Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Elfter Band. (11)

125

Ein  Enkel  Ludwigs,  also  ein  Urenkel  der  Augsburgischen

Saͤngerin,  Graf  Friedrich  von  Loͤwenstein,  wurde  Praͤsident
des  Reichskammergerichts,  und  heirathete  1561  die  Badische
Prinzessin  Amalia,  eine  Tochter  des  Markgrafen  Ernst,  des
Stammherrn  des  noch  bluͤhenden  Badischen  Hauses.
6  Allein,  so  viel  auch  durch  neue  Gütererwerbungen  und
Verdieunste  und  Heirathen  dem  Löwensteinischen  Hause  an
Macht  oder  an  Ansehen  zuwuchs,  so  war  doch  von  weiteren
Prätensionen  an  kurpfälzische  Besitzungen  nicht  mehr  die
Rede.  Die  Raugrasen-Portionen  wachsen  nicht,  wie  etwa
die  Apanagen.

Wie  also  ungefähr  achtzig  Jahre  nachher  (1558)  die  alte
kurfürstliche  Linie  ausstarb,  so  rührte  sich  kein  Löwensteinischer
  Prätendent.  Man  war  noch  im  Klaren,  wie  die  Häuser
  Löwenstein  und  Pfalz  zusammengehörten.  Bald  mochte
es  anders  werden,  wenn  erst  die  Reinhardischen  Nachrichten
in  Umlauf  gekommen  waren.

Unstreitig  sah  man  auch  gleich  beim  nächsten  großen
Sterbefall,  der  sich  zutrug  (1685),  wie  sehr  sich  in  der  Zeit
von  ein  paar  Menschenaltern  Alles  verändert  habe.

Ludwig  XIV.  ließ  den  Grasen  Marimilian  Karl  von
Löwenstein  aufrufen,  daß  er  seine  Rechte  an  Kurpfalz  nicht
vergessen  sollte.  Er  bot  sich  ihm  als  Allirten  an,  und  bot
ihm  eine  große  Summe  Geldes  an,  falls  er  Lust  haben  sollte,
seine  Rechte  an  Frankreich  abzutreten.

Zwar  schien  der  Graf  selbst  weder  zu  diesem,  noch  zu
jenem  geneigt  zu  seyn,  aber  er  ließ  doch  dem  Kaiser  durch
den  Reichs-Vicekanzler  Grafen  von  Königsegg  und  durch  den
Hofkanzler  Grafen  Stratmann  eine  Deduktion  übergeben,  worin
die  Ldwensteinischen  Rechte  an  Kurpfalz  ausgeführt  waren.