Fürstenbund. 401
Fürsten gegen Oesterreich, und wenn Friedrich gemeint hatte, Zeit sei es, einen
Bund, ähnlich dem smalkaldishen zu schließen, so unterschied sich der Fürstenbund,
den er am 23. Juli 1785 zu stande brachte, dadurch doch wesentlich von dem
schmalkaldischen, daß ihm auch geistliche Fürsten, selbst die Erzbischöfe von Mainz
und Trier beitraten. Zu tief fühlte man im Reich, daß Oesterreich mit seinem
geringen Prozentsatz deutscher Unterthanen
nicht das deutsche, sondern lediglich das
österreichische Interesse vertrat. Wie auch
Friedrich versucht und gehofft hatte, mit
Oesterreich zusammenzugehen in dem Bewußtsein
des trotz aller Gegensätze doch
gemeinsamen Interesses gegen Osten wie
gegen Westen, auch er hatte dem preußischen
Staat wie den deutschen Bedürfnissen nur
durch die Abwehr Oesterreichs genügen
können. Mit thränenden Augen und im
Bewußtsein des gleichen Strebens hatte der
König im Jahre 1750, als er die Särge
seiner Vorfahren in den neuen Dom am
Lustgarten überführen ließ, vor der sterblichen
Hülle seines Ahnen, des Großen
Kurfürsten, gestanden, nun mußte auch er
wie jener am Ende seines Lebens erkennen,
daß Oesterreich die Versöhnung nicht wolle.
Aber überall erkannte man, daß das deutsche
Interesse allein in Preußen gewahrt war,
und selbst die Schweiz, selbst Sardinien
näherten sich dem Bunde der deutschen Ses "*J— 44 eedbrsen:
Fürsten, der ein Bollwerk auch nach außen. uus —#s#
der ein Schutz der europäischen Freiheit
werden konnte. Friedrich hatte die Macht Preußens ungeheuer gesteigert, in ihr
hatte er auch dem deutschen Reich ein Rückgrat gegeben, daß es wieder steif
und aufrecht stehen konnte, wenn es nur wollte. Nun hatte er dem seit
Jahrhunderten gespaltenen und zerrissenen Deutschland auch den Weg gezeigt, wie
es nicht nur Schutz vor Oesterreich finden, sondern auch wie es seine Einheit
wiedergewinnen könne. Seine lediglich auf die Erhaltung des Friedens und des
rechtlichen Bestandes gerichtete Politik hatte ihn zum Haupt der Fürsten gemacht,
und vor den Krallen des aus der Luft herunter schießenden kaiserlichen Aars rettete
man sich unter die Fittige des preußischen. Unzweifelhaft war dies die Folge
der josephinischen Eroberungsgier, aber das Bewußtsein der Sicherheit, das Vertrauen,
welches die Fürsten in Preußen setzten, hatte ihnen Friedrichs rechtliche
Politik gegeben. Und das war Friedrichs schönes Erbschaft: das Vertrauen zu
Preußen war die beginnende Einheit Deutschlands. —
Unverkennbar jedoch kann im staatlichen Leben von Vertrauen nur dann die
Rede sein, wenn neben der Rechtlichkeit die Macht und Kraft vorhanden ist, dem
als Recht Erkannten auch Geltung zu verschaffen. Jene furchtbaren sieben Jahre
hatten aber die Mittel des Staates schier bis auf die Neige verzehrt. a einem
Berner, Gesch. d. Pr. Staates.