Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1817. (12)

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er  seine  Saaten  anvertraut,  von  keinem  Menschen  erwarten,  von  keinem
Günstling  des  Glücks  erschmeicheln;  es  bedarf  keiner  Laune  eines  Königs
dazu.  Sie  ist  durch  das  ewig  wirksame  Wort  des  Schöpfers  gegeben,  ausgebreitet,
  unvertilgbar,  unerschöpflich  und  wartet  nur  auf  eine  fleißige  Hand.

Oder  wer  führt  ihm  die  Sonne  am  heiteren  blauen  Himmel  herauf,
daß  sich  die  Keime  seiner  Saaten  entwickeln?  Wer  überzieht  den  Himmel
mit  Wolken,  daß  er  zu  rechter  Zeit  seine  Pflanzung  begieße?  Oder  wer
weigert  beides  und  bleibt  stumm  zu  seinen  Bitten?  Oder  wer  zerstört
die  Hoffnung  des  Glücklichen  durch  Hagelschlag  den  Tag  vor  der  Ernte?
Nennt  mir  einen  Menschen,  der  einen  Regentropfen  in  dem  Dunstkreise
zusammenziehen,  der  die  Millionen  von  Weizenkörnern,  die  der  Garbenbinder
  sammelt,  um  eines  vermehren  kann!  Da  wird  alle  Weisheit  der
Gelehrten,  alle  Fertigkeit  des  Künstlers,  alle  Macht  der  Könige  zu  Schanden.

Nur  zu  dem  Ewigen  kann  der  Sämann  beten,  wenn  er  seine  Saat
auf  den  Acker  trägt;  nur  ihm  der  Schnitter  danken,  wenn  reiche,  schwere
Halme  unter  der  Sichel  fallen;  nur  demutsvoll  zu  ihm  und  vertrauend
sprechen:  „Dein  Wille  geschehe“,  wenn  alle  seine  Hoffnungen  vernichtet
sind.  So  wird  jeder  Landmann  unaufhörlich  an  Gott  und  seine  Verhältnisse
  zu  ihm  erinnert;  so  ist  sein  Beruf,  wenn  er  nur  will,  mehr  als  jeder

andere,  eine  Schule  der  Religiosität.
Johann  Peter  Hebel.

4.  Die  Ausbildung  des  Landwirts.

Jur  eine  ordentliche  Schulbildung  und  eine  gründliche  Vorbildung
  auf  seinen  Beruf  machen  den  Landwirt  zum  Herrn  seines
Geschäfts;  auch  der  Landmann  bedarf  einer  ausreichenden  theoretischen
  und  praktischen  Vorbereitung  auf  die  Beschäftigung,  die
ihm  den  Lebensunterhalt  gewähren  und  ihn  zu  einem  glücklichen
Menschen  machen  soll.  Nur  der  einsichtige,  gut  geschulte  und  erfahrene
  Mann  kann  frei  und  glücklich  auf  seinem  Erbe  und  Hofe
leben;  nur  er  wird  ein  rechter  Bauer  sein.  Was  der  Landwirt
an  theoretischem  Wissen  braucht,  das  lernt  er  zunächst  in  der
Volksschule.  Dank  der  landesväterlichen  Fürsorge  unseres  erhabenen
  Herrscherhauses  hat  die  Volksschule  im  Laufe  der  letzten
Jahrhunderte  eine  solche  Ausgestaltung  erhalten,  daf  die  geistigen
Fähigkeiten,  die  sie  vermittelt,  in  den  meisten  Fällen  für  die  allgemeine
  Bildung,  welche  dem  Landwirte  nötig  ist,  ausreichte,
wenn  ihre  Veranstaltungen  in  Erziehung  und  Unterricht  nur  von
allen  gehörig  benutzt  und  ausgenützt  würden.  Jedenfalls  erweisen
  die  Landwirte  sich  und  ihren  Kindern  den  größten
Nutzen,  wenn  sie  für  die  Volksschule  gern  und  freudig  die  Opfer
bringen,  die  ihnen  die  Regierung  zu  ihrem  eigenen  Besten  auferlegt.
  Leider  fehlt  es  in  dieser  Beziehung  noch  häufig  an  der
richtigen  Wertschätzung  der  Volksschule;  vielfach  wird  sie  noch
mehr  als  eine  Last  denn  als  eine  überaus  wohltätige  Einrichtung