523 schweilsen — schweigen.
Unterthänigleit: er bat immer vor seinen gönnern
geschweifwedelt. Z
Schweifen, 1) sich schwingen, wenden, umherstreichen;
ahd. sweifan, mhd. sweisen, reduplizierendes Verbum
mit dem Prät. swiel, in engem Zusammenhange mit
dem starkformigen Verbum mhd. swilen. Prät. sweif
gleicher Bed., wurzelverwandt auch zu schweben und
den dort genannten Bildungen. Die reduplizierende
Form ist nhd. untergegangen (in komischer Nede wird
bisweilen sthwies und schwiff statt schweiste gehört,
wahrscheinlich aber als Neubildung), und dafür schwaches
schweifte, geschweift eingetrcten; umschriebenes Prät.
mit sein und haben: er ist durch feld und wald geschweilt;
wir baben umhergeschweist. Trans. Fügung
in der Bed. schlingen (sin arme 3 umb den bals swief
Ges. Abent. 2, 395) nur in älterer Spr., in Resten noch
als Weberwort, winden, Garn auf den Weberbaum
ziehen, garn schwailen Aventin 2, 51; schweizerisch
schweifen lehren, auskehren Stalder, vgl. dazu bair.
schwaiben (wäsche, gläser), schwenken Schmeller; —
sonst intrans., in sinnlicher Bed.: schweifen, hin und
wider farcn, ragari, circumvogarf Maaler; landsireicherisch:
das hin und bär sehweifen oder streisen
der kriegsleuten auszert jrem läger, vogat’iones niilitum
ebd.; aul den straszen schweift unsicheres volk Freytag
Ahnen 5, 123; ein schweifendes leben führen; auf
den raub umherschweisen Stieler; jetzt lieber als
dichterisches Wort, von Lebewesen und belebt Gedachtem:
dureh leld und wald zu schweisen Goethe d. Musensohn;
auf ihren weitschweilenden spaziergängen DuW.
19; hoch am bimmel schweisten schon .. lerehen
Eichendorff Taugen. 23; wo fink und amsel sehweisen
Geibel 1, 27; er schweile bier entlang die blohenden
secxestade Leuthold Ged. 218; kühn und ungewöhnlich:
der blonden locken loses sehweisen Schiller Kindsmörderin;
(Wüste) wo verlornes heulen schweift Laura
am Klavier; übertragen auf menschliches Emxfinden,
Denken, Sehen: aus der wahrbeit schranken schweift
des mannes wilde kraft Würde der Frauen; willst du
immer weiter sehweilen? Goethe Erinnerung; liesdie
augen . . über den garten schweisen Heyse Par.
2, 213; schweilende gedanken, phantasie, u. a. 2) anderes
sehweifen, Denominativ zu schweil, auch in seiner
älteren Bed. (s. d.), mit einer Schwingung verfehen,
bogenförmig gestalten: schweifen, sinudre, simbrias
assuere Stieler:; bretter schweifen; geseb weiste fusze,
kommoden; die hintere abschnittsfläche des kolbena
ist geschweift Instr. 37; vgl. auch ausschweisen; —
mit Schweif versehen, im Part.: gesebweiste pfauen,
schöngeschweifte rosse. — In Zusammensetzungen zu !
und 2: Schweissäge, k. Säge zum Schweiscn, Ausschweisen
von Hölzern. — Schweifstern, m. umherschweijender,
Planct Maaler (unterschieden von einem
gleichlautenden Wort, s. unter sehweil).
Schweifig, gern schweifend: wann die junge schneider
mit aumessen umb die brust zugreifig und sehweißg
sind Garg. 15; jetzt noch in weitschweifig (s. d.) —
Schweifung, s. Handlung des Schweisens; nach schweilen
1, Wendung, Zug: wührend der zeit die tanzende
gesellschaft das auge durch ihre gleichfbrmigen schweilungen
ergötzte Möser Phant. 2, 76; nach schweisen 2:
schwcisung eines brettes; Geschweistes: die schweifungen
an einem rococomöbel; vgl. auch ausschweifung.
Schweigen, 1) nicht reden, das Sprechen lassen oder
unterdrücken; westgerm. Wort ursprünglich schwacher
Biegung, altengl. swigian, altfries. swigia, altsächs.
swigon, ahd. swigen; das Mhd. und Mund. bewahren
die schwachen Formen noch, führen aber daneben das
Wort in die siarle Conjugation über (Brä- mhd. aweic.
mnd. swech, Part. geswigen), die sich nhd. einzig sestgesetzt
hat. Urverwandtichaft zu dem gleichbed. griech. sigüän
(für swigän) wird angenommen. Eine umschreibende
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Fügung, mhd. geswigen sin für anhaltend, langeschweigen
(geswigen wären vogellin Uv Lichtenstein Frauend.
