Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

269—270.  1611  621

dem  konige,  das  seiner  ergsten  feind  einer  gestorben,  gluk  gewinscht
vnd  das  es  andern,  so  gut  kaisserisch  sein,  auch  so  erghen  moge,
optirt.!  Vnd  weyl  der  konig  auch  schiken  wirdett,  als  wirst  Du
Dich  vorigen  Deines  gelibtten  brudern  resolutionibus  gemes  zu  erkleren
wissen;  dan  es  schewen  die  konische  den  churfurstentagk  wie  der
teuffll  das  kreutz.  Nhu  haltt  ich  aber  vor  ein  grosse  notturfit
I.  ksl.  M.!  vnd  des  reichs  zu  sein,  das  diese  sach  dahin  verschoben
werde.“  Glückwunsch  zur  angehenden  Regierung.  Datum  Prag  den
8.  julii  a.  1611.
Drs.,  1.  8683,  Schreiben  an  Kurfürsten  Joh.  Georg,  f.  12;  Or.  eigh.

970.  Kaiserliche  Instruktion  für  Adam  von  Trautmannsdorf,
  Hannewald  und  Günterode  zur  Schickung
nach  Dresden.

Auf  die  Nachricht  vom  Ableben  des  Kurfürsten  Christian  II.
haben  wir  zunächst  Günterode  nach  Dresden  geschickt,  haben  aber,  da
inzwischeu  die  Trauernachricht  bestätigt  wurde,  gleich  darauf  diese  Gesandtschaft
  zur  Kondolenz  und  zur  Gratulation  beim  neuen  Kurfürsten
abgefertigt.  —  Da  derselbe  gewiss  völlig  in  die  Fusstapfen  seines  Bruders
treten  wird,  so  bitten  wir  ibn,  dass  er,  da  der  fostgesetzte  Termin  des
Kurfürstentags  herannaht  und  die  weiter  entsessenen  Kurfürsten
wol  schon  auf  der  Reise  oder  gar  zu  Mühlhausen  sind,  sich  alle  Mühe
gebe,  damit  der  Tag,  an  dem  uns  und  dem  Reiche  so  viel  gelegen  ist,
nicht  verschoben  oder  gar  zerschlagen  werde  und  dass  er,  Kurfürst,
sich  dahin  begebe;  dadurch  würde  er  der  ganzen  Welt  zu  erkennen
geben,  dass  er  trotz  der  eingetretenen  Veränderung  und  des  bekümmerten
Zustandes  für  die  Erhaltung  unserer  kaiserlichen  Hoheit  und  der  gemeinen
Wolfahrt  sorgen  wolle.  Damit  der  Kurfürst  sein  Amt  aber  desto
füglicher  vertreten  kann,  übersenden  wir  ihm  einen  Lehensindult  auf
sechs  Monate.  Geben  auf  unserm  schloss  zu  Prag  den  9.  julii  a.  1611.

Nach  Ablegung  der  ersten  Werbung  sollen  die  Gesandten  vom
Kurfürsten  noch  geheime  Audienz  begehren  und  dabei  anbringen:  Der
Kurfürst  wird  gehört  haben,  dass  wir  mit  unserm  Bruder  in  Verhandlung
  stehen;  wir  wollen  ihm  daher  über  den  Stand  derselben
berichten  und  ihn  um  sein  Gutachten  ersuchen.  —  Da  wir  beim  letzten
böhmischen  Landtag  sowol  mit  dem  Ausschreiben  als  mit  der  Proposition
und  anderem  beschwert  uud  übereilt  worden  sind  und  man  sich  auf  unsere
reservierten  Punkte  schlecht  und  fast  schimpflich  erklärt  hat,  so  haben
wir  Bedenken  getragen,  uns  ohne  Rat  und  Zutun  der  Kurfürsten  in
feraere  Verhandlungen  einzulassen,  wie  dies  aus  unsern  verschiedenen

1  Bodenius  berichtet  am  9.  Juli  seinem  Herrn:  die  Kaiserlichen  seien
nagen  des  Todesfalles  sehr  betrübt,  bei  den  Königlichen  spüre  man  davon
te  (Mo,,  Entstehung,  Fasz.  III.,  no.  26,  f.  119;  Or.  eigh.).

Juli  8.

Juli  9.