Andrange der Franzosen auf Güldengossa.
Die Verbündeten hatten bei Wachau keinen Sieg errungen; aber sie hatten
das Feld behauptet. Die unglückliche Anlage der Schlacht war durch die treffliche
Führung der Truppenführer im einzelnen und durch die unvergleichliche,
tapfere Haltung der Mannschaften wieder ausgeglichen worden.
Anch auf den anderen Teilen des Schlachtfeldes südlich Leipzig hatten die
Verbündeten keinen Erfolg erkämpft. In dem Winkel zwischen Elster und Pleiße
dauerte der Kampf den ganzen Tag über fort, ohne daß es gelang, bei Conncwitz
oder Dölitz den Ubergang zu erzwingen. Gegen Abend fiel General Graf
* In derselben Brigade fand der Neffe des Obersten, der spätere Generalfeldmarschall
Graf von Wrangel, damals Major und Chef der 2. Eskadron des ostpreußischen Kürassierregiments,
Gelegenheit zur Auszeichnung.
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