Contents : Geschichte der königlich Preußischen Armee. Band IV. (4)

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zu  können1).  Eine  neue  Geschützgießerei  trat  1809  in  Gleiwitz  in
Tätigkeit  und  nahm  unter  Leitung  des  Majors  Braun  rasch  solchen
Aufschwung,  daß  im  ersten  Jahre  ihres  Bestehens  dort  214  Geschütz—
rohre  gegossen  wurden.  Braun  legte  auch  eine  Pulverfabrik  bei  Neiße
an  underrichtete  dort  die  erste  Artilleriewerkstätte,  der  solche  in  Königsberg
  und  in  Berlin,  wo  1810  das  alte  Gießhaus  dazu  eingerichtet
wurde,  sowie  in  den  meisten  Festungen  folgten.  Sie  waren  zur
Anfertigung  und  Instandsetzung  von  Wagen,  Lafetten,  Geschirren
usw.  bestimmt.  Der  Betrieb  erfolgte  durch  die  aus  allen  nötigen
Handwerkerklassen  zusammengesetzten  Handwerkskompagnien  der
Artilleriebrigaden,  zu  deren  Inspekteur  am  12.  Januar  1811  der
verdiente  Major  Braun  ernannt  wurde.  Die  Artilleristen  erhielten
für  den  Friedensdienst  Gewehre,  ins  Feld  wurden  aber  nur  die
glatten  Bajonettkarabiner  der  Unteroffiziere  und  Bombardiere  mit—
genommen  und  an  Kanoniere,  besonders  bei  den  Munitionswagen,
gegeben.  Bei  den  Parkkolonnen  führten  alle  Kanoniere  Gewehre.
Die  reitende  Artillerie  erhielt  Husarensäbel  und  Pistolen.

Die  Bekleidung  der  Armee  wurde  von  Grund  aus  verändert,
wobei  die  damalige  russische  Uniform,  an  der  der  König  Gefallen
gefunden  hatte,  als  Muster  diente.  Der  alte  Glanz  verschwand,  die
Armut  des  Staates  drückte  sich  auch  in  der  äußeren  Erscheinung  der
Truppen  aus.  Die  großen  Montierungsstücke  wurden  der  Infanterie
nicht  mehr  alljährlich,  sondern  nur  alle  zwei  Jahre  geliefert,  bestanden
aber  aus  besserem  Stoffe,  und  ein  wesentlicher  Fortschritt  lag  in  der
Einführung  von  Mänteln,  die  sie  bisher  entbehrt  hatte?“).  Zur  Anfertigung
  der  großen  Montierungsstücke  wurden  zuerst  1809  in  Königsberg
  beim  1.  und  2.  Ostpreußischen  Infanterieregiment  Handwerksstätten
  eingerichtet,  wo  sie  durch  Soldaten,  die  gelernte  Schneider
waren,  unter  Aufsicht  hergestellt  wurden.  Dies  bewährte  sich  und
sollte  1811  allgemein  eingeführt  werden,  auch  für  die  Schuhmacherarbeiten.
  Die  Ereignisse  ließen  es  jedoch  nicht  überall  zu,  und  die  neue
Einrichtung  kam  erst  von  1816  an  allgemein  in  Gangss).

Als  Kopfbedeckung  erhielten  die  Kürassiere  Lederhelme  russischer
Art  mit  hohem  Roßhaarkamm  und  messingnem  Vorderblech  mit  Adler
(Garde  du  Corps  Stern),  die  Gardeulanen  hohe  Czapkas  mit  dunkelblauem
  Kopfteil  und  langen  schwarz-weißen  Fangschnüren,  alle
übrigen  Truppen  Czakos  von  Filz  mit  Lederschirm,  bei  der  Kavallerie
auch  mit  ledernem  Deckel  und  Besatz  sowie  Einlage  von  Eisendraht

91)  v.  Malinowsky  und  v.  Bonin,  Geschichte  der  brand.  preuß.  Artilleric,
Bd.  2  S.  342ff.

sꝛ)  Nach  den  Befreiungskriegen  wünschten  manche  Stimmen  aber  wicder
Decken  statt  der  Mäntel,  dic  auf  Märschen  nie  getragen  worden,  als  Schutz  im
Lager  ungenügend  und  deren  Wickeln  beim  Aufbruch  aus  dem  Biwak  zu  zeitraubend
sei.  v.  Reinhard,  Geschichte  des  1.  Garderegiments  zu  Fuß,  S.  445.

63)  (Ribbentrop),  Sammlung  von  Vorschriften,  Anweisungen  usw.  über  die
Belleidung  der  K.  Pr.  Armce,  Berlin  1815,  S.  67ff.  und  Nachtrag  1816  S.  1023ff.