242 10. Schleswig-Holstein — das zweite Meisterstück
gehen imstande sein, Preußen aus den Herzogtümern
herauszumaßregeln.
„Zweifeln Sie dennoch an der Möglichkeit, unsere Absichten
zu verwirklichen, so habe ich schon in der Kommission ein Auskunftsmittel
empfohlen: limitieren Sie die Anleihe dahin, daß
die erforderlichen Beträge nur dann zahlbar sind, wenn wir
wirklich Kiel besitzen, und sagen Sie: „Kein Kiel, kein
Geld!“ Ich glaube, daß Sie anderen Ministern als denen,
die jetzt die Ehre haben, 'sich des Vertrauens Seiner Majestät
des Königs zu erfreuen, eine solche Bedingung nicht abschlagen
würden. Sie zweifeln an unserer Befähigung und an unserem
Beruf, Staatsgeschäfte zu treiben. Ich bin nicht unbescheiden
genug, daß mir nicht selbst mitunter solche Zweifel beikämen;
ich bin überzeugt, daß jeder der Herren, die diese Phrase
unterschrieben haben, die Sache an meiner Stelle besser gemacht
haben würde; aber den Beweis davon haben Sie noch
nicht gegeben. Haben Sie mit der Verweigerung der
Anleihe, die wir damals von Ihnen verlangten,
Düppel erobert und Alsen, dann, meine Herren, habe
ich auch die Hoffnung, daß aus Ihrer Verweigerung
der jetzigen Anleihe auch eine preußische Flotte hervorgehen
werde.
„Wir hätten vielleicht, wenn Sie uns mit der Entschlossenheit
beigestanden hätten, die ich von Ihrem preußischen Patriotismus,
sobald Sie die Richtung erkannten, in der wir gingen,
erwartete, vielleicht mehr erreicht; es ist möglich. Aber Sie
haben Ihren Beistand verweigert. Jedenfalls ist das, was
damals Ihr Ideal war, jetzt für die preußische Regierung
das Minimum des Erreichbaren. Wir können
das, was Sie vor einundeinhalb Jahren als Höchstes
erstrebten, in jeder Viertelstunde ins Werk setzen:
einen unabhängigen schleswig-holsteinischen Staat,
sogar mit einigen mäßigen, uns aber nicht genügenden
Vorteilen für Preußen — es bedarf nur einer in
einer Viertelstunde aufzusetzenden Erklärung der königlichen
Regierung, und der Staat wäre geschaffen.“