49
Idol seines Zeitalters, den Pabst, mißhandelte. Ein König,
der sich so sehr über Alles, was Irrthum seines
Zeitaltersheißen kann, hinwegsetzt, ist ein fürchterlicher
König. Der letzte Großmeisier, Jakob Molap,
war auch vorsichtig genug, nicht nach Frankreich gehen
zu wollen, aber der arglistige Philipp lockte ihn durch eine
Stimme, der er nicht widersprechen konnte. Herodes und
Pilatus wurden miteinander eins. Der König verstand sich
mit dem Pabsi, der Pabst solle die beiden Großmeisier der
Tempelherrn und der Johanniterritter (denn wahrscheinlich
hat Dhilipp sein Opfer nicht ganz crhalten, wahrschceinlich
war der zweite Akt der Tragoͤdie den Johanniterrittern gedroht)
zu sich inviliren, unter dem Vorwande, daß gewisse
wichtige Berathschlogungen vonnölhen seyen, wobei persönliche
Zusammenkunft erforderlich wäre, wegen der Wiedercroberung
von Palästina, wozu der Pabst einen mächtigen Alliirten
wüßte, der der Macht der Ungläubigen gewachsen wäre. Die
schmeichelndsse Einladung an beide Großmeister und zugleich
Erinnerung für beide, daß bei der Gelegenheit von verschiedenen
Reformen des Ordens gesprochen werden könnte, welches
zu mehrerem Gedeihen des Ordens beitragen werde. Den
Großmeister des Johanniterritler-Ordens warute sein Genjus,
er ging nicht nach Frankreich; aber Molay, ein Franzose, im
Bewußtseyn seinet Unschuld, und in der That, weil ihm das
nicht träumen konntee, was nachher sich ereignere, weil er
sich gegen alle Analogie aller bicherigen Geschichte solche Begebenheit
nicht zu denken im Stande war, geht mit sechzig
seiner Ritter nach Frankreich.
Was nun kommen sollte, war in der That so, daß es
kein vernünftiger Mann vorher zu sehen im Stande war; ein
solcher Zusammenfluß höchst zufälliger Umstände, wie wenn
sie die Vorsehung dießmal zusammengelenkt hätte: Doch
Spiktler's sämtliche Werte. X. Bd. 4