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päischen Diplomatie. Man deutete auch ganz richtig den eigentlichen
Sinn dieser Abmachungen als eine wechselseitige Unterstützung in dem
Falle, daß eines der beiden Länder angegriffen würde. Für diesen Fall
habe man im voraus einen gemeinsamen Plan aufgestellt, der aber niemanden
zu beunruhigen brauche, da man ja die friedlichen Grundanschauungen
der Großmächte Europas kenne. Besonders galt das für
den Zaren. Man brauchte daher in seinen an Bord des ‚Pothuan‘ gesprochenen
Abschiedsworten Keine Bedrohung für irgend jemanden zu
sehen, auch der Dreibund nicht, so lange dieser seinem Friedensprogramm
treu blieb. Aber das belgische Außenministerium fügt doch auf Grund
seiner von Petersburg erhaltenen Nachrichten hinzu: ‚Es ist nichtsdestoweniger
sicher, daß die Begegnung von Peterhof das Vorhandensein
eines Gegengewichtes gegen den Dreibund noch mehr bestätigt hat, und
daß die erste Folge dieses Einvernehmens die ist, Frankreich an der
Verwirklichung seiner Revanchepläne zu hindern.‘‘!) Mit dieser Wirkung
konnte sich jedermann einverstanden erklären, dem an der Erhaltung
des Friedens gelegen war.
In diesem ersten, vom belgischen Außenministerium an die Auslandsvertreter
gesandten Rundschreiben, mit dem wir uns beschäftigen,
erscheint also der Zweibund fast unmittelbar als eine Verstärkung der
auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Bestrebungen des Dreibundes.
Wenn Rußland durch die enge Bindung mit Frankreich dieses von der
Verfolgung ausschweifender und nur durch die Zerschlagung Deutschlands
erreichbarer Ziele abhielt, so diente es dadurch tatsächlich einer
Verstärkung der Friedenssicherheit in Europa. Neben wirtschaftlichen
Gedankengängen, auf die wir bereits wiederholt hingewiesen haben, und
die Rußland möglichst gute Beziehungen zu einem der kreditfähigen
Großstaaten Europas zwingend nahelegten, sind es vielleicht wirklich
friedliche Gedankengänge gewesen, die den Zaren Alexander III. bewegten,
als er — zögernd und vorsichtig — zu der Vereinbarung der
Generalstäbe seine Zustimmung gab. Daß aus dieser Militärkonvention
nach und nach ein ausgesprochen offensiver Zweibund erwachsen ist,
und daß sich ganz besonders aus der VerschlieBung des deutschen Marktes
für die russischen Anleihen ein hohes Maß von Abhängigkeit Rußlands
von Frankreich ergab, darauf haben die belgischen Diplomaten, wie wir
gesehen haben, immer wieder hingewiesen. Getreu der Absicht, in unserem
Werke nur die Berichterstattung und das Urteil der belgischen Diplomaten
im Anschlusse an die im Druck vorliegenden fünf Bände ‚Zur
europäischen Politik‘ zu Worte kommen zu lassen, wollen wir nun im
einzelnen unser Augenmerk darauf richten, wie die Grundlage des Zweibundes
im Laufe der Jahre entsprechend der Weiterentwicklung der
diplomatischen Beziehungen zwischen den Mächten verschieden beurteilt
worden ist. Dabei wird es nicht nötig sein, auf jede einzelne
Schwankung hinzuweisen. Worauf es ankommt, ist die Erkenntnis,
ob die belgischen Diplomaten im Zweibunde immer nur eine für die
1) Bd. I, S. 26.
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