Metadata : Gesetz- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern. 1906. (33)

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verhieß.  Hatte  Christian  zu  seinem  Schutze  Kreuzfahrer  gewonnen,
warum  sollte  jetzt  nicht  einer  der  Ritterorden,  die  in  Palästina  gegen
die  Sarazenen  fochten,  sich  durch  die  Anerbietung  eines  Landgebietes
dazu  bewegen  lassen,  dem  Herzoge  das  heidnische  Volk  zu  unterwerfen?
  Der  schon  früh  lebhaft  gewordne  Verkehr  der  Polnischen  Fürsten

brüchlicher  Consequenz  dem  Einfluß  des  Herzogs  fern  gehalten,  zu  ihm  kommen,
mit  dem  Rathe,  wie  sie  anzulegen  sei!  Und  dieser  Rath  Christians,  des  Bischofs
und  Herriu  von  Preußen,  soll  gar  gewesen  sein:  Der  Herzog  möge  für  sich  Preußen
  durch  den  Deutschen  Orden  erobern  lassen,  diesem  aber  das  Kulmische
  Land  und  Vöbau  schenken!!  —  Endlich  wissen  wir  aus  authentischster
  Quelle,  aus  der  von  Kaiser  Friedrich  mitgetheilten
  Erzählung  Hermanns  von  Salza  selbst  (Dreger  n.  65.  vgl.  unsre
Urk.  11.),  wie  der  ganze  Antrag  des  Herzogs  gelautet.  Die  dem
Orden  angebotenen  Landschaften  sund:  die  k#e#####,  gue  vocutur  Colmen,  uud  eine
andere  f#erra  inter  Marchiam  suam  (sc.  Conradi)  et  confinia  Prutenorum
(also  Löbau).  Es  ist  nun  bekannt,  daß  das  eine  dieser  Gebete,  das  Kulmische,
  in  Gegenwart  der  Schlesischen  Erlen,  Bischöfe  und  des  Herzogs,  von  Konrad
vor  drei  Jahren  sast  ganz  dem  Bischofe  geschenkt  worden  war.  Ebenso  bekannt  ist
es,  daß  Löbau,  welches  dem  Herzog  nie  angehört  batte,  im  Jahre  1215  gleichfalls
  dem  Bischofe  geschenkt  worden  war.  Hieraus  folgt,  daß  nicht  der  Herzog,  sondern
  Christian  dem  Orden  jene  Laudschaften  anzubieten  hatte,  daß,  wenn  der
Hochmeister  einen  Namen  nanute,  d.  b.  wenn  die  Gesandten  den  Namen  auch  nur
des  ersten  ihrer  Auftraggeber  genannt  häuen,  dies  der  Name  Christians  hätte
sein  müssen:  aber  der  Bericht  des  Hochmeisters  weiß  nur  von  dem
Herzog,  nennt  den  Bischof  Christian  gar  nicht!  —  —  Der  Herzeg
hat  also  wirklich,  indem  er  Kulm  und  Löbau  dem  Orden  anbot,  eine  Lüge  begangen,
einen  Betrug  an  dem  Bischof  versucht!  —  Der  Zweck  dieses  Betruges  ist  ebenfalls
aus  der  kaiserlichen  Urkunde  zu  ersehen.  Der  Hochmeister  hatte  wohl  verstauden,  daß
Preußen,  welches  zuerobern  er  sich  verpflichten  sollte,  ihm  nich  t  angeboten
war.  Das  also  war  ch,  was  Konrad  wollte.  Christian  hatte  sich  dazu  nicht
gebrauchen  lassen  wollen:  jetzt  sollte  es  doch  erreicht  werden,  durch  den  Deutschen
Orden.  —  Welch  ein  Net  von  Trug  und  Falschheit  lag  mithin  in  dem  Antrage
des  Herzogs!  Wir  wissen  nun,  wessen  wir  uns  bei  ihm  zu  versehen  haben.  Wer
die  bestimmtesten  Rechte,  wer  die  von  ihm  selbst  seierlich  geschlossenen  Verträge
so  beispiellos  verachtet  und  verleugnet,  hat  auf  unseren  Glauben  keinen  Anspruch
mehr.  Wir  haben,  um  uns  zu  versichern,  was  an  seinen  Worten  wahr,  was  falsch
sei,  keine  anderen  Mittel  mehr,  als  die  sorgfältigste  Berücksichtigung  seines  Charak.
ters,  die  Vergleichung  der  Verhälmisse  und  die  Aussagen  Andercr.  —  Inwiesern
Günther  von  Plock  würdig  war,  Konrads  Vertrauter  zu  sein,  wird  uns  außer  diesem
  Falle  noch  in  einem  spätern  deutlich  werden.