neten und abheilten, bald um pfenniggroße, rosenrothe Flecke, welche ohne Abschuppung
wieder verschwanden; einige Bezirksärzte sahen mehrfach einen Nesselausschlag
(urticaria), einmal wird ein herpesartiger fieberhafter Ausschlag erwähnt, 2 Bezirksärzte
beobachteten impetigoartige Ausschläge, 2 andere sahen Varicellen sich neben den
Impfpusteln entwickeln.
Den Mittheilungen aus Hessen ist folgende Bemerkung zu entnehmen: „Zur
Konstatirung des Auftretens chronischer Hautausschläge, von welchen das Publikum gewöhnlich
so viel zu erzählen weiß, gehört eine längere Beobachtung der Impflinge, als
sie den meisten Impfärzten möglich ist. Die Impfberichte geben deshalb kein genaues
Material, obgleich durch die Verhaltungsvorschriften, die jetzt den Eltern in die Hände
gegeben werden, die Angeige des Vorkommens krankhafter Erscheinungen nach der
Impfung an die Impfärzte angeregt worden ist.“ Akute Hautausschläge kamen in
Hessen bei Benutzung von Thierlymphe, vielleicht etwas häufiger als beim Gebrauch der
Menschenlymphe vor. Sie zeigten eine verschiedene Form: Rubeolaartige Flecken, Roseola,
Erythem, Ekgeme, Knötchen 2c. und pflegten rasch mit dem Abheilen der Impfpusteln zu
verschwinden. Impctigo contagiosa ist nach der Impfung nicht konstatirt worden.
In Mecklenburg-Schwerin wurden 3 Zälle von impetigo contagiosn bei
Erstimpflingen und 2 bei Wiederimpflingen angemeldet, doch haben sich nach dem
Berichte über die Impfstoffgewinnungsanstalt zu Schwerin einige dieser Fälle als Windpocken
erwiesen. (Arb. a. d. Kaiserl. Ges.-Amte Bd. VII S. 128.)
In Sachsen-Weimar traten bei 3 Kindern 2 bis 3 Tage nach der Impfung
Varicellen auf, ohne die Entwickelung der Impfpusteln zu behindern, ferner bei 2 Geschwistern
ein Frieselausschlag am ganzen Körper, in Folge dessen die Kinder sehr unruhig
waren und sich beständig kratzten. Nach Aussage der Eltern, welche eine gahlreiche
Familie besaßen, waren deren Kinder sämmtlich in den ersten Lebensjahren
von Ausschlägen befallen gewesen. Der Ausschlag bei den gedachten Impflingen ist
gut abgeheilt und hat keinerlei Nachtheil für deren Gesundheit hinterlassen.
Die nach den Impfungen in Hamburg vorgekommenen, nennenswerthen Formen
von Hautausschlag sind bereits nach dem Berichte über die dortige Impfstoffgewinnungsanstalt
in Bd. VII der Arb. a. d. Kaiserl. Ges. Amte (S. 128) erwähnt, in
Elsaß-Lothringen wurden chronische Hautausschläge in Folge der Impfung aus
keinem Bezirke gemeldet, in den übrigen Staaten sind bemerkenswerthe Fälle der Art
ebenfalls nicht beobachtet worden.
Besondere Vorkommnisse. Unter dieser Ueberschrift werden in den dem Reichsamte
des Innern alljährlich zugehenden staatlichen Zusammenstellungen über die Ergebnisse
der Impfung hauptsächlich diejenigen Todesfälle mitgetheilt, welche bei geimpften
Kindern in den ersten Wochen nach der Impfung eintraten und von Diesem oder
Jenem, gewöhnlich ohne Grund, in ursächlichen Zusammenhang mit der stattgehabten
Impfung gebracht wurden oder hätten gebracht werden können. Da während der heißen
Sommermonate des Jahres 1889 in vielen Gegenden des Deutschen Reiches eine ungewöhnlich
hohe Kindersterblichkeit herrschte, welche hauptsächlich durch ein vermehrtes
und bösartiges Auftreten der Kinderdurchfälle veranlaßt war, so hat es eben an Todesfällen
unter den Erstimpflingen in diesem Jahre weniger als sonst gefehlt.“)
*) In den größeren Orten des Deutschen Reiches (mit 15000 und mehr Einw.) starben während
der Monate Juni und Juli 1889 auf ca. 11 Millionen Einwohner nicht weniger als 29 433 Kinder des
1. Lebensjahres (Veröff. d. K. G. A. 1890 S. 368); mithin starb damals von je 100 lebenden Kindern
dieses Alters wöchenllich mindestens ein Amd, wenn man nach dem Volkszählungsergebniß (v. 1886)
die Zahl der lebenden Kinder dieses Allers auf ca. 3 Prozent der Gesammtbevölkerung schätzt.