Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Erster Jahrgang. 1885. (26)

44  Das  deutsche  Reich  und  seine  einzelnen  Glieder.  (Febr.  26.—  März  2.)

becken  ausüben  werden  und  welche  durch  ihre  Stellung  berufen  erscheinen,
die  hauptsächlichen  Wächter  des  Werkes  zu  werden,  das  zu  vollziehen  wir
im  Begriff  stehen.  Ich  kann  diesen  Punkt  nicht  berühren,  ohne  den  edlen
Bestrebungen  Sr.  Majestät  des  Königs  der  Belgier  unsere  Huldigung  darzubringen,
  des  Begründers  eines  Werkes,  das  heute  von  fast  allen  Mächten
anerkannt  ist  und  das,  indem  es  sich  befestigt,  der  Sache  der  Menschlichkeit
wertvolle  Dienste  wird  leisten  können.  —  Meine  Herren,  ich  bin  von  Sr.
Majestät  dem  Kaiser  und  König,  meinem  erhabenen  Herrn,  beauftragt  worden,
Ihnen  allerhöchst  seinen  wärmsten  Dank  auszusprechen  für  den  Anteil,  den
ein  jeder  von  Ihnen  an  der  glücklichen  Erfüllung  der  Aufgabe  der  Konferenz
genommen  hat.  Ich  erfülle  eine  letzte  Pflicht,  indem  ich  mich  zum  Bekunder
der  Dankbarkeit  mache,  welche  die  Konferenz  denjenigen  ihrer  Mitglieder
schuldet,  die  sich  den  schwierigen  Arbeiten  des  Ausschusses  unterzogen  haben,
insbesondere  dem  Herrn  Baron  de  Courcel  und  dem  Herrn  Baron  de  Lambermont.
  Ebenso  danke  ich  den  Herren  Abgesandten  für  die  wertvolle  Unterstützung,
  die  Sie  uns  haben  freundlich  zu  teil  werden  lassen,  und  ich  geselle
zu  dem  Ausdrucke  dieses  Dankes  auch  das  Schriftführeramt  der  Konferenz,
das  durch  die  scharfe  Knappheit  seiner  Arbeiten  zur  Erleichterung  unserer
Aufgabe  beigetragen  hat.  Meine  Herren!  Die  Arbeiten  dieser  Konferenz
werden  wie  jedes  menschliche  Werk  verbessert  und  vervollkommnet  werden
können,  aber  sie  werden,  wie  ich  hoffe,  einen  Fortschritt  in  der  Entwickelung
der  internationalen  Beziehungen  bezeichnen  und  unter  den  Kulturvölkern  ein
neues  Band  der  Gemeinsamkeit  bilden."

Die  General-Akte  (St  A.  45,  8605)  zerfällt  in  7  Kapitel  und  38
Artikel:  Kapitel  1  „Erklärung  bezüglich  der  Freiheit  des  Handels  im  Becken,
in  den  Mündungen  des  Kongo  und  umliegenden  Ländern  und  damit  zusammenhängende
  Bestimmungen“  umfaßt  Artikel  1—8.  Das  zweite  Kapitel
„Erklärung  bezüglich  des  Sklavenhandels“  enthält  nur  einen  Artikel  9.
(Vgl.  7.  Januar.)  Das  dritte  Kapitel  „Erklärung  bezüglich  der  Neutralität
der  zu  dem  Vertragsgebiete  des  Kongobeckens  gehörigen  Gebietsteile“  enthält
die  Artikel  10—12.  Kapitel  4,  „Schiffahrtsakte  für  den  Kongo“,  umfaßt
Artikel  13—25.  Kapitel  5.  „Schiffahrtsakte  für  den  Niger",  enthält  Artikel
  26—33.  Kapitel  6,  „Erklärung  bezüglich  der  wesentlichen  Bestimmungen,
welche  zu  erfüllen  sind,  damit  neue  Besitzergreifungen  an  den  Küsten  des
afrikanischen  Kontinents  als  wirklich  vollzogen  („effectives“)  betrachtet  werden“,
  enthält  die  beiden  Artikel  34  und  35.  (Bgl.  31.  Januar.)  Das  letzte,
7.,  Kapitel  enthält  die  „Allgemeinen  Bestimmungen“,  Artikel  36  „die  Berechtigung
  der  Mächte,  die  Konferenzbeschlüsse  nach  vorhergegangener  gemeinsamer
  Verständigung  zu  verändern  und  zu  verbessern;  Artikel  37  die  Bestimmung,
  daß  andern  Mächten  der  Zutritt  zur  Generalakte  offen  gehalten
werden  soll;  Artikel  38  die  Bestimmung  bezüglich  der  Ratifikation  der  vorliegenden
  Vereinbarungen.

1.  März.  (Württemberg.)  Staatsrat  von  Sarwey  wird
an  Stelle  von  Geßlers  zum  Kultusminister  ernannt.

2.  März.  (Kolonial-Etat.)  Reichstag:  bewilligt  den  für
die  Kolonien  geforderten  Nachtragsetat  von  248,000  M  als  Pauschquantum

  gegen  die  Stimmen  der  Polen  und  Sozialdemokraten.
Der  Reichskanzler  erklärt  sich  mit  der  Form  des  Pauschquantums
einverstanden;  auf  die  in  der  Kommission  an  ihn  gerichteten  Anfragen  habe
er  bestimmte  Antworten  nicht  geben  können,  da  er  selbst  sich  bisher  eine
feste  Ansicht  über  die  künftige  Organisation  der  Kolonien  nicht  gebildet  habe.
Wenn  der  Reichstag  seine  Kolonialpolitik  nicht  unterstütze,  so  würde  er