44
zu können1). Eine neue Geschützgießerei trat 1809 in Gleiwitz in
Tätigkeit und nahm unter Leitung des Majors Braun rasch solchen
Aufschwung, daß im ersten Jahre ihres Bestehens dort 214 Geschütz—
rohre gegossen wurden. Braun legte auch eine Pulverfabrik bei Neiße
an underrichtete dort die erste Artilleriewerkstätte, der solche in Königsberg
und in Berlin, wo 1810 das alte Gießhaus dazu eingerichtet
wurde, sowie in den meisten Festungen folgten. Sie waren zur
Anfertigung und Instandsetzung von Wagen, Lafetten, Geschirren
usw. bestimmt. Der Betrieb erfolgte durch die aus allen nötigen
Handwerkerklassen zusammengesetzten Handwerkskompagnien der
Artilleriebrigaden, zu deren Inspekteur am 12. Januar 1811 der
verdiente Major Braun ernannt wurde. Die Artilleristen erhielten
für den Friedensdienst Gewehre, ins Feld wurden aber nur die
glatten Bajonettkarabiner der Unteroffiziere und Bombardiere mit—
genommen und an Kanoniere, besonders bei den Munitionswagen,
gegeben. Bei den Parkkolonnen führten alle Kanoniere Gewehre.
Die reitende Artillerie erhielt Husarensäbel und Pistolen.
Die Bekleidung der Armee wurde von Grund aus verändert,
wobei die damalige russische Uniform, an der der König Gefallen
gefunden hatte, als Muster diente. Der alte Glanz verschwand, die
Armut des Staates drückte sich auch in der äußeren Erscheinung der
Truppen aus. Die großen Montierungsstücke wurden der Infanterie
nicht mehr alljährlich, sondern nur alle zwei Jahre geliefert, bestanden
aber aus besserem Stoffe, und ein wesentlicher Fortschritt lag in der
Einführung von Mänteln, die sie bisher entbehrt hatte?“). Zur Anfertigung
der großen Montierungsstücke wurden zuerst 1809 in Königsberg
beim 1. und 2. Ostpreußischen Infanterieregiment Handwerksstätten
eingerichtet, wo sie durch Soldaten, die gelernte Schneider
waren, unter Aufsicht hergestellt wurden. Dies bewährte sich und
sollte 1811 allgemein eingeführt werden, auch für die Schuhmacherarbeiten.
Die Ereignisse ließen es jedoch nicht überall zu, und die neue
Einrichtung kam erst von 1816 an allgemein in Gangss).
Als Kopfbedeckung erhielten die Kürassiere Lederhelme russischer
Art mit hohem Roßhaarkamm und messingnem Vorderblech mit Adler
(Garde du Corps Stern), die Gardeulanen hohe Czapkas mit dunkelblauem
Kopfteil und langen schwarz-weißen Fangschnüren, alle
übrigen Truppen Czakos von Filz mit Lederschirm, bei der Kavallerie
auch mit ledernem Deckel und Besatz sowie Einlage von Eisendraht
91) v. Malinowsky und v. Bonin, Geschichte der brand. preuß. Artilleric,
Bd. 2 S. 342ff.
sꝛ) Nach den Befreiungskriegen wünschten manche Stimmen aber wicder
Decken statt der Mäntel, dic auf Märschen nie getragen worden, als Schutz im
Lager ungenügend und deren Wickeln beim Aufbruch aus dem Biwak zu zeitraubend
sei. v. Reinhard, Geschichte des 1. Garderegiments zu Fuß, S. 445.
63) (Ribbentrop), Sammlung von Vorschriften, Anweisungen usw. über die
Belleidung der K. Pr. Armce, Berlin 1815, S. 67ff. und Nachtrag 1816 S. 1023ff.