Metadata : Die Hohenzollern und das Reich. Band 3. (3)

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„Räuberbanden“  —  wie  Napoleon  das  Schillsche  Freicorps  nannte  —  ein  Ziel
zu  setzen,  und  Schill  sah  sich  dadurch  genötigt,  seine  Streifzüge  auf  einen  immer
engeren  Umkreis  um  Kolberg  zu  beschränken.  Nach  einem  unglücklichen  Kampfe  bei
Naugard  (17.  März)  gegen  die  zur  Einschließung  von  Kolberg  im  Anmarsch  befindliche
  Division  Teulié  besetzte  Schill  das  verschanzte  Dorf  Sellnow,  eine  Viertelmeile
  südlich  der  Stadt,  und  als  auch  dieses  bei  dem  näheren  Andringen  der
Franzosen  geräumt  werden  mußte,  da  sah  sich  Schill  nahe  an  die  Festung  gebannt.

Von  der  Mündung  der  Persante  dehnt  sich  westwärts  am  Gestade  der
Ostsee  entlang  ein  anmutiges  Birkenwäldchen,  genannt  die  Maikuhle.  So
lange  dasselbe  von  den  Preußen  besetzt  blieb,  war  der  Hafen  gedeckt  und  durch
ihn  die  Verbindung  der  eingeschlossenen  Festung  sowohl  östlich  mit  dem  Kriegsschauplatz
  in  Preußen,  als  mit  Schweden  und  England  gesichert.  Die  Verteidigung
  dieses  Wäldchens  übertrug  der  Kommandant  jetzt  der  Infanterie  Schills.

Dort  lagen  seine  Krieger  manchen  Tag,  hatten  die  Erde  zum  Lager  und
den  Himmel  zum  Dach  und  waren  fröhlichen  Mutes.  Der  Wald  über  ihnen
und  um  sie  her  fing  an  zu  knospen  und  zu  grünen,  die  Erde  unter  ihnen
schmückte  sich  mit  ihrem  Teppich,  und  in  den  Zweigen  zu  ihren  Häupten  bauten
die  gefiederten  Frühlingsboten  ihre  Nester.  Draußen  an  dem  Kranze  sandiger
Dünen  vor  dem  Wäldchen  standen  die  Wachposten,  spähten  entlang  dem  Meeresstrande
  und  binnenwärts  ins  Land.  Die  anderen  lagerten  auf  den  Waldplätzen
  bei  den  Waffen,  planderten  und  bereiteten  das  Mahl  in  Feldkesseln,
jeder  sein  eigener  Wirt,  ihr  gemeinschaftlicher  Tisch  der  grüne  Rasen;  Taselmusik
  machten  die  Vögel  im  Laube.  Oft  aber  ward  auch  die  Ruhe  gestört,  ein
Signalschuß  in  der  Postenlinie  kündete  das  Nahen  des  Feindes.  Dann  fuhr
der  Schill  empor.  „Zu  den  Waffen!"  rief  er,  und  alle  standen  bereit,  ihr
Kleinod  zu  verteidigen.  Die  Kugeln  prasselten  wie  Hagelschauer  über  die  junge
Saat;  sie  aber  standen  fest  und  wankten  nicht.  Uber  den  Kämpfenden  ragte
der  weiße  Scheitel  und  das  treue  Gesicht  des  alten  Nettelbeck,  der  aufrecht  in
seinem  Wagen  stand  und  aus  den  mitgebrachten  Bierfässern  frische  Labung
spendete.  „Gott  lohn's  Euch,  Vater!“  dankten  die  Jungen;  er  aber  folgte  ihnen
ins  Feuer  und  stimmte  beim  Pfeifen  der  Kugeln  mit  rauher  Seemannskehle
sein  Lied  an:  „Halt't  Euch  wohl,  Ihr  preuß'schen  Brüder!"  —  Das  klang
weiter  von  Mann  zu  Mann,  von  Flügel  zu  Flügel;  der  Wald  rauschte,  und  die
Wogen  sangen  mit.  So  mancher  aber  sah  zum  letztenmal  das  sröhliche  Waldesgrün,
  und  die  Erde,  für  die  er  gekämpft,  ward  zugleich  seine  Grabstätte.  —

Oft  versuchten  die  Franzosen,  die  Maikuhle  zu  nehmen;  alle  ihre  Angriffe
scheiterten  an  dem  heldenmütigen  Widerstande  der  kleinen  Schar.  Aber  der
Mut  des  kühnen  Führers  war  umdüstert.  Schill  hatte  davon  geträumt,  von
Pommern  aus  einen  Einfluß  auf  den  allgemeinen  Verlauf  des  Krieges  üben
und  dem  ganzen  Vaterlande  Rettung  bringen  zu  können.  Es  war  sein  Lieb-