Full text : Realienbuch Nr. 3 (3)

Geschichte.  63

durch  den  Thüringer  Wald.  Dort  wurde  er  auf  Veranlassung  seines  Landesherrn,
des  Kurfürsten  von  Sachsen,  der  ihn  schützen  wollte,  von  einigen  Reitern  überfallen
und  heimlich  nach  der  Wartburg  bei  Eisenach  gebracht.  Kuf  diesem  einsamen  Bergschlosse
  lebte  er  zehn  Monate  lang  in  Derborgenheit  und  beschäftigte  sich  mit  der
Ubersetzung  der  Bibel.

7.  Der  Bildersturm  zu  Wittenberg.  zu  dieser  Seit  kamen  zahlreiche  Anhänger
Luthers,  meist  Leute  aus  dem  handwerkerstande,  von  Swickau  nach  Wittenberg.  Sie
verwarfen  die  Kindertaufe,  sowie  andre  kirchliche  Gebräuche  (Messe)  und  verlangten,
daß  aus  den  Kirchen  alle  Bilder  entfernt  würden.  Um  ihre  Forderungen  durchzusetzen,
drangen  sie  in  die  Gotteshäuser  ein  und  zerstörten  die  Bildsäulen  und  Gemälde.  HRls
Luther  davon  hörte,  ließ  er  sich  auf  der  Wartburg  nicht  länger  zurückhalten.  Er
eilte  nach  Wittenberg  und  predigte,  bis  er  den  „SBildersturm“  gestillt  hatte.  Dann
nahm  er  seine  Lehrtätigkeit  an  der  Universität  wieder  auf  und  fuhr  fort,  die  Bibel
zu  übersetzen.  —  Sugleich  suchte  Luther  zusammen  mit  Melanchthon  und  einigen
andern  seiner  Anhänger  im  Kurfürstentume  Lachsen  eine  neue  Kirchenform  einzurichten.
  Messe,  Ohrenbeichte,  Derehrung  der  Heiligen  und  Reliquien  wurden  abgeschafft,
  dagegen  deutsche  Hredigt  und  deutscher  Gesang  beim  Gottesdienfte  eingeführt.
Von  den  sieben  Sakramenten  der  Kirche  ließ  Luther  nur  das  heilige  bendmahl,
bei  dem  aber  die  Teilnehmer  auch  den  Wein  empfingen,  und  die  Taufe  bestehen.
Die  Chelosigkeit  der  Geistlichen  wurde  aufgehoben.  Luther  selbst  verheiratete  sich
mit  Katharina  von  Bora,  einer  aus  dem  Kloster  ausgetretenen  Monne.  —  In  vielen
Gegenden  Deutschlands  richtete  man  die  Kirchen  nach  dem  Dorbilde  ein,  das  im
Kurfürstentume  Sachsen  gegeben  wurde.  Zuch  das  Schulwesen  wurde  überall  da
neugestaltet,  wo  Luthers  Lehre  Eingang  fand.

II.  Der  Bauernkrieg.

Die  Lage  des  Bauernstandes  war  in  den  letzten  Jahrhunderten  immer  schlechter
geworden.  Der  Bauer  mußte  mit  seinen  Lamiliengliedern  und  mit  seinen  Sugtieren
oft  mehrere  Tage  der  Woche  auf  dem  Gutsbofe  unentgeltlich  arbeiten  (Hhand-  und
Spanndienste).  RKußerdem  hatte  er  allerlei  bgaben  an  Dieh  und  Seldfrüchten  an
den  Gutsherrn  zu  entrichten.  Daher  war  es  ihm  auch  bei  großem  Sleiße  kaum  möglich,
das  Leben  zu  fristen.  Als  nun  TLuther  eine  Schrift  über  die  Glaubensfreiheit  herausgab,
bezogen  die  Bauern  das  Wort  „Hreiheit“  auf  ihre  Lage.  Im  Jahre  1525  erhoben  sie
sich  in  ganz  Süd-  und  Mitteldeutschland  und  forderten  Kbschaffung  der  Teibeigenschaft,
Beschränkung  und  Feststellung  der  Fronden  und  AKbgaben,  freie  Jagd,  freien  Fischfang,
freies  Holz  und  freie  Wahl  ihrer  Geistlichen.  Ihr  hauptführer  in  Mitteldeutschland  war
der  frühere  Mönch  Thomas  Münzer.  Sie  bemächtigten  sich  der  freien  Reichsstadt
Mühlhausen  i.  Th.,  verjagten  den  Rat  und  machten  sich  selbst  zu  herren.  Solange
die  Bauern  sich  vor  Gewalttaten  gehütet  hatten,  war  TLuther  für  sie  eingetreten.
#ber  als  sie  anfingen,  furchtbare  Greuel  zu  begehen,  sowie  Burgen  und  Ulöster  zu
verbrennen,  forderte  er  die  Sürsten  auf,  sie  zur  Ruhe  und  Ordnung  zu  zwingen.
Diese  taten  sich  nun  ohne  Rücksicht  auf  ihren  Glauben  zusammen  und  vernichteten
die  Bauernheere;  Münzer  wurde  gefangen  und  grausam  hingerichtet.  Die  Lage  des

Bauernstandes  wurde  nun  schlimmer  als  vorher  und  ist  auch  noch  über  250  Jahre
lang  so  traurig  geblieben.