33
salem ausgesehen habe, und stellt sich vielleicht auch nicht
ganz richtig vor, daß es zu Jerusalem immer so geblieben sey,
wie es im ersten Anfang aussah.
Das erste natürlichste Bedürfniß einer solchen neuen
Gesellschaft war immer ein Lehrer, der in der Versammluug
das Wort führen, was vorgelesen wurde, erklären konnte,
Die Apostel selbst setzten an vielen Orten solche Männer ein-An
andern Orten wählte die Gemeine den verstaͤndigsten
aus ihren Mitgliedern, einen Mann guten Leumunds nnh,
kluger Sitten.
Zum Befehlen war nun ein solcher gewiß nicht da, aber
er hatte Auctorität, und konnte besonders. in Gesellschaft mit
manchen durch Alter und Erfahrung ehrwürdig gewordencn
Mitgliedern, auch bei Sachen, die nicht zunächst das Lehramt
betrafen, ein gältiges Urtheil sprechen. Bei den gewöhnlichen
Obrigkeiten konnten nehmlich die Cbristen nicht viel
Recht hoffen, sie wandten sich also oft lieber an inn, zu dem.
sie ohnedieß das größte Zutrauen hatten.
Er war auch Verwalter der gemeinschaftlichen Geld er, lnd
bestritt daraus die Versorgung der Armen, der Wittwen und
Waisen und besonders auch derer, so um der Religion willen
Noth litten. Zwar vorzüglich ihm gebuͤhrte das Necht in der
Gemeine zu sprechen, aber die anderen Mitglicder waren deswegen
nicht ausgeschlossen. Er war nur älterer Bruder mehrerer
Geschwistrige, nur das Bedürfniß mehrerer schwächeren
Mitglieder der Gemeine machte ihn nothwendig. Da er ohne
alle weitere Vorbereitung von Studium unter den übrigen als
der verständigsie gewählt worden war, so hatte er doch immer
unter der Gemeine mehrere seines gleichen.
Lange konnte aber eine solche unschuldige Einrichtung
in ihrer Unschuld nicht bleiben. Persoͤnliche * mußt
Spittler's simmtl. Werke II. Bd.