148
sem das ganzen Volk, durch ein Gemaͤlde vom juͤngsten Gericht.
Cprillus machte sich besonders um die Slavischen Völker verdient,
er war nicht allein Missionar sondern Wohlthäter durch
allgemeine Aufklärung. Er erfand ihnen Buchstabenschrift,
übersetzte die Bibel in ihre Sprache, und beförderte selbst zur
Beschämung der Fränkischen Geistlichkeit, mit seinem Freunde
Methodius die Ausbreitung des Christenthums unter den Mähren
und Böhmen.
Auch die Russen sind Zöglinge der Constantinoplischen
Kirche. Dieses Volk, eine Mischung von Slaven, Waraͤ-gern
und Cumanen, machte sich durch Streifereien und
Siege schon in der Mitte des neunten Jahrhunderts dem
Griechischen Kaiser fürchterlich. Basilius Macedo, ein
Zeitgenosse Karls des Kahlen, bewog sie endlich zu Anhörung
Christlicher Lehrer: doch waren bald alle Spuren wieder
verlöscht, und erst zu Ende des zehnten Jahrhunderts
konnte das Christenthum siegen. Der Russische Fürst Wladimir
der Große heurathete eine Griechische Prinzessinn Anna,
und mit ihr die Christliche Religion. Eben das politische
Interesse, das dem Christenthum bei den Occidentalern so
manchen Eingang verschaffte, bahnte seinen Weg auch im
Orient. Allianzen mit dem Griechischen Kaiser, welche für
einen Fürsten wie Wladimir immer sehr interessant waren,
wurden nie anders als durch Annahme der Christlichen Religion
zuverlässig, und wenn ein Fürst Aufklärung seines
Volks suchte, so konnte er sie nirgends herholen als von Constantinopel.
Da war aber keine Wissenschaft und keine Kunst,
welche der Grieche besaß, in die sich nicht Spuren seiner
Religion eingedrückt hatten. Der größte Maler war nichts
als Maler von heiligen Bildern, von Gegenständen, welche
aus seiner Religionsgeschichte hergenommen waren, oder die