Full text : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1892. (19)

M  36.  461

Die  Sicherheitsventile  müssen  jederzeit  gelüftet  werden  können.  Sie  sind  höchstens  so
zu  belasten,  daß  sie  bei  Eintritt  der  für  den  Kessel  festgesetzten  Dampfspannung  den  Dampf
entweichen  lassen.

89.

An  jedem  Dampfkessel  muß  ein  zuverlässiges  Manometer  angebracht  sein,  an  welchem
die  festgesetzte  höchste  Dampfspannung  durch  eine  in  die  Augen  fallende  Marke  zu  bezeichnen  ist.

An  Danpsschiffskesseln  müssen  zwei  dergleichen  Manometer  angebracht  werden,  von
denen  sich  das  eine  im  Gesichtskreise  des  Kesselwärters,  das  andere  mit  Ausnahme  der  Seeschiffe
  auf  dem  Verdeck  an  einer  für  die  Beobachtung  bequemen  Stelle  befindet.  Sind  auf
einem  Dampfschiffe  mehrere  Kessel  vorhanden,  deren  Dampfräume  mit  einander  in  Verbindung
stehen,  so  genügt  es,  wenn  außer  den  an  den  einzelnen  Kesseln  befindlichen  Manometern  auf
dem  Verdeck  ein  Manometer  angebracht  ist.

10.

An  jedem  Dampfkessel  muß  die  festgesetzte  höchste  Dampsspannung,  der  Name  des
Fabrikanten,  die  laufende  Fabrikuummer  und  das  Jahr  der  Anfertigung,  bei  Dampfschiffskesseln
  außerdem  die  Maaßziffer  des  festgesetzten  niedrigsten  Wasserstandes  auf  eine  leicht
erkennbare  und  danerhafte  Weise  angegeben  sein.

Diese  Angaben  sind  auf  einem  metallenen  Schilde  (Fabrikschild)  anzubringen,  welches
mit  Kupfernieten  so  am  Kessel  befestigt  ist,  daß  es  auch  nach  der  Ummantelung  oder  Einmanerung
  des  letzteren  sichtbar  bleibt.

III.  Prüfung  der  Dampfkessel.
811.

Jeder  neu  aufzustellende  Dampfkessel  muß  nach  seiner  letzten  Zusammensetzung  vor  der
Einmanerung  oder  Ummantelung  unter  Verschluß  sämmtlicher  Oeffnungen  mit  Wasserdruck
geprüft  werden.

Die  Prüsung  erfolgt  bei  Dampfkesseln,  welche  für  eine  Dampsspannung  von  nicht
mehr  als  fünf  Atmosphären  Ueberdruck  bestimmt  sind,  mit  dem  zweifachen  Betrage  des  beabsichtigten
  Ueberdrucks,  bei  allen  übrigen  Dampfkesseln  mit  einem  Druck,  welcher  den  beabsichtigten
  Ueberdruck  um  fünf  Atmosphären  übersteigt.  Unter  Atmosphärendruck  wird  ein
Druck  von  einem  Kilogramm  auf  das  Onadratcentimeter  verstanden.

Die  Kesselwandungen  müssen  dem  Probedruck  widerstehen,  ohne  eine  bleibende  Veränderung
  ihrer  Form  zu  zeigen  und  ohne  undicht  zu  werden.  Sie  sind  für  undicht  zu  erachten,
  wenn  das  Wasser  bei  dem  höchsten  Druck  in  anderer  Form  als  der  von  Nebel  oder
seinen  Perlen  durch  die  Fugen  dringt.

Nachdem  die  Prüfung  mit  befriedigendem  Erfolge  stattgesunden  hat,  sind  von  dem
Beamten  oder  staatlich  ermächtigten  Sachverständigen,  welcher  dieselbe  vorgenommen  hat,  die

Manometer.

Fabrikschild.

Druckprobe.