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kannt wurde. War es gerade nothwendig ein Christ zu seyn,
um Christum fuͤr einen großen Mann zu halten? Wie der
Schüler Epikur's die großen Vertheidiger der stoischen Grundsätze
bei aller Verschiedenheit der Gesinnungen doch der vorzüglichsten
Hochachtung würdigte, so konnte mancher Heide
die Bildsäule Christi unter den großen Männern seines Jahrhunderts
haben. Tiberius war deswegen kein Christ, noch
hielt er Christum für einen Gott, wenn er verbot die Christen
zu verfolgen, und eine Religionspartie dieses Namens anerkannte).
Antonin's Toleranz ist einer der schönsten Züge in der
Geschichte seiner Regierung: von den duldenden Ersinnungen
mancher nachfolgenden Kaiser kann man nicht so gut urtheilen.
War sie nie durch das Geld der Christen erkauft? nie
bloß Politik des schwachen Regenten, der eine Partie durch die
andere verderben wollte 2) Noch unrichtiger ist, einen Kaiser,
der etwa vorzügliche Neigung für die Christen bezeugte, oder
etwas mehr vom Christenthum hören wollte, als andere, sogleich
selbst zum Christen machen.
Ungefähr in dritthalb Jahrhunderten hatte sich diese neue
Religiospartie nun so emporgearbeitet, daß ihre Menge die
zahlreichere und angesehenere auch im Römischen Staat war.
Offenbare Gewalt der Gesetze hatte sie zu unterdrücken gesucht,
Grimm der Regenten und Wuth des Pöbels war oft fast auf's
bochste gestiegen, und die Vertheidigungsschriften, welche von
Zeit zu Zeit von verschiedenen Schriftstellern verfaßt wurden,
hatten dagegen wenig Nutzen: wer weiß, ob sie der Kaiser erhielt,
ob sie seine Minister lasen? Die Witzlinge lachten dieser
*) So läßt sich noch am besten Tertullian's Erzählung (Apologet.
c. 5.) vertheidigen, sie mag auf Tiberius oder auf einen andern
August gehen.