Diesem Rathe gemäß handelte Friedrich, und daran that er wohl. Hatte
man doch ganz öffentlich von einflußreichen Leuten folgende Worte gehört: ‚Es
wäre nicht gut, daß man die Kurfürsten zu Brandenburg mehr wachsen lasse, es
sei gut, daß der Kurfürst gedemüthigt werde.“ Wenn nun auch nicht in Abrede
gestellt werden kann, daß außer der Hinterlist des Verfahrens vom Standpunkt
des östreichischen Patriotiemus solche Wünsche gehegt und gefördert werden
durften, so ist doch nicht einzusehen, warum, während der Kaiser hinterrücks
seinen Generalen den Befehl gab, zum Schaden der Reichsangelegenheiten und
Hollands jede ernstliche Theilnahme zu verweigern, der Kurfürst nicht offen und
ehrlich mit den Franzosen einen Frieden zum Schutze seiner treulos preisgegebenen
Provinzen schließen sollte, zumal da ihm durch jene geheimen Befehle
jede Aussicht auf erfolgreiche Wendung der Kriegsangelegenheiten genommen war.
Nichtsdestoweniger blieb Friedrich Wilhelm auch noch nach dem Frieden
von Vossem gerüstet, weil er einestheils wohl wußte, daß der Unbewaffnete
unter Bewaffneten weder etwas gelte noch sicher sei, und andererseits auch
fest entschlossen war, wie es in dem Frieden ausbedungen, im Falle einer Beeinträchtigung
des Reiches selbst nachdrücklich mitzuwirken. Seine ganze Anstrengung
ging dahin, einen allgemeinen Frieden unter den streitenden Parteien
zu vermitteln, was für ihn in diesem Augenblick um so wichtiger schien, da der
König Michael von Polen gestorben war, und deshalb von dieser Macht her
neue Bewegungen zu fürchten standen. Deshalb erneuerte er ein älteres Bündniß
mit Schweden auf zehn Jahre, kraft dessen beide Mächte sich gegenseitige
Vertheidigung versprachen, so wie auch nach Kräften auf den Abschluß eines
allgemeinen Friedens hinzuwirken. Beide behielten sich jedoch, im Falle das
Friedenswerk nicht gelänge, das Recht vor, am Kriege Theil zu nehmen, doch
sollte vorher ein Jeder seine Absichten dem Andern mittheilen. Hierdurch sicherte
sich Friedrich Wilhelm wenigstens gegen jede gefährliche Ueberraschung.
Kaum hatte sich der Kurfürst ernstlich vom Schauplatz der Waffenthaten
zurückgezogen, so wurde er der Gegenstand der Unterhandlung und Bewerbung
von allen Seiten, denn man hatte seine Thatkraft kennen gelernt, und Jeder
fürchtete ihn zum Feinde zu haben. Besonders waren die Diplomaten Frankreichs,
Hollands und des Kaisers am Berliner Hofe thätig. Von den Generalstaaten
forderte er vor Allem die Entrichtung der rückständigen Subsidien, was
diese jedoch auf günstigere Zeiten verschoben. Dem Kaiser antwortete er, daß
Brandenburg ohne Subsidien keine Truppen stellen könnte; auch brachte er seine
Ansprüche auf Jägerndorf in Erinnerung, und verwendete sich für die in den
kaiserlichen Erblanden unterdrückten Protestanten. Am Meisten konnte er von
den Franzosen erwarten. Diese waren durch Ruyters Erfolge zur See, und
durch den von dem Parlamente erzwungenen Rücktritt Karls II., von dem in
England unpopulären Bündniß gegen das protestantische Holland, so wie durch
die Fortschritte des Prinzen von Oranien, der sich Bonns bemächtigt hatte, in
ziemlich bedeutende Verlegenheit gerathen. Sie boten ihm auch wirklich für