Full text : Königlich Württembergisches Staats- und Regierungs-Blatt vom Jahr 1819. (14)

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Auch  kann  den  Parteyen,  wenn  entweder  in  der  ersten  Antwort  des  Beklagten,  oder
in  der  Replik  des  Klaͤgers  erhebliche  neue  Thatsachen  vorkommen  sollten,  zur  weiteren  Erklaͤrung
  des  Klaͤgers  in  der  Replik,  oder  des  Beklagten  in  der  Duplik  auf  Verlangen
eine  jedoch  moͤglich  beschraͤnkte  Bedenkzeit  nicht  verweigert  werden.

.  99.
6)  Gegenüberstellung  der  Parteyen.
Sind  bepvde  Theile  über  das  gegenseitige  Vorbringen  einzeln  gehört,  so  bemüht  sich
der  Richter  noch  durch  Gegenüberstellung  derselben,  den  Widerspruch,  in  welchem  sie  sich
etwa  noch  in  Absicht  auf  erhebliche  That-Sachen  befinden,  zu  heben.

.  100.
7)  Vergleichs-Versuch.

So  wie  das  Oberamts=  Gericht  keine  Gelegenheit  zu  Ausgleichung  des  Streites  unbenußzt
  lassen  darf;  so  hat  es  besonders  jebt,  da  ihm  durch  die  bisherigen  Verhandlungen
eine  Uebersicht  über  die  Lage  des  Streites  und  eine  Würdigung  der  gegenseitigen  Ansprüche
möglich  gemacht  werden  mußte,  den  Versuch  der  Sühne  zu  veranstalten  oder  zu  erneuern.

K.  #101.
8)  Uebersicht  über  die  Streit-Verhältnisse.

Mißlingt  dieser  Versuch;  so  muß  der  Richter  eine  zusammenhängende  Geschichts-Erzählung
  über  die  dem  Rechts-Streite  zu  Grunde  liegenden  That-Sachen,  so  weit  die  Parteyen
  darüber  einig  sind,  entwerfen;  die  noch  streitig  gebliebenen  Umstände  besondersbemerken;
  und  die  erheblichen,  welche  durch  Beweis  noch  näher  auszumitteln  sind,  von  den  unerheblichen
  absondern.

Diese  Uebersicht  ist  vor  den  bey  der  Verhandlung  anwesenden  Gerichts-Personen  den
Parteyen  zur  Anerkennung  vorzulegen,  und  deren  Bemerkungen  darüber  sind  zu  Protokoll
zu  nehmen.

Solche  macht  die  Grundlage  des  ganzen  künftigen  Verfahrens  aus.

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.  1032.
9)  Beweis-Verfahren.
Obgleich  der  wahre  undeigentliche  Zweck  der  bisherigen  Verhandlungen  in  Festse  ung
der  Streit-Frage  besteht,  und  dabey  Verwickelungen,  welche  durch  Einmischung  fremdartiger
  Gegenstände  entstehen  könnten,  zu  verhüten  find;  so  gehört  es  doch  nicht  nur  zu  den