102, 19), dauert nur ausnahmsweise im ältern Nbd.:
darnach als sie geschwigen waren Ap. Gesch. 15,13. Verwendung
mannigfach, alleinstehend, von Personen, in
Verschlossenheit, Uberraschung, Beschämtheit, Höflichkeit
n. s. w.: etlieher sehweiget. darumb, das er sich nicht
kan verantworten. etlicher aber schweiget, und wartes
seiner zeit Sir. 20, 5. 6; ein weib das schweigen kan
26, 17; rede, und schweige nicht Ap. Gesch 17, 9;
dann wird der rat (Beamter) vielleicht höflich sch weigen
Bismarck Red. 15, 3; barsche Aufforderung: niehtswürdiger!
schweig! Schiller Kab. 2, 6; statt der Person
als Subj. das Organ: der mund, die stimme. zunge
sch weigt; die lippen schweigen Er Kleist Lob der Gottheit
61; mit näber bestimmenden und ausführenden Zusätzen:
bört mir zu und schweiget stil! Alberus Esop
14, 4; vor sieh hin zu sehweigen Hevse Par. 1, 55;
in älterer Spr. mit Gen., — von etwas schweigen:
des spottes wart geswigen Boner Edelst. 75, Au; ieh.
schweige der freuden Pf. 39, 3; jünger mit Präpositionen,
von einem oder ctwas; schweigen wir davon
Schiller Karl. 2, 92; uber etwas (Bismarck Red.
3, 210), zu einem ober etwas; gegen, gegenuber jemand,
etwas; dafür mit Dat.: dem gruoze mucz ich
swigen Walther 31, 23; wenn ieh ruf zu dir 80
schweige mir nicht Pf. 28, 1; auch in neuerer Spr.:
können keiner metze nicht schweigen Schiller Fiesko
3, 1; weil du ge luldig solcher tollheit schweigst Körner
Zriny 3,2; nicht häufig mit Acc., wie sonsl verschweigen:
das er die worbeit schwigen söll Brant Narrensch.
104, 4; die warheit schweigen Luther 6, 65; das man
gottis wort geschwygen bat krit. Ausg. 12, 35; in neuerer
Dichterspr.: ihr wisset wohl, was liebe beiszt, und
schweigt sie treu und reine Arndt 335; außerdem
bei Angabe der Wirkung: öffnest du nicht selbs: dos
maul, die andern schweigen dich zu tode Leuthold
Ged. 235; die sache tot zu schweigen Bismarck Red.
13, 103; refl.: viel jungfern sehweigen sich noeh lieber
gar zu tode Günther 392; zwischensätzlich: nichts ungebubrliches
von ihm zu gedenken, ich schweige, zu
reden Zesen Rosem. 21; gelürzt: das ist nicht menechlich,
schweige denn ehristlich Luther v, 2750, vgl.
geschweigen; — in weiterer Anwendung von Dingen,
die lonst als selbständig lautgebend, redend gedacht
werden, zunächst von Musik, Gesang, Lärm, Donner
u. a.; sprach zu dem meer, schweig und verstumme
Mare. 1, 39; schweigende leieht angelchnte thuren (nicht
knarrende) Wieland Klel. 5, 26; dasz licbe pforten
mir auf ihren angeln schwiegen Goetbe Div. 1,16;
wie seierlien die gegend schweigt Lenau 14; die
schweigende öde Schiller Räub. 1, 5; von inneren
Stimmen: das gewissen schweigt:; dieser pflicht musxz
jede andre schweigen Wieland Ob. 7,2; schweigt dir
die stimme des prophetengeistes? Schiller Jungfr.
3, 9;z immer schweigt noch mein geschick Lenau 7;
in Bezug auf Neigung, Liebe: eure herzen schwicgen
Benedix zärtl. Verw. 3, 13; in sesten Verbindungen
mit dem Part. Präs.: schweigende (stillsehweigende)
einwilligung, ubereinkunft; blosze schweigende anwesenheit
Bismarck Red. 3, 210; — Ins. als Subst.:
ieh hör cin groszes schweigen Uhland Volksl. 1;
jedes schweigen hat immer etwas von dem, was zuzustimmen
scheint Bismarck Red. 3, 210; ein beredtes
schweigen, auch: durch redliche antwort erfaähret ihr.
oder dureh lautes sehweigen Klopstock 2, 128; in
Formeln: unter dem siegel tiefen sehweigens Scheftel
Tromp. 265; zum sehweigen bringen (Möser Phant.
1, 357), sich in achweigen hullen (Oeyse 7, 33), das
schweigen breehen (Benedix zärtl. Verw. 3, 3); groll,
hunger zum sebweigen bringen. 2) anderes schweigen,
zum Schweigen bringen, Prät. schweigte, Bewirkungs
schweigen.