Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreißigster Jahrgang. 1914. Zweite Hälfte. (55b)

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der  Schule  freigegeben  würden,  keine  Einstimmigkeit  vorhanden  sei;
doch  war  er  der  Ansicht,  daß  es  am  besten  sei,  hier  den  localen
Verhältnissen  Rechnung  zu  tragen.

In  gleichem  Sinne  sprach  sich  auch  Hr.  Reichensperger
aus;  er  empfahl,  daß  man  die  localen  Gewohnheiten  der  Bevölkerung
  berücksichtigen  möge;  man  könne  dies  um  so  eher  thun  und
brauche  es  um  6  weniger  allzugenau  mit  den  katholischen  Feiertagen
  zu  nehmen,  als  deren  Zahl  bei  weitem  nicht  mehr  so  groß
sei  wie  früher.  An  manchen  Orten  würde  die  Nichtbeachtung  eines
Festtages  seitens  der  Schule,  wie  z.  B.  des  Fastnachts-Montags  in
Cöln,  ohnehin  fruchtlos  sein.  Die  Regelung  dieser  Frage  könne
ohne  Bedenken  den  einzelnen  Directoren  unter  Zustimmung  der
Provinzial-Verwaltung  überlassen  bleiben.  «

Von  anderer  Seite  (Jäger)  wurde  dagegen  bemerkt,  daß  das
Uebermaß  der  katholischen  Feiertage  störend  auf  den  Unterricht
wirke,  und  eine  Regelung  dieser  Angelegenheit  gewünscht  werde.

Auch  in  Betreff  der  jüdischen  Feiertage  wurde  eine  gesetzliche
  Bestimmung  derjenigen  für  erforderlich  geachtet,  an  welchen
die  jüdischen  Schüler  von  dem  Schulbesuch  zu  dispensiren  seien
(Gandtner,  Meffert).  —

Eine  Verminderung  oder  Erhöhung  der  jetzigen  Gesammtdauer
der  Schulferien  hatte  der  Referent  nicht  fuͤr  ein  Bedürfniß  erklaͤrt,
und  auch  von  anderer  Seite  wurde  ein  Wunsch  nach  Aenderung  in
dieser  Beziehung  nicht  geäußert.

Der  Vorschtag  des  Referenten,  eine  größere  Gleichmäßigkeit
und  bessere  Ordnung  in  den  Ferien  dadurch  herbeizuführen,  daß
hinfort  der  Anfang  des  Schuljahres  mit  dem  des  bürgerlichen
Jahres  zusammenfällt,  wurde  von  vielen  Mitgliedern  der  Conferenz
ansdrücklich  und  lebhaft  gebilligt  (Dillen  burger,  Fritsche,
Gandtner,  Gallenkamp,  Jäger,  Meffert,  Kern,  Kruse,
Schäfen)  und  zugleich  erwähnt,  daß  sich  bereits  mehrere  Directoren-Conferenzen
  für  die  vorgeschlagene  Einrichtung  ausgesprochen
hätten.  Gegen  den  Vorschlag  sprach  Niemand.  Derselbe  wurde
von  einer  Seite  vielmehr  als  so  sehr  im  Interesse  der  Schule
liegend  bezeichnet,  daß  man  rieth,  ihn  ohne  weitere  Räcksicht  au
andere  damit  in  Zusammenhang  stehende  Verhältnisse,  welche  si
der  vollendeten  Aenderung  von  selbst  accommodiren  würden,  auszuführen
  (Kruse,  Gallenkamy).

Hinsichtlich  der  Universitäten  wurde  dabei  bemerkt,  daß  sogar
die  zu  Leipzig,  welche  sich  früher  mit  Rücksicht  auf  die  Meßzeit
einer  derartigen  Veränderung  wenig  güntig  gezeigt  hätte,  derselben  jetzt
beizustimmen  geneigt  sein  solle,  und  daß  man  um  so  eher  die  gleiche
Sustimmung  von  den  preußischen  Universitäten  erwarten  dürfe
Frits  che).  —  Außer  den  Universitäten  würden  auch  die  technischen

hranstalten  und  die  militairischen  Bildungsschulen  von  der  vorge